Kalter April für Bienen: Mit weniger Honig zu rechnen

Von: Andreas Gabbert
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Gerhard Maaßen aus Mützenich bei der Kontrolle seiner Bienenstöcke in der Nähe von Dedenborn: Schon seit Jahrzehnten beschäftigt er sich mit der Imkerei. Foto: A. Gabbert
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Im April haben die Bienen die Brut zurückgefahren. Deshalb wird der Honigertrag dieses Jahr wohl geringer ausfallen. Foto: A. Gabbert

Nordeifel. Zuerst verwöhnte uns der März mit angenehmen Temperaturen, bevor der April mit strengem Frost und Minusgraden den Frühling heftig ausbremste. Anschließend klagten viele Obstbauern, dass hohe Ernteausfälle zu befürchten seien, weil zahlreiche Blüten erfroren und wegen der Kälte zu wenige Bienen unterwegs seien.

Die Frostschäden bei Äpfel, Birnen und Kernobst seien regional sehr unterschiedlich ausgefallen. Wie hoch der Schaden ausfalle, sei abschließend noch nicht zu beurteilen, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Die Eifel sei dabei glimpflich davon gekommen. „Wahrscheinlich war die Blüte in der Eifel noch nicht so weit“, sagt Rüb. Außerdem finde hier kein professioneller Obstanbau statt. Landwirtschaftlich gesehen gebe es daher in der Eifel keine Probleme. Anders sehe das zum Beispiel rund um Meckenheim und am Rhein aus.

Der kalte April hatte auch Auswirkungen auf die Entwicklung der Bienenvölker. Gerhard Maaßen aus Mützenich beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit der Imkerei. Er ist Vorsitzender des Imkervereins Monschauer Land und des Kreisimkerverbandes. Außerdem ist er als Bienensachverständiger für das Veterinäramt tätig. „Mich haben die Tiere immer fasziniert“, sagt er.

Seine Bienen hatten im Winter viel Brut angelegt. „Die muss aber auch gewärmt werden. Deshalb neigen die Bienen dazu, wenn es eine längere Kaltphase gibt, die Brut zurückzufahren. Das war im April der Fall und macht sich bei der Entwicklung der Völker bemerkbar“, sagt Maaßen. Daher sei in diesem Jahr wohl mit einem geringeren Honigertrag zu rechnen. Das bedeute aber nicht, dass es in diesem Jahr generell weniger Bienen geben würde. „Die Bienen hinken in der Entwicklung hinterher, aber sie holen das auch wieder auf“, erklärt der Imker.

Da die Pflanzen nicht alle auf einmal, sondern sukzessive hintereinander blühen, würden die Insekten auch genügend Nahrung finden. Ein Beifüttern der Bienen sei in der Eifel nur in Ausnahmefällen nötig. „Meistens hat das hier hingehauen“, sagt Maaßen. Dies könne aber auch von Standort zu Standort unterschiedlich sein. So könnten sich die Bedingungen an seinem Wohnort in Mützenich deutlich von denen in Dedenborn, wo einige seiner Bienenstöcke stehen, unterscheiden. „Das Kleinklima spielt da mit rein.“

Theoretisch könne es sein, dass in diesem Frühjahr auch in der Eifel weniger Blüten bestäubt worden sind. Mit Blick auf die Bienen treffe das aber immer nur auf die nähere Umgebung der Bienenstöcke zu, sagt Maaßen. Außerdem seien die Bienen nicht die einzigen Bestäuber. Die Hummel sei zum Beispiel auch schon bei niedrigeren Temperaturen unterwegs. Außerdem würden die Eifelbienen in erster Linie Wildpflanzen bestäuben, Kulturpflanzen würden hier in der Regel nur für den Hobbygebrauch angepflanzt.

„Vielleicht ist mancher Obstbaumbesitzer gar nicht so unglücklich, wenn der Baum mal etwas weniger Früchte trägt. Anders sieht das natürlich im Erwerbsobstanbau aus“, sagt Maaßen. Da die Imker in der Eifel nicht auf die Obstblüte fokussiert seien, werde so auch ein Beitrag zur natürlichen Vielfalt geleistet. Hinzu komme, dass Bienenvölker in Monokulturen oft nicht so vital seien. „Wir sind Hobbyimker. Da reicht auch ein kleiner Ertrag. Wir müssen aber auch nicht davon leben und können das Ganze etwas gelassener sehen. Wir freuen uns einfach, wenn es schön summt“, sagt Maaßen.

Nach wie vor mache aber die Ende der 1980er-Jahre aus Asien eingeschleppte Varroa-Milbe den Bienen zu schaffen, erklären der Imker und der Sprecher der Landwirtschaftskammer gleichermaßen. Im Winter nehme die Zahl der Bienen ab, aber nicht die Zahl der Milben, die die Bienen anstechen und die Hämolymphe (Bienenblut) saugen. „Die Folge ist, dass die Bienen krank schlüpfen, nicht lebensfähig sind und mit verkrüppelten Flügeln zur Welt kommen“, erläutert Maaßen.

Da die Milben lieber die männliche Brut, die Drohnen, befallen, würden die Imker etwa im Zeitraum von Mitte April bis Ende Juli lediglich mit Drohnen bestückte Waben in die Bienenkästen hängen, die anschließend herausgenommen und vernichtet werden.

„Damit bekommen wir das halbwegs in den Griff“, sagt Maaßen. Der Einsatz von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sei nicht erlaubt, wenn die Völker Honig sammeln. Lieber würden die Imker nach der Honigernte Ameisensäure einsetzen. Die werde nicht in die Kästen geschüttet, sondern auf ein Schwammtuch aufgetragen, aus dem dann die Dämpfe der Säure langsam entweichen und die Milben abtöten.

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