Monschau - Kammerkonzert von Paniflow: Zur Belohnung gibt es stehende Ovationen

Kammerkonzert von Paniflow: Zur Belohnung gibt es stehende Ovationen

Von: js
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Er kam unmittelbar als Träger des 1. Preises im Musikwettbewerb der Accademia Musicale Romana nach Monschau: der Pianist Alexander Panfilow. Foto: Josef Schreier

Monschau. Die Kammerkonzerte im Monschauer Aukloster etablieren sich. Der Organisator der Reihe, Florian Koltun, konnte sich am Sonntag über ein nahezu voll besetztes Haus freuen, als der junge russische Pianist Alexander Panfilow mit einer eindrucksvollen Programmfolge aus Werken von Johann Sebastian Bach, Robert Schumann und Modest Mussorgsky gastierte.

Panfilow kam unmittelbar als Träger des 1. Preises im Musikwettbewerb der Accademia Musicale Romana nach Monschau, wie Florian Koltun nicht ohne Stolz vermeldete. Die mit dieser Ankündigung verbundenen Erwartungen erfüllten sich vollauf. Am Schluss des Programms feierten die Zuhörer den Künstler mit stehenden Ovationen, was in diesem Rahmen wohl bisher nur sehr selten vorkam.

Freilich hatte Panfilow ein Programm ausgesucht, dessen Akzent auf effektvolle Steigerungen solche Reaktionen herausforderte. Es war auch deutlich zu spüren, dass das musikalische Temperament des russischen Musikers trotz einer durchaus sachlichen und durchdachten pianistischen Dramaturgie solchen emotionalen Eruptionen nicht abgeneigt war.

Ganz verständlich daher, dass die einleitende Partita B-Dur von Johann Sebastian Bach schon eher als Vorklang an die anschließenden romantischen Kompositionen erschien und weniger an die mittlerweile gewohnte „historisch informierte“ Aufführungspraxis barocker Musik denken ließ.

Mit Robert Schumanns „Symphonischen Etüden“ op. 13 führte Panfilow die Zuhörer dann aber in eine Klangwelt, in die er offenbar unmittelbarer zu Hause ist. In Schumanns frühen Klavierwerken, zu denen diese Etüden gehören, ist jederzeit die Problematik einer angefochtenen künstlerischen und persönlichen Individualität wahrzunehmen, die sich gelegentlich in eine äußerliche Expressivität steigern kann, welche aber die innere persönliche Unsicherheit doch nur kompensiert. Panfilow steuerte in seiner Interpretation merklich auf diese affirmativen Wendungen zu, die dann im Vergleich die stilleren und nachdenklicheren Passagen weniger zur Geltung kommen ließen.

Weniger bekannte Fassung

Ähnlich ging es auch beim Hauptwerk des Nachmittags, den „Bildern einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky, einem überaus eindrucksvollen Zyklus, der gewiss, wie Florian Koltun zurecht hervorhob, heute zu den populärsten Werken der klassischen Musik überhaupt zählt, – dies freilich eher in der Orchesterfassung, die der französische Komponist Maurice Ravel lange nach Mussorgskys Tod herstellte.

Am Sonntag war nun die – weit weniger bekannte –Originalfassung für Klavier zu hören, die auf eine Gedächtnisausstellung von Bildern des mit Mussorgsky befreundeten Malers Viktor Hartmann zurückgeht. Dem Komponisten gelingt es dabei, die Bilder des Freundes derart in Musik umzusetzen, dass der Zuhörer die Bilder nahezu nicht mehr vermisst, sondern diese mit Hilfe der Musik sich selber assoziieren kann.

Allerdings gilt auch für dieses Mussorgskysche Werk, dass es besonders am Schluss in eine bedenkliche – selbst politische – Affirmation ausmündet, insoweit das letzte Tonbild des Zyklus, vom „Großen Tor von Kiew“, so etwas wie ein musikalisches Symbol für die Größe des russischen Reiches darstellen soll, die freilich Mussorgsky selber in seinen beiden historischen Opern höchst kritisch gesehen hat.

Alexander Panfilow jedenfalls brachte Mussorgsky Werk, dem er sicherlich persönlich besonders verbunden ist, den Zuhörern auf eine außerordentlich bewegende Weise nahe. Der gewaltige Beifall, den er erntete, wurde von ihm mit besonders gelungenen Zugaben beantwortet, nämlich mit zwei Préludes von Sergej Rachmaninow, von denen das zweite, op. 32,5 schließlich auch das Lyrisch-Melancholische der „russischen Seele“ gebührend zum Ausdruck brachte.

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