Simmerath - Kalltal: Steine als Hinweis auf einen Keltenstamm?

Kalltal: Steine als Hinweis auf einen Keltenstamm?

Von: Peter Stollenwerk
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Akribische Recherche Den Steinsetzungen rund um Simmerath hat die Autorin Resi Röder ein Buch gewidmet.
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Den Steinsetzungen rund um Simmerath hat die Autorin Resi Röder ein Buch gewidmet. Wer hat hier Hand angelegt? Bei dem Team aus Hobbyforschern, das die Autorin Resi Röder bei der Erkundung der Steinsetzungen unterstützte, verdichtete die Erkenntnis, dass Steinreihen in der Landschaft (wie hier unter halb des Lammersdorfer Berges, eine tiefere Bedeutung haben müssen Foto: P, Stollenwerk Aufrecht steht dieser Menhir an der Kalferscheider Gasse bei Simmerath. Hat er eine tiefere Bedeutung?

Simmerath. Hat sich an der Kall bei Bickerath vor 3000 bis 4000 Jahren einmal ein Keltenstamm niedergelassen? Waren es vielleicht die Eburonen mit ihrem Anführer Ambiorix? Sind die rund um Simmerath in der freien Landschaft anzutreffenden mächtigen Steine ein Indiz für eine frühe Besiedlung?

Handelt es sich bei den bis zu 80 Meter langen Steinreihen, die aufrecht im Boden stehen, um Menhire (hohe Steinblöcke), alte Grabstätten oder magische Kraftorte?

Wer mit offenen Augen durch die Landschaft schreitet, entdeckt die vorwiegend im Kalltal befindlichen Steinsetzungen zwischen Simmerath und Lammersdorf. Auch bei Imgenbroich und im Holderbachtal bei Rohren findet man solche auffälligen Steine. Was aber hat es damit auf sich?

Dieser Frage ist in den zurückliegenden drei Jahren ein Team aus Hobbyforschern aus der Region Simmerath intensiv nachgegangen. Die Initiative ging von der Simmerather Malerin und Autorin Resi Röder (79) aus, nachdem sie bei einem Spaziergang im Kalltal zufällig auf eine solche Steinsetzung stieß. Von diesem Tag an wollte sie dem Rätsel der Steine auf die Spur kommen und stieg immer tiefer in die Materie ein.

Die Ergebnisse und Erkenntnisse dieser Arbeit hat sie nun in einem Buch, das im Selbstverlag erschienen ist, herausgegeben. Möglicherweise naheliegende Erklärungen, dass Landwirte die Steine an den Wiesenrändern aufschichteten, weist Resi Röder zurück. Sie sieht in den Steinen Zeugnisse der Vergangenheit, die es zu ergründen gilt.

In dem ansprechend gestalteten Buch werden allerdings mehr Fragen gestellt als Antworten geliefert. Resi Röder sieht ihre Veröffentlichung nicht als das Ergebnis einer wissenschaftlich fundierten Untersuchung. Vielmehr möchte sie einen Anstoß geben, damit die Fachwelt sich des Themas annimmt, „damit die Steinsetzungen als Zeugen der Vergangenheit nicht verloren gehen“.

Viele Steine seien im Laufe der Zeit bereits entfernt und entweder im Straßenbau oder auch in Vorgärten gelandet. Auch im Zuge ihrer jüngsten Recherchen habe sie festgestellt, dass immer mal wieder ein besonderer Stein aus der Landschaft verschwindet.

Die Anordnung der Steine an den 21 im Buch notierten Fundorten lässt für Resi Röder keinen Zweifel darüber aufkommen, dass diese bewusst und gezielt von Menschenhand errichtet wurden und ganz klar ein Zusammenhang zwischen einer auffällig gebauten Steinbrücke an der Kall bei Bickerath und dem Verlauf der Steinreihen bis zum Wolbertstein bei Lammersdorf bestehen muss.

„Diese Steinsetzungen waren für die Ewigkeit bestimmt“, ist Resi Röder überzeugt. Daher müssten sie auch unbedingt unter Schutz gestellt werden.

Im Zuge ihrer Recherchen versuchte Resi Röder auch Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland einzubinden, die aber keine definitiven Aussagen über Herkunft und Bedeutung der Steine im Kalltal treffen konnten. Die Landeskonservatorin wandte sich gar völlig ab: Die Steinsetzungen seien nicht von kulturhistorischer Bedeutung, ließ sie kurz und bündig wissen.

Diese Abwehrreaktion aber hat das Hobbyforscherteam nicht davon abgehalten, nach erklärenden Zusammenhängen zu suchen.

Ein deutlich stärkeres Interesse an den Forschungen entwickelte dagegen Dr. Frank Siegmund, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Lehrstuhl für Alte Geschichte der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Der Archäologe kann zur Bedeutung und Herkunft der Steinsetzungen zwar auch keine belastbare Aussage treffen, „aber es handelt sich in jedem Fall um eine auffällige Erscheinung in der Landschaft, die erklärungsbedürftig ist“.

Er habe seine Aufgabe beim Projekt vor allem darin gesehen, im Konflikt zwischen Fachamt und Autorin zu vermitteln. Das Rheinische Amt für Denkmalpflege sei mit Sicherheit überlastet, und aus Sicht der dort tätigen Archäologen seien die Steine im Kalltal auch nicht gefährdet. Das Buch erziele aber den Effekt, „dass das Thema jetzt in der Öffentlichkeit präsent ist. Wer die Sache interessant findet, kann sie jetzt aufgreifen“, hält Frank Siegmund fest.

Die meisten Fragen stehen aber nach wie vor im Raum: Dienten die Steine als Opferstätten und weshalb wurden sie in langen Reihen mit der Spitze nach oben aufgerichtet und mit einer Steinpackung als festigendes Fundament ausgestattet?

Auffällige Steinsetzungen hat Resi Röder auch in der Kalferscheider Gasse bei Simmerath entdeckt. Hier steht ein mächtiger Menhir aufrecht in der Landschaft: „Der Stein gleicht einem Mönch in seiner Kutte.“

Emotional berührt

Überhaupt lässt die Autorin immer wieder erkennen, dass sie von den Entdeckungen emotional stark berührt ist. So ist im Buch zu lesen: „Etwa auf der Hälfte des Weges wird man von dem majestätischen, großen und grauen Wolbertstein überrascht. Was die beiden kleineren Felsen an seiner Seite bedeuten, dazu möge sich jeder seine persönliche Meinung bilden. Für mich hat dieser Ort etwas Unheimliches oder auch Mystisches. Doch die wunderschöne stille Gegend versöhnt einen bei jeder Wetterlage.“

Von ihrer Buchveröffentlichung verspricht sich Resi Röder vor allem, dass das Thema Steinsetzungen im Bewusstsein der Menschen verankert und hoffentlich einmal einen würdigen Platz in der Nordeifeler Kulturhistorie einnehmen wird.

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