Kammerkonzert im Aukloster: Cello und Klavier im Dialog

Von: js
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Alexandre Debrus am Cello und Xin Wang am Klavier gelang es, die unterschiedlichsten Akzente hörbar zu machen und das Publikum zu begeistern. Foto: Josef Schreier

Monschau. Ein umfangreiches Programm erfreute die Besucher des Kammerkonzerts am Sonntag im Monschauer Aukloster. Auch wenn es etwas länger dauerte als normal – es war doch keine Minute zu viel, wie der nicht nur am Schluss enthusiastische Beifall bewies.

Kurzweilig und spannend, so empfand das Publikum im nahezu ausverkauften Bürgersaal die musikalischen Dialoge von Cello und Klavier. Alexandre Debrus aus Brüssel bot zusammen mit der chinesischen Pianistin Xin Wang einen facettenreichen und musikalisch hochwertigen Nachmittag.

Dabei begann freilich Alexandre Delbrus zunächst als Solist mit der Cello-Suite Nr. 1 von Johann Sebastian Bach. Die Interpretation brachte ein Problem auf den Punkt, das sich bei Konzertdarbietungen der kostbaren und empfindlichen Solowerke von Bach immer wieder stellt.

Auch diesmal dachte man – die Zuhörer ebenso wie offenbar auch der Interpret – bei „diesem“ Bach schon im Vorgriff an die später zu hörenden romantisch-expressiven Werke von Beethoven, Schumann und Tschaikowski. Zugleich machte sich der Zuhörer allerdings auch klar, dass nicht nur die „historisch informierte“ Aufführung dieser Werke ihr Recht hat. Bach setzt sich in seiner musikalischen Bedeutung immer durch, bringt auch in der musikalischen Übersetzung in die neuere Zeit tiefe musikalische Eindrücke hervor.

Der Gegensatz zu dem darauffolgenden Werk von Ludwig van Beethoven war allerdings frappant. Dass der spätere Komponist sich mental und musikalisch mit einer völlig andersartigen Welt auseinandersetzen musste, war schon in den allerersten Takten der 2. Cellosonate Beethovens zu spüren. Der melancholisch-nachdenkliche, ja fast depressive Tonfall dieses Anfangs des ersten Satzes ließ das anschließende Allegro beinahe wie eine Kompensation aussehen.

Aber die Energie und der forsch-zuversichtliche Zugriff des Komponisten wie auch der Interpreten ließ die Zuhörer bereits nach diesem ersten Satz – entgegen der Üblichkeit – in Beifallsstürme ausbrechen. Auch der zweite Satz dieses Werks des frühen Beethoven hielt dieses Niveau und beendete den ersten Teil des Konzerts unter großer Zustimmung des Publikums.

Man wird beinahe sagen dürfen, dass der zweite Teil dann nicht mehr ganz auf der gleichen Höhe sich bewegte. Peter Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ sind wohl eines derjenigen Werke, die der erfolgsverwöhnte Komponist schon einmal so nebenbei produzierte. Das Harmlosnaive, wenn auch sehr eingängige Hauptmotiv ist vielleicht als ein etwas sentimentaler Rückblick in eine vermeintlich „heile Welt“ anzusehen, die natürlich das echte Rokoko keineswegs war.

Dass dieses einfache Motiv dann in Variationen umspielt wird, die eher einem romantischen Solistenvirtuosen zugutekommen sollen, trägt zur inneren Unstimmigkeit des Werks bei. Dies ändert aber nichts daran, dass es dem Solisten sehr gute Möglichkeiten gibt, sein Können zu produzieren. Dies tat Alexandre Debrus denn auch zur Freude der Zuhörer ausgiebig.

Am Schluss des Konzerts standen dann die drei Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann. Man findet in diesen Stücken, wie oft bei Schumann, eine ähnliche Bewegung wie bei Beethoven in seiner Cello-Sonate: ein Aufschwung des angefochtenen Individuums, das sich in eine Zuversicht und in einen Enthusiasmus hineinsteigert, an den es im Grunde selbst nicht mehr glaubt.

Alexandre Debrus und Xin Wang gelang es auch hier sehr gut, diese Bewegung in ihren beiden unterschiedlichen Akzenten hörbar zu machen. Mit zwei Zugaben beendeten die beiden Künstler – beinahe gegen den Willen des begeisterten Publikums – einen wiederum höchst anregenden Konzertnachmittag im Aukloster.

Florian Koltun, der das Programm wie gewohnt mit hilfreichen Hinweisen moderierte, bedankte sich für den Zuspruch des Publikums (in dem sich auffallend viele sehr junge Zuhörer befanden) und wies auf das nächste Konzert am 22. März hin.

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