Justizforum: Gelungene Integration mit Rechten und Pflichten

Von: mku
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Integration trotz kultureller Unterschiede: Der eigene Glaube, traditionelle Rituale und Feste sind kulturelle Einheiten, die durch die Freiheit des Grundgesetzes abgedeckt sind. Ein Grundrechtepapier der Bürgerstiftung Aachen erklärt Flüchtlingen, welche Rechte und Pflichten mit dem Grundgesetz einhergehen. Foto: imago/Michael Schick

Aachen. Das Thema des Justizforums „Recht im Zentrum“ unserer Zeitung könnte aktueller und gleichzeitig integrativer kaum sein: „Flüchtlinge: Rechte und Pflichten. Sind unsere Werte in Gefahr?“ Gemeinsam mit der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen und dem Landgericht Aachen als Veranstalter des Forums, werden wir dieser Frage am 5. Juli im Justizzentrum Aachen bei einer besonders aufgearbeiteten Präsentation der Grundrechte in Deutschland und im Gespräch mit Flüchtlingen nachgehen.

Was gehört zu einer multikulturellen Gesellschaft dazu? Und wann wird durch vermeintlich traditionelle Bräuche das Grundgesetz missachtet? Beispiel Hochzeit: Der eigene Glaube, traditionelle Rituale, Musik und Essen – diese kulturellen Eigenheiten sind durch die Freiheit des Grundgesetzes abgedeckt. Ganz anders aber Fälle von Blutrache oder Legitimation häuslicher Gewalt als Folge einer Eheschließung.

Das Grundrechtepapier der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen, ausgearbeitet von Inge Loisch, sorgt für einen offenen und transparenten Kontakt zwischen Flüchtlingen und deutschen Gastgebern. Es informiert beide Seiten gleichermaßen über Rechte und Pflichten, die sich aus dem Grundgesetz ergeben. Beispiel Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

Hinter diesem Artikel verbergen sich sowohl Rechte als auch Pflichten. Zum einen das Recht: „Ich habe das Recht, dass jeder andere Mensch – und der Staat – meine Würde achtet und schützt.“ Und gleichermaßen enthält es auch die Pflicht: „Deshalb muss ich jeden anderen Menschen – Frau, Mann, Kind – mit Respekt und Wertschätzung behandeln, einfach deshalb, weil der andere ein Mensch ist.“

Das in mehreren Sprachen vorliegende Faltblatt ist Bestandteil des Justizforums unserer Zeitung, an dem auch Norbert Greuel von der Bürgerstiftung teilnimmt, einer der Autoren der Broschüre: „Wir wollen den Flüchtlingen keine Vorschriften machen, aber wir wollen sie über unsere Werte als Basis unseres Zusammenlebens informieren“, sagt er.

In einer verständlich und klar herunter gebrochenen Präsentation der ersten 20 Artikel des Grundgesetzes und einem anschließenden Gespräch suchen Bürgerstiftung, Öffentlichkeit und Flüchtlinge gleichermaßen einen offenen Austausch.

Als Adressaten des Papiers benennt die Bürgerstiftung nicht nur Migranten, denen Zeit für einen Lernprozess zugestanden werden muss, sondern auch Parteien und Personen, die Polarisierung, Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt propagieren.

Längst ist diese spezielle Form der Ausarbeitung der Grundrechte weit über Aachen hinaus gefragt. Das Schulministerium von NRW arbeitet damit ebenso wie das katholische Dekanat Mainz oder die Förderschule für soziale Entwicklung in Wuppertal.

Klar und eindeutig äußert sich die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen: „Offensiver als bisher mit den grundgesetzlich festgelegten Werten umzugehen, kann uns alle dazu befähigen, aus dem Modus des Reagierens auf immer neue Provokationen zum Beispiel der AfD herauszukommen und ins Agieren zu gelangen: Unser Grundgesetz ist es wert, deutlicher als bislang als Basis unseres friedlichen und toleranten Umgangs miteinander in den Mittelpunkt gestellt zu werden!“

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