„Kammerkonzert mit Literatur“: Gut durchdacht und mit Überraschungen

Von: Josef Schreier
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Füllten die renovierte Roetgener Evangelische mit musikalischem Leben: die Musikerinnen (v.l.) Monika Pfennigs, Audrey Luzignant und Yvonne Schabarum. Foto: Josef Schreier

Roetgen. Die renovierte Roetgener Evangelische Kirche fühlte sich erfreulich neu an, als am Sonntag eine recht stattliche Besucherzahl ein Kammerkonzert erlebte, das selber auch viel Neues und Überraschendes brachte. „Kammerkonzert mit Literatur“ hieß die Veranstaltung.

Den musikalischen Teil bestritt ein Bläsertrio mit Monika Pfennigs (Flöte), Audrey Luzignant (Fagott) und Yvonne Schabarum (Oboe). Letztere hatte auch das Konzept des Nachmittags ausgedacht und erzählte Aufschlussreiches zu den Komponisten, unter denen mit Julius Röntgen auch ein Deutscher war, der im eigenen Lande wohl ziemlich unbekannt blieb. Aber nun: Literatur? Was hatte es damit auf sich?

Das Konzert richtete den Blick auf das Reformationsjubiläum. Aber dieser Blick war ungewöhnlich. Denn Pfarrer Wolfgang Köhne – als Rezitator – begann mit einem Abschnitt – ausgerechnet - aus Heinrich Heines Buch über die deutsche Geistesgeschichte, wo dieser (sonst als Spötter bekannt) zu Beginn in anerkennender Weise auf Martin Luther zu sprechen kommt und die „Marseillaise der Reformation“ (das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“) zitiert.

So begann der musikalische Teil denn auch mit der Orgelbearbeitung dieses Luther-Liedes von Johann Pachelbel – natürlich nicht auf der Orgel gespielt, sondern in einer höchst gelungenen Bearbeitung, die eigens für das agierende Trio eingerichtet wurde. Es stellte sich dabei freilich heraus, dass die hallige Akustik des Raumes (noch ohne Bänke) recht heikel ist und die Einzelstimmen ein wenig verschwimmen ließ. Im Laufe des Konzerts kamen die erfahrenen Musikerinnen mit dieser Situation aber immer besser zurecht.

Kleines Werk nimmt für sich ein

Noch nicht ganz freilich bei dem unbekanntesten Stück des Nachmittags, dem Bläsertrio des in den Niederlanden hoch geachteten, bei uns aber weitgehend unbekannten, aus Leipzig stammenden Komponisten Julius Röntgen. Das kleine Werk konnte in der lebendigen und kompetenten – wenn auch akustisch eben ein wenig beeinträchtigten – Darbietung der Künstlerinnen sehr für sich einnehmen.

Der literarische Teil brachte anschließend Texte des jüngst verstorbenen Heiner Geißler, der durchaus kritische Töne zu Martin Luther hören ließ, sowie des bekannten spirituellen (ebenfalls katholischen) Autors Anselm Grün. Beide Texte nahm Wolfgang Köhne zum Anlass, auf die gemeinsame Basis der christlichen Konfessionen hinzuweisen, was auch kritische Betrachtungen der jeweils eigenen Herkunft impliziert.

Bei den letzten musikalischen Beiträgen, dem Concerto Nr. 25 g-moll von Antonio Vivaldi und dem 1. Londoner Trio von Joseph Haydn, hatten die Künstlerinnen die Akustik voll im Griff, so dass diese Werke einen in sich völlig abgerundeten und (entsprechend dem Begleittext von Anselm Grün) „authentischen“ Eindruck machten. Der Beifall des Publikums war denn auch sehr lebhaft und bewog die Künstlerinnen, den letzten Satz des Haydn-Trios als Zugabe zu spielen.

Der Konzertnachmittag war insgesamt bemerkenswert, vor allem durch die aufgelockerte Gesprächsatmosphäre, die Yvonne Schabarum und Wolfgang Köhne durch ihre Wortbeiträge hervorriefen. So konnten auch die musikalischen Werke eine neuartige Wirkung entfalten.

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