Karl Schnitzler: Priester seit einem halben Jahrhundert

Von: Peter Stollenwerk
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Im Eifeldom in Kalterherberg hat Pfarrer Karl Schnitzler so manche Stunde seines Lebens als Seelsorger verbracht. Hier feiert er am Sonntag, 6. März, auch den Dankgottesdienst aus Anlass seines goldenen Priesterjubiläums. Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Der Weg zum Altar, in die Sakristei, auf den Friedhof und zu den Gläubigen nach Hause gehört für Karl Schnitzler immer noch zum Alltag: Der 76-jährige Seelsorger in der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Monschau ist nach wie vor eine wesentliche Stütze im großen Pfarrverbund. Dabei wurde er bereits im September 2009 als verantwortlicher Pfarrer verabschiedet.

Zwar ist er seit dieser Zeit von vielen Aufgaben entbunden, aber über Mangel an Arbeit in den zurückliegenden sieben Jahren als Subsidiar kann er sich nicht beklagen. „Ich bin zu 100 Prozent ehrenamtlich tätig“, lächelt Karl Schnitzler, der sich nach wie vor seiner Kirche und den etwa 9000 Gläubigen in der GdG Monschau eng verbunden fühlt.

Der in Kalterherberg lebende Seelsorger blickt trotz bewegter Zeiten der Veränderung immer noch optimistisch in die Zukunft und sieht im Wandel der Kirche auch stets neue Chancen, dass die Gläubigen ihr Selbstverständnis als Christen neu definieren können.

„Keine Leute mehr“

Diesen Gedanken, dass jedem Ende auch ein neuer Anfang innewohnt, möchte Karl Schnitzler auch kommenden Sonntag, 6. März, einem für ihn ganz besonderen Tag, in den Blickpunkt rücken. Dann feiert er im Kalterherberger Eifeldom St. Lambertus im Rahmen eines Dankgottesdienstes sein goldenes Priesterjubiläum (s. Box). Seine Priesterweihe erfolgte exakt vor 50 Jahren am 5. März 1966 im Dom zu Aachen durch Bischof Dr. Johannes Pohlschneider.

Die Situation ist schwierig in der GdG Monschau, seitdem sich Anfang des Jahres 2014 der leitende Pfarrer Karl-Heinz Stoffels aus persönlichen Gründen aus der Verantwortung zurückzog, um seinem Leben als Priester eine neue Ausrichtung zu geben.

Karl Schnitzler weiß, dass die Bewältigung der seelsorgerischen Aufgaben in der GDG Monschau angesichts der augenblicklichen Personalknappheit realistisch betrachtet ohne die Unterstützung auch der beiden ebenfalls längst im Ruhestand befindlichen Pfarrer Dr. Francis Chirayath und Friedrich Hack kaum möglich ist. Schnitzler glaubt im Übrigen nicht, dass der GdG Monschau mit ihren sieben Gemeinden in absehbarer Zeit noch einmal ein neuer leitender und residierender Pfarrer zugeteilt wird, auch wenn der Bischof nach wie vor diese Absicht bekräftigt. „Das Bistum hat keine Leute mehr“, bringt Schnitzler die Situation des chronischen Priestermangels auf den Punkt.

Nicht glücklich zeigt er sich mit der augenblicklichen Übergangslösung der Pfarradministration. Rückwirkend zum 1. Januar 2016 wurde Domkapitular Pfarrer Heiner Schmitz als Pfarradministrator ernannt. Heiner Schmitz folgte damit Pfarrer Philipp Cuck als Administrator, der nach dem Weggang von Pfarrer Stoffels diese Aufgabe über einen Zeitraum von zwei Jahre zusätzlich wahrgenommen hat.

Überraschend ist die Entwicklung in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten indes für Karl Schnitzler nicht eingetreten. Als er 1992 nach Kalterherberg kam, wusste er bereits, dass in wenigen Jahren die Pfarren Höfen und Rohren hinzukommen würden. Diesen Pfarrverbund erfüllte er gemeinsam mit Kaplan Lautenschläger mit neuen Leben. Schon vor 20 Jahren sei absehbar gewesen, dass sich die Personalsituation stark zuspitzen werde. Von Seiten des Bistums aber seien Schritte unterlassen worden, um Alternativen zu schaffen, bedauert Schnitzler. Im daraufhin gebildeten Leitungsteam in der GdG Monschau sieht Karl Schnitzler ebenfalls keine dauerhafte Lösung, da hier eine Struktur geschaffen worden sei, die in der katholischen Kirche nicht vorgesehen sei und die letztlich auch über keine Entscheidungskompetenz verfüge.

