Kammerkonzert mit Hindernissen entzückt Publikum

Von: js
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Antonio di Cristofano dankt – sichtlich angeschlagen – seinem Publikum. Foto: Josef Schreier

Monschau. Man hätte glauben können, dass das Winterwetter die Resonanz des ersten Kammerkonzerts im neuen Jahr im Aukloster in Monschau beeinträchtigen würde. Aber weit gefehlt. Das Publikum strömte in ungeahnter Menge in das Konzertsälchen an der Rur.

Leider musste es dann aber zur Kenntnis nehmen, dass der Solist des Nachmittags, der italienische Pianist Antonio di Cristofano, gesundheitlich angeschlagen war und – mit Nachhilfe der „medizinischen Abteilung“ – zwar spielen, aber nur die Hälfte des vorgesehenen Programms absolvieren konnte. Dies freilich mit Bravour.

Das Programm mit Klaviermusik aus der Zeit der Romantik war wohlausgewogen und wies einen gut berechneten Spannungsbogen auf. So ging es von der anmutig-melancholischen Arabeske op. 18 des jungen Robert Schumann über die Polonaise-Fantaisie op. 61, die Frédéric Chopin kurz vor seinem Tode schrieb, bis hin zu dem wohl schwergewichtigsten Werk, nämlich dem Stück „Vallée d’Obermann“ von Franz Liszt.

Franz Liszt – wie überhaupt viele romantische Komponisten – bezog sich oft auf literarische Eindrücke und Vorlagen. So auch in diesem Fall. Der etwas geheimnisvolle Titel („Das Tal von Obermann“) bezieht sich auf einen berühmten Roman der damaligen Zeit. Der französische Autor E. P. de Senancour beschreibt in seinem „Oberman“ einen jungen Mann – vermutlich sich selbst – auf seiner Sinnsuche; die Fragen aus seinem Buch zitiert Liszt in seiner Partitur selbst: „Was will ich, was bin ich? – Jeder Grund ist unklar, jedes Ziel trügerisch.“

Diese weitgehenden Zweifel und Fragen, die seit der Romantik literarisch und musikalisch immer tiefer verfolgt werden, stehen auch schon hinter den Werken von Schumann und Chopin. Antonio di Cristofano konnte den geistigen und musikalischen Gestus der drei Werke in einer sehr sachlichen und unprätentiösen Weise überaus plastisch zum Klingen bringen. Schade, dass ein weiteres romantisches Hauptwerk, Schumanns „Carnaval“, nach der Pause aus den genannten Gründen nicht mehr zum Zuge kam.

Der künstlerische Leiter der Monschauer Kammerkonzerte, Florian Koltun, wollte seine Zuhörerschaft nicht bereits nach einer Stunde nach Hause gehen lassen. Er und seine Frau, die chinesische Pianistin Xin Wang, konnten aufgrund ihrer eigenen musikalischen Kompetenz Abhilfe schaffen und improvisierten den Rest des Programms kurzerhand selbst.

Das Publikum akzeptierte es mit Zustimmung, dass so freilich der zweite Teil des Nachmittags einen völlig andersartigen Charakter trug. Vierhändig spielten die beiden Künstler zunächst Mozarts Sonate KV 521, sodann eine Bearbeitung der Ouvertüre von Rossinis „Barbier von Sevilla“. Auch wenn natürlich gerade Letzteres aus dem geistigen Rahmen des ersten Teils völlig herausfiel, so war doch das Publikum von diesem überraschenden „Neujahrskonzert“ geradezu entzückt und dankte den Künstlern mit lautstarkem Beifall.

Nach den Danksagungen von Koltun an Förderer und Sponsoren der Monschauer Kammerkonzerte sowie den Hinweisen auf die weiteren Konzerttermine spielten die beiden Künstler noch einen der Ungarischen Tänze von Johannes Brahms und entließen die rundum zufriedenen Zuhörer auf ihren Nachhauseweg.

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