Kalltalsperre: Erst floss der Schweiß, dann das Wasser

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Die Staumauer der Kalltalsperre ist auch heute, 80 Jahre nach ihrem Baubeginn, ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer. Auch der fünf Kilometer lange Rundweg um die Talsperre wird gerne genutzt. Foto: Karl-Heinz Hoffmann
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Zuletzt konnte man im Januar 2006 einen Blick auf den Talsperrenboden werfen. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten des zum Obersee führenden 3,7 Kilometer langen Heinrich-Geis-Stollens war das Wasser der Kalltalsperre im Dezember 2005 innerhalb von 14 Tagen abgelassen worden und gab unter anderem den Blick auf die alten Dämme der Kall- und Kelzerbachfassungen preis.

Nordeifel/Simmerath. Spätestens morgens um 6 Uhr war es mit der Ruhe im Simmerather Wald nordöstlich von Lammersdorf vorbei. Die dort über einer Länge von 10 Kilometer in der Nähe der Kall verlegten Eisenbahngleise begannen zu vibrieren, weil sich die erste von insgesamt zehn Arbeitslokomotiven nebst angehängten Loren in Bewegung setzte. Ihr Ziel: die Großbaustelle Kalltalsperre.

In den nahe gelegenen Arbeitsbaracken der dort befindlichen Großbaustelle dampften die Wasserkessel zur Aufbereitung des Morgenkaffees, und die dort untergebrachten 128 Arbeiter hatten vielfach bereits ihr Frühstück in der dortigen Kantine zu sich genommen.

Gleichzeitig holperten über die Baustraße entlang der Kall zahlreiche Lastwagen, die weitere Arbeitskräfte aus dem Raum Aachen zur Baustelle mitten im Wald heranbrachten. Im nahe gelegenen Steinbruch nahm bald auch die Brecher- und Mahlanlage zur Gewinnung von Kies und Sand ihren Betrieb auf und verstärkte die allgemeine Geräuschkulisse.

Dort, wo sich heute die Kalltalsperre in malerischer Umgebung befindet, spielte sich dieses Szenario vor 80 Jahren täglich ab, nachdem dort am 21. März 1934 im Rahmen einer Feierstunde mit dem ersten Sprengschuss mit den Arbeiten zum Bau der Kalltalsperre begonnen worden war. Auf der Großbaustelle waren bereits kurz nach Baubeginn über 300 Arbeiter im Einsatz, wobei sich die Belegschaftsstärke 1935 sogar auf 670 Mann verstärkte. Die hohe Zahl der Arbeitskräfte lag auch in der damals ausgegebenen Parole zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit begründet. Um möglichst viele Arbeitslose zu beschäftigen, sollten möglichst wenig Maschinen eingesetzt werden.

Zweck des Talsperrenbaues war die Erweiterung der Wasserversorgung des Landkreises Aachen und der angrenzenden industriellen Nachbarkreise. Nach dem Bau der Dreilägerbachtalsperre in Roetgen (1909 bis 1911) war der Trinkwasserbedarf weiter gestiegen. Zwar war die Dreilägerbachtalsperre durch den 6241 Meter langen Kallstollen, der von 1924 bis 1927 gebaut wurde, mit den zwei kleinen Stauseen der Kall- und Kelzerbachfassung verbunden, doch reichten diese Wasserkapazitäten zur Versorgung bald nicht mehr aus, so dass man sich zum Bau der Kalltalsperre entschloss.

Staudamm 180 Meter lang

Die Kall- und Kelzerbachfassungen hatten damit als Vorläufer der Kalltalsperre ausgedient. Deren Staudamm sollte nach den Plänen 180 Meter Länge, in der Dammkrone eine Höhe von 39,70 Metern, eine Fußbreite von etwa 175 Metern haben und aus einem Betonkern mit eingerichtetem Kontrollgang bestehen. Am Dammfuß befindet sich quer zum Damm der Grundablass. Über ihn wird dem Kallbach neben dem Überlauf ausreichend Wasser zugeführt. Die Wasserentnahme für Trinkwasserzwecke erfolgt am Entnahmeturm am nördlichen Ufer des Gewässers.

Das Fassungsvermögen der Talsperre beträgt 2,09 Millionen Kubikmeter (Dreilägerbachtalsperre 4,28 Millionen, Perlbachtalsperre 800.000) bei einer Seefläche von 18 Hektar.

Mit Beginn der Arbeiten im Jahre 1934 fielen zunächst einmal viele Rodungs- und Abholzarbeiten an. Der Kallbach wurde durch eine Holzrinne am rechten Hang entlang umgeleitet, um die Baugrube für den Grundablass auszuheben. Neben der Materialgewinnung im eingangs erwähnten Steinbruch erfolgte die Anfuhr von Zement, Sand und Eisen durch Bauernfuhrwerke vom Lammersdorfer Bahnhof aus.

Schon sechs Monate nach Baubeginn waren die Arbeiten so weit fortgeschritten, dass die Kall durch den Grundablass floss. Nachdem man auch mit dem Bau des Wärterhauses begonnen hatte, konnte am 20. September 1934 das Richtfest gefeiert werden. Bis Ende des Jahres 1934 war der Damm bis zu einer Höhe von elf Metern über Talsohle angeschüttet.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1935 stieg die Belegschaftsstärke auf 670 Mann. Im November des gleichen Jahres waren dann auch die Betonarbeiten an der Sperrmauer und die Dammschüttung beendet. Ebenso war der Entnahmeturm fertiggestellt, so dass am 10. Dezember 1935 durch Schließen des Grundablasses mit der Füllung der Kalltalsperre begonnen werden konnte. Der Zufluss in den folgenden Wochen war so stark, dass die Talsperre bereits einen Monat später (8. Januar 1936) ihr Stauziel überschritt und überlief. Die offizielle Einweihung fand dann am 23. August 1936 statt.

Auch mit dem Obersee verbunden

Im Verbund der Eifeler Talsperren ist die Kalltalsperre im übrigen nicht nur über den Kallstollen mit der Dreilägerbachtalsperre in Roetgen verbunden. Über den 3,7 Kilometer langen Heinrich-Geis-Stollen ist sie auch mit dem Obersee in Rurberg/Einruhr verbunden. Dieser Stollen mündet am Ostufer der Kalltalsperre.

Auch 80 Jahre nach Baubeginn ist der Hauptzweck der Talsperre im Tal der Kall die Wasserversorgung. Daneben ist sie heute aber auch Ziel vieler Wanderer und Spaziergänger, die sich auf den schönen Wegen in der dort herrschenden Abgeschiedenheit und Stille vom Stress der täglichen Arbeit erholen. Von Lammersdorf bis zur Talsperre sind es 3,5 Kilometer.

Wer die beschränkten Parkmöglichkeiten zu Beginn des Betriebsweges an der B 266 am Knotenpunkt 18 nutzt, hat von dort aus einen Kilometer weniger bis zur Dammkrone vor sich. Näher ist der Weg vom Parkplatz in Kallbrück (1,7 Kilometer). Für einen schönen Spaziergang empfehlenswert ist auch der fünf Kilometer lange Talsperrenrundweg.

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