Kalle Pohl zeigt seine unbekannte Seite

Von: Barbara Berger
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Tobias Sauter und Kalle Pohl eröffneten die Saison im Theater am Venn. Foto: Barbara Berger

Roetgen. „Sex, Drugs and Kalle Pohl lautet der eigentliche Titel dieses Abends”, berichtigte der fernsehbekannte Comedian mit einem Grinsen. Im Programmheft hatte es zwar noch brav geheißen „Schöne Lieder” seien es, die das Publikum zu erwarten habe, aber Pohl stellte schnell klar, worum es an diesem Abend wirklich gehen sollte.

Nur wenige Sekunden später strafte er allerdings seinen eigenen Worten Lügen. Mit einem rasant musikalischen Einstieg, bei dem Tobias Sauter am elektrischen Piano den Rhythmus vorgab und Pohl sich gutgelaunt eine seiner drei mitgebrachten Gitarre schnappte, wurde deutlich, worauf der Schwerpunkt des Abends liegen sollte: Die Musik stand klar im Mittelpunkt. Wer heute Abend darauf gesetzt hatte, zotige Comedy serviert zu bekommen, lag falsch.

Dafür erlebten die Gäste einen erstaunlich musikalischen, warmherzigen Mix aus Kabarett, Liedern und natürlich auch Comedy, der gelegentlich sogar nachdenklich wirkte. „Das ist ganz anders als wir gedacht haben, aber es zündet”, staunten Marlene Claßen und ihre beiden Freundinnen nicht schlecht, auch sie kannten den Entertainer bisher nur aus dem Fernsehen und zeigten sich begeistert von dem rund zweistündigen Programm. „Nur schade, dass nicht mehr Leute gekommen sind”, raunen sie.

In der Tat haben an diesem Mittwochabend nur rund zwanzig Zuschauer den Weg in das „Theater am Venn” in Roetgen gefunden. Gegen das zur selben Zeit ausgestrahlte Länderspiel hatte wohl selbst ein bekanntes Gesicht wie Kalle Pohl schlechte Karten. „Das ist jetzt unser fünfter Auftritt mit diesem neuen Soloprogramm und dieser Auftritt war schon das Schwerste, was man sich vorstellen kann”, bekannte er hinterher.

Eine Halle, voll mit Menschen, bringe man leichter in Wallung. Anzumerken war die Nervosität ihm und seinem Partner aber nicht: Locker und entspannt begrüßte Pohl die Gäste und würdigte augenzwinkernd die „familiäre Atmosphäre” und die „liebe Landbevölkerung”.

Der Funke sprang sofort über und das Publikum schloss den „neuen” Kalle gleich ins Herz. Mit Leichtigkeit wechselten er und Tobi Sauter, der mit seinem Spiel und seiner Mimik Akzente setzte, die musikalischen Gefilde ohne das Publikum aus dem Blick zu verlieren. In dem einen Moment füllten rassige Flamenco-Klänge den Raum, dann wieder beugte sich Pohl ächzend hinunter, um zu seiner „Quetschkommode” zu greifen, die er bis zu diesem Zeitpunkt genutzt hatte, um darauf bequem seine Füße abzustellen, und die Zuschauer wähnten sich in der Welt der französischen Schlager. Meist waren es die komischen Erlebnisse des Alltags, die er in den Liedern würdigte.

Dem gealterten Familienhund beispielsweise war ein Stück gewidmet, so, wie sich eine wohl nicht ganz ernst gemeinte Liebesode an die Fleischfachverkäuferin von nebenan richtete. In Klamauk glitten diese Possen selten ab.

Richtig nachdenklich klang es dafür, wenn er das Alter besang und den Zeiten hinterher trauerte, in denen er einst ein „Ideal” gewesen war. Doch für zu viel Schwermut ist kein Platz, mitsingen soll das Publikum und klatschen. Das lässt sich nicht bitten und beweist, dass ein Eifeler Gast für drei klatschen kann. Zweimal werden Pohl und Sauter wieder auf die Bühne gerufen, und zwar unter brandendem Applaus und lauten „Zugabe” rufen.

Die Feuertaufe des Comedians und selbsternannten „Bühnenstrolchs”, der sich nun glaubhaft als echter Musiker, als „Boogey Woogey Man” inszeniert, darf demnach als gelungen bezeichnet werden.
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