Kammerkonzert: Erstaunliche Sensibilität und Tiefe

Von: Josef Schreier
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Neue Akzente und neue Klangfarben brachten Beleninov (Gitarre) und Kotlibulatova (Piano) in die Konzertreihe. Foto: Josef Schreier

Monschau. Hoch über den Monschauer Gassen, in denen schon der Weihnachtsmarkttrubel begann, fand am Sonntagvormittag in der Schlosskapelle das zweite Kammerkonzert der Reihe „Montjoie Musicale“ statt. Diesmal gab es einen neuen Akzent und eine neue Klangfarbe.

Zu Gast war nämlich der junge russische Gitarrist Evgeny Beleninov, der zusammen mit der usbekischen Pianistin Eleonora Kotlibulatova ein höchst apartes Programm präsentierte.

„Vier Jahreszeiten auf zwei Kontinenten“ lautete das etwas geheimnisvolle Motto der Matinée. Es ging um musikalische Gestaltungen des Jahreskreises von zwei Komponisten aus zwei verschiedenen Jahrhunderten, aus Europa und aus Südamerika, und das Ganze dargestellt auf zwei ganz verschiedenen Instrumenten. Dabei traten die beiden Solisten im ersten Teil keineswegs als Duo auf, sondern jeder für sich.

Evgeny Beleninov spielte die „Vier Jahreszeiten“ des argentinischen Komponisten Astor Piazzolla abwechselnd mit Eleonora Kotlibulatova, von der vier Charakterstücke von Peter Tschaikowski aus seinem die zwölf Monate umfassenden Zyklus „Die Jahreszeiten“ auf dem Klavier zu hören waren. Diese Zusammenstellung zeigte gerade in ihrem Kontrast die jeweiligen Besonderheiten der Komponisten und ihrer Stücke sehr klar auf.

Mit dem Namen Piazzolla ist der argentinische Tango verbunden, den der Komponist mit seiner Musik auf ein nahezu klassisches Niveau hob. Wie sehr auf dieser Grundlage aber auch sehr verschiedene jahreszeitliche Stimmungen ausgedrückt werden können, war in Beleninovs Darstellung spannend und eindringlich zu verfolgen.

Tschaikowskis Musik stammt aus einer völlig andersartigen musikalischen Umwelt und Herkunft. Sein Jahreszeitenzyklus – wie etliche andere Klavierwerke von ihm – lassen den Einfluss Robert Schumanns und der deutschen romantischen Musik deutlich spüren. In der Deutung der usbekischen Pianistin Kotlibulatova war das Charakteristikum der europäischen Musik gegenüber der atmosphärisch andersgearteten Musik aus Südamerika deutlich zu hören, aber doch so, dass auch die gemeinsame Basis der Musik als universaler Sprache (ohne Sprach-Grenzen) zum Zuge kam.

Vielleicht noch eindringlicher als im ersten Teil geriet das, was die beiden Künstler nach der Pause darboten. Jetzt wirkten sie als Duo in dem berühmten „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo und dann auch in einem als Zugabe gewährten temperamentvollen Satz aus einem Gitarrenquintett – dem sogenannten „Fandango-Quintett“ - von Luigi Boccherini.

Gerade, weil der Hörer klassischer Musik mit der Gitarre nicht allzu oft in Berührung kommt, war gerade bei diesen Werken, vor allem in dem hochberühmten zweiten Satz des „Concierto“, das Staunen umso größer, wie stark die Sensibilität und auch die emotionale Tiefe sein können, die der klassischen Gitarre zu entlocken ist. Vielleicht hing der Erfolg des Konzerts auch mit der besonderen Atmosphäre der Schlosskapelle zusammen.

Trotz der erschwerten Umstände aus Anlass des Weihnachtsmarkts war der Besuch auf der Burg doch recht zahlreich. Der Organisator der Reihe, Florian Koltun, deutete an, dass er in Zukunft wohl öfter ein Konzert dorthin verlegen wird, wo ja der ganze Zyklus der Monschauer Kammerkonzerte vor Jahren begonnen hatte.

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