Monschau - Jugendherberge Hargard: Erste Flüchtlinge freundlich empfangen

Jugendