Kälte lässt die Eifel bibbern

Von: Stefan Herrmann
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Gut eingepackt: Frauchen Anke
Ein gefährlicher Liebesgruß auf dem zugefrorenen Eiserbachsee.

Eifel. Die Eifel bibbert. „Das war die bisher kälteste Nacht”, stellte Wettermann Bodo Friedrich Dienstagmorgen fest. Alle Thermometer seiner knapp 40 Messstationen schossen in der Nacht von Montag auf Dienstag in Rekord-Tiefen. Minus-Meister in der Region war Nettersheim.

Dort sank die Temperatur auf stolze minus 22,3 Grad. „Damit war Nettersheim sogar Spitzenreiter in NRW”, erzählt Friedrich.

Doch auch die Nordeifel brauchte sich beim Wettkampf um Rekordwerte nicht zu verstecken. Bei minus 21,6 Grad verharrte das Thermometer der Kachelmann-Station in Küschelscheid bei Kalterherberg. Zum Vergleich: Deutschlands höchster Berg - die Zugspitze - schaffte es in der Nacht von Montag auf Dienstag ebenfalls „nur” auf minus 22,4 Grad. „Wir sind in unserer Region also auf dem Niveau der Zugspitze, und die ist fast 3000 Meter hoch”, staunt selbst Fachmann Friedrich über die Extremwerte.

Schnellstraße aus Sibirien

„Tatsache ist: Der Dieter hustet uns richtig kräftig an”, sagt der Eifelwetter-Mann. Das Hoch kommt aus Sibirien über die Schnellstraße direkt nach Westeuropa. Dort können die Menschen über hiesige „Rekorde” allerdings nur müde lächeln. Denn im Osten Russlands zeigt das Thermometer derzeit minus 50 Grad. Die Luft ist nicht nur ungewöhnlich kalt, sondern auch sehr trocken. Bei gerade einmal 50 Prozent liegt die Luftfeuchtigkeit. Wann es schon einmal so kalt war? 1956, sagt Friedrich. Da rutschte die Temperatur teils auf minus 30 Grad Celsius. Trotzdem: „Man kann in diesem Jahr durchaus von einer Rekordkälte sprechen.”

Die Kälte hält alle auf Trab. In der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath kann Dr. Guido Schneiders, Leiter der Zentralambulanz, bisher aber trotzdem größtenteils Entwarnung geben. Es habe in den vergangenen Tagen einen Infarkt gegeben, der auf die klirrende Kälte zurückzuführen sei. Ein viel größeres Problem ist derzeit aber, dass die Menschen sich unterkühlen. Eine ältere Frau ist vor wenigen Tagen gestürzt und lag einige Zeit bei Frosttemperaturen auf dem eisigen Boden, bevor sie gefunden wurde. Sie musste stationär im Krankenhaus behandelt werden.

„Aber bisher sprechen wir zum Glück von Einzelfällen”, beruhigt der Mediziner. Trotzdem warnt er momentan vor allzu unbedachtem Verhalten. Die Belastungen für den Körper sind extrem. Ein, zwei gemütliche Bierchen in der wohlig-warmen Kneipe, dann der Schritt vor die Tür, ein Temperaturunterschied von bis zu 40 Grad. Das schlägt auf das Herz-Kreislaufsystem. Joggen sollten momentan auch nur diejenigen, die körperlich fit sind. Bisherige Sportmuffel, rät Schneiders, warten besser, bis es wieder etwas wärmer wird, bevor sie ihre guten Vorsätze in die Tat umsetzen.

Gefahr der Glatteisbildung

„Das ist definitiv nicht unsere Lieblingsjahreszeit”, sagt Heiner Sauren, Pressesprecher der Feuerwehr Monschau, beim Blick auf das Thermometer. Die extremen Minusgrade halten auch die Rettungskräfte in Atem - dabei ist bisher nichts Dramatisches passiert. Das sollte es besser auch nicht, fügt Sauren an. „Wenn es zu einem großen Brand kommt, dann haben wir ein Problem”, sagt der Fachmann. Schließlich kann die Feuerwehr die Physik nicht überlisten: Ab null Grad gefriert Wasser.

Einen kleinen Kaminbrand hatten die Männer der Wehr schnell im Griff. Solange nur 100 Liter oder weniger gebraucht werden, funktionieren die Apparaturen noch. Doch die generelle Gefahr der Glatteisbildung schwebt über jedem Einsatz der Feuerwehr. „Da sind wir machtlos”, sagt Sauren. Geräte und Leitern werden glatt, auslaufendes Wasser verwandelt den Boden in Sekundenschnelle in eine spiegelglatte Bahn, die Feuerwehrautos rutschen. All das möchte sich der Feuerwehr-Pressesprecher lieber gar nicht erst ausmalen.

Eine wirkliche Alternative zum Wasser gibt es nicht. „Es ist unser Hauptlöschmittel”, stellt Sauren klar. Löschgase und -pulver sind zwar bei kalten Temperaturen widerstandsfähiger - aber auch teurer. Zusätze wie Frostschutzmittel stellen ebenfalls keine Lösung dar. Zumal: Beim öffentlichen Löschwasser greifen die Brandbekämpfer am Hydranten auf Trinkwasser zurück. Zusätze wären da undenkbar.

Mit ganz anderen Problemen haben die Mitarbeiter von Jürgen Förster zu kämpfen. Der Leiter der Bauabteilung der Gemeinde Simmerath ist unter anderem für das Ausheben von Gräbern verantwortlich. „Das muss auch bei diesem Wetter weitergehen”, sagt er. Dafür graben sich seine Männer durch den bis zu 50 Zentimeter gefrorenen Boden. Der kleine Friedhofbagger verrichtet zum Glück auch bei Minusgraden zuverlässig seinen Dienst. Etwa zwei Beisetzungen finden in Simmerath pro Woche statt. Daran ändert auch die eisige Winterperiode nichts.

Und wann kommt der Frühling? „Die T-Shirts können weiter im Kleiderschrank verharren”, nimmt Experte Bodo Friedrich allen Freunden des warmen Wetters die Hoffnung. Zwar schwächst sich der Frost in den kommenden Tagen etwas ab, bis zum Anfang der Woche sind möglicherweise sogar niedrige Plus-Werte drin, doch an der generellen Wetterlage ändert sich wenig. „Bis zum 20. Februar können wir uns auf kalte Tage einstellen.” Er kam zwar erst spät, aber jetzt fühlt sich der Winter pudelwohl in der Region. Da bleibt der Eifel nur eins: Sie bibbert weiter.
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