Monschau - Juniorwahl an der Mädchenrealschule: Die Wählerinnen von morgen

Juniorwahl an der Mädchenrealschule: Die Wählerinnen von morgen

Von: Heiner Schepp
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Maike Lennarz (l. vorne) und Miriam Luysberg (dahinter) gehörten zum Organisationsteam der Juniorwahl an der Sankt-Ursula-Mädchenrealschule. Über 200 Schülerinnen der Klassen 7 bis 10 gaben am Donnerstag ihre Stimme ab. Foto: Heiner Schepp
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Die Lehrerinnen Judith Dörtelmann (l.) und Kathrin Wieczorek (r.) sorgten mit für den reibungslosen Ablauf. Foto: Heiner Schepp

Monschau. „Du hast hier rechts die Spalte mit insgesamt 23 Parteien, von denen Du eine ankreuzen musst. Und hier links bei den Kandidaten musst Du ebenfalls ein Kreuz machen. Das sind insgesamt acht … hier unten steht auch noch einer.“

Wieder und wieder sagt Miriam Luysberg ihren Spruch auf und deutet dabei auf den langen Wahlschein und den ÖDP-Kandidaten, der ein wenig verlassen weit unter den anderen Direktkandidaten auftaucht. Es ist Wahltag an Sankt Ursula.

Aber diesmal geht es nicht um die Wahl der Schülersprecher, der Klassenvertretung oder der Wahlpflichtfächer. Nein, diesmal geht es um Politik, genau genommen: die Wahl zum Deutschen Bundestag, genau genommen: die Juniorwahl zur Bundestagswahl 2017.

Wie insgesamt 3500 Schulen im gesamten Bundesgebiet hat sich auch die Monschauer Mädchenrealschule in diesem Jahr erstmals an der Aktion zur politischen Bildung beteiligt, die seit der Jahrtausendwende in fast allen Bundesländern bei Landtags-, Europa- und Bundestagswahlen praktiziert wird.

Bei der Juniorwahl bildet nach einer unterrichtlichen Vorbereitung ein real simulierter Wahlakt parallel zu Landtagswahlen, Bundestagswahlen und Europawahlen den Projekthöhepunkt; die Schülerinnen und Schüler setzen sich so mehrere Wochen im Unterricht der Politik- und Sozialwissenschaften (SoWi) intensiv mit dem Thema „Demokratie und Wahlen“ auseinander.

„Das handlungsorientierte Konzept der Juniorwahl fördert dabei nachweislich das politische Interesse und die Partizipationsbereitschaft von Jugendlichen“, sagt der gemeinnützige und überparteiliche Verein Kumulus e.V., der die Wahl seit 1999 organisiert. Das Projekt umfasst dabei alle Schulformen – ausgenommen Grundschulen – ab Klassenstufe 7 und zählt inzwischen zu den größten Schulprojekten in der Bundesrepublik Deutschland. Schirmherr ist der Präsident des Deutschen Bundestages, Prof. Dr. Norbert Lammert.

An der Sankt-Ursula-Schule durften am Donnerstag, dem offiziellen Wahltag der Juniorwahl 2017, über 200 Schülerinnen der Klassen 7 bis 10 an die Urne gehen. „Wir haben alle Schülerinnen der Jahrgangsstufen 9 und 10 und zusätzlich alle Schülerinnen der Klassen 7 und 8, die Sozialwissenschaften als Wahlpflichtfach gewählt haben, zur Wahl aufgerufen“, erläutert Kathrin Wieczorek, Politik- und SoWi-Lehrerin an der Schule.

Mit ihren Kolleginnen Judith Dörtelmann und Ute Corsten hat sie in den vergangenen Wochen den Schwerpunkt im Politik- und SoWi-Unterricht den Schwerpunkt auf die Wahl und vor allem auf die Parteien und ihre Standpunkte gelegt. „Die Schülerinnen sollen ja bei der Wahl nicht irgendetwas ankreuzen, sondern die Partei, die ihrer Meinung nach die besten Ziele und Ansichten verfolgt“, erläutert Judith Dörtelmann.

Auch in Freizeit informiert

Dazu bedienten sich die Pädagoginnen nicht nur schulischer Lerninhalte, sondern forderten die Schülerinnen auf, sich in der Freizeit zu informieren. „Kinder- und jugendgerechte Fernsehformate wie Logo, Pur plus, Checker Tobi oder ZDF Tivi haben dazu in den letzten Wochen sehr interessante Beiträge gesendet“, weiß Kathrin Wieczorek. Auch der Radiosender 1Live oder Internetvideos auf Youtube hätten sehr gut auf die Wahlentscheidung vorbereitet. Auch die Tageszeitung lieferte mit Beiträgen auf der Kinderseite oder der Wahl-Sonderbeilage am vergangenen Sonntag gute Entscheidungshilfen für die Juniorwahl.

Sehr umfassend informierten sich rund 90 Schülerinnen vergangene Woche bei einer Veranstaltung des Roetgener Jugendbeirates, der auch den Mädchen in Begleitung von Schulleiterin Dorothee Spinrath im Bürgersaal einen virtuellen Rundgang durch die Parteienlandschaft ermöglichte. „Leider steht in allen Jahrgangsstufen nur eine Stunde Politik pro Woche im Lehrplan“, bedauert Kathrin Wieczorek. Das Interesse am Thema sei bei den meisten durchaus groß gewesen, so die Lehrerin.

Besonderes Interesse zeigten auch die Neuntklässlerinnen Maike Lennarz, Miriam Luysberg, Lisa Schwarz, Laura Brand, Julia Telöken, Maja Clermont und Sarah Pechan, die den Ablauf des eigentlichen Wahlgangs selbstständig organisierten und am Donnerstag im eigens eingerichteten Sankt-Ursula-Wahllokal saßen. Hier kontrollierten sie, wer wahlberechtigt war, händigten die Wahlscheine aus und informierten die Wählerinnen über den Ablauf.

Wenn es am Sonntag auf 18 Uhr zugeht, dann steigt auch bei den Schülerinnen die Spannung. Denn das Wahlergebnis der Monschauer Mädchenrealschule wurde bereits am Donnerstag in der fünften Schulstunde von den Wahlhelferinnen ausgezählt und an die zentrale Erfassungsstelle der Juniorwahl 2017 weitergegeben. Punkt 18 Uhr am Sonntag wird auf der Internetseite www.juniorwahl.de das bundesweite Ergebnis bekanntgegeben. „Das Ergebnis unserer Schule wird nicht öffentlich gemacht, werden wir aber hier intern mitteilen und im Unterricht behandeln“, kündigte Kathrin Wieczorek an.

Auch wenn die Juniorwahl letztlich keinen Einfluss auf die Bildung des neuen Bundestages haben wird, empfehlen die Politiklehrerinnen der Schule den Politikern dringendst, sich das Ergebnis der Abstimmung von über einer Million jungen Menschen anzusehen. „Schließlich“, so Judith Dörtelmann, „sind das die Wähler von morgen“. Und die allermeisten der Juniorwähler 2017 dürfen bei der Bundestagswahl 2021 schon an die richtige Wahlurne gehen.

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