Alle Kritik an den strukturellen Schwächen ändert aber nichts daran, dass der 76-Jährige nach wie vor mit Engagement und Kreativität seinen liturgischen und seelsorgerischen Dienst ausübt. Allein 60 Exequien mit Trauerbegleitung standen im vorigen Jahr für ihn auf dem Dienstplan, er begleitete die Erstkommunion und die Taufen in fast allen Pfarren.

Angesichts sich weiterhin verschärfender Engpässe (noch in diesem Monat kehrt Pfarrer Francis Chirayath in seine Heimat Indien zurück) sieht Karl Schnitzler der verantwortungsvollen Einbindung von Laien eine immer größere Bedeutung zukommen. Daher sieht es der Seelsorger in der Endphase seines Wirkens auch als besonders wichtigen Teil seiner Arbeit, diese neuen Möglichkeiten zu fördern. „Wir müssen die ehrenamtliche Arbeit achten“, wünscht sich Karl Schnitzler, denn heute gehe es um die Frage, „wie es morgen mit unserer Kirche weiter geht.“

Veränderungen gehören für den Seelsorger zum Wesen der Kirche. Dazu gehört für ihn auch die 2008 abgeschlossene Umgestaltung des Chorraums in der Pfarrkirche Kalterherberg. Als der Altar von seinem angestammten Platz entfernt und in die Mitte des Gotteshauses gerückt wurde, musste Schnitzler zum Teil gegen massive Widerstände ankämpfen. Heute können sich es die Gläubigen kaum noch anders vorstellen.

„Auf jeden Fall“, sagt Karl Schnitzler auf die Frage, ob er rückblickend auf 50 Jahre seelsorgerische Tätigkeit denn noch einmal den Priesterberuf ergreifen würde. Er kann sich noch gut daran erinnern, als er vor einem halben Jahrhundert wie alle anderen ahnungslosen Neupriester auch, einen verschlossenen „blauen Brief“ erhielt, worin vom Bistum die Zuweisung zur ersten Pfarre mitgeteilt wurde. Diese erste Pfarrstelle als Kaplan (1966 bis 1971) war für Karl Schnitzler St. Lambertus in Erkelenz. Hier widmete er sich verstärkt der Gestaltung von Schulgottesdiensten sowie zahlreichen Projekten. Der junge Priester war hier so sehr in seinem Element, „dass ich die 1968er-Bewegung überhaupt nicht wahrgenommen habe“.

Die nächsten fünf Jahren führten den Kaplan dann in die Dürener Pfarre St. Anna, wo die Jugendarbeit einen besonderen Schwerpunkt bildete.

Seine prägendste Zeit erlebte Karl Schnitzler dann von 1975 bis 1986 in Wilhelmshaven als Militärpfarrer. In dieser Zeit profitierte er auch von der sehr guten Zusammenarbeit mit dem evangelischen Militärpfarrer, besonders mit Blick auf die Trauerpastoral. Im Gegensatz zu den Ritualen in der katholischen Kirche spielte in der evangelischen Kirche damals schon die persönliche Wertschätzung eine große Rolle wie auch die Wahrnehmung der Trauer der Hinterbliebenen.

Kein Problem mit Reichenstein

Entsprechend schwer fiel der Abschied aus Wilhelmshaven. Nach sechsjähriger Tätigkeit als Krankenhauspfarrer in Krefeld folgte 1992 dann die Berufung in die Eifel, wo Karl Schnitzler auch seiner Heimat, dem kleinen Örtchen Schneidhausen bei Kreuzau, wieder ein Stück näher war.

In seine Zeit in der GdG Monschau fiel auch die Neubesiedlung des Klosters Reichenstein durch Mönche des Benediktinerordens. Hier sieht Karl Schnitzler aber keine Berührungspunkte, da die Benediktiner von ihrer Struktur nicht auf Nachbarpfarren ausgerichtet seien, sondern in ihrem Kovent vor Ort bleiben würden. Er persönlich habe kein Problem damit, wenn die Mönche ihre Gottesdienste nach dem alten liturgischen Ritus abhalten würden. „Das habe ich früher ja auch so gemacht, aber wenn es um die Theologie geht, dann sieht die Sache schon anders aus.“

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