Karl-Heinz Kuckelkorn: „Jagd ist eine Frage von Ethik und Moral”

Von: Ernst Schneiders
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So genannte Drückjagden bescheren dem Wild unnötiges Leid und sind deshalb im Sinne des Tierschutzgesetzes „mehr als bedenklich”, sagt Karl-Heinz Kuckelkorn.

Nordeifel. Es soll Jäger geben, die auf alles ballern, was nicht schnell genug auf dem Baum ist. Und es gibt Jäger, für die ist Jagd kein Sport, „sondern ein Handwerk”. Zu Letzteren zählt sich Karl-Heinz Kuckelkorn aus Lammersdorf.

Der Pressesprecher der Kreisjägerschaft, Jagdberater der Städteregion und Ausbilder angehender Waidmänner sorgte dieser Tage mit einer Äußerung im Monschauer Rathaus für Irritationen. Dort bezeichnete Kuckelkorn die so genannten Drückjagden als rechtlich zwar in Ordnung. Aus Gründen des Tierschutzes sei diese Art der Bejagung allerdings „mehr als bedenklich”.

Eine schallende Ohrfeige für all die Grünröcke, die bei Drückjagden in relativ kurzer Zeit eine möglichst große Strecke machen wollen? Ob das jemand so empfindet, beschäftigt Karl-Heinz Kuckelkorn kaum: „Ich stehe dazu, und ich sage das jedem, der mich fragt.”

Der erfahrene Jäger meint damit weniger seine Kollegen in den privaten Jagdrevieren, sondern das Treiben in öffentlichen Revieren. Dort werde das Wild „beunruhigt” und in Richtung der Schützen getrieben. An ihnen vorbei flüchten die Tiere wie in Panik. Es fallen viele Schüsse, doch längst nicht jeder Schuss ist ein finaler. Etliche Tiere werden nur verletzt und verenden später qualvoll irgendwo im Dickicht, es werden ihnen Gliedmaßen abgeschossen oder sie laufen nurmehr verkrüppelt herum, weiß Kuckelkorn aus langjähriger Erfahrung.

Hinzu komme die Gefahr, eines oder mehrere Leittiere zu töten, ein Verlust, der Struktur und Rangordnung eines Rudels über den Haufen wirft. „Wenn die Tiere an mir vorbei rennen, kann ich nicht erkennen, welches ein Leittier ist und welches nicht.”

Anders beim Einzelansitz, so der Waidmann. Dann sei das Wild ruhig, man erkenne sofort das Leittier und werde statt seiner ein anderes Tier „ansprechen”, womit im Jäger-Deutsch die tödliche Kugel gemeint ist. Hinzu kommt noch ein kulinarischer Aspekt: Werden Wildtiere beunruhigt und fliehen, ist ihr Adrenalinausstoß so groß, dass die Qualität des Fleisches gemindert wird. Das hat sogar die EU schon thematisiert, weil es bei Wildbret auch um ein Lebensmittel geht.

All das hat bei Karl-Heinz Kuckelkorn zu der Einsicht geführt, „dass ich von Drückjagden nichts halte”. Ohnehin sei jeder Waidmann nach dem Gesetz verpflichtet, Tieren unnötiges Leid zu ersparen. Das Risiko, ein Tier bei einer Drückjagd nur zu verletzen, sei sehr hoch. Ein solches Risiko müsse niemand eingehen.

Kuckelkorn: „Das sage ich auch den angehenden Jägern. Und wem es nicht wenigstens ein wenig leid tut, ein Tier töten zu müssen, der sollte aufstehen und gehen. Moral und Ethik müssen in den Kopf eines jeden Jägers hinein. Wenn wir schon dieses Handwerk ausüben, dann sollten wir es vernünftig machen. Die erste Stunde jedes neuen Lehrgangs ist eine Moralpredigt.”
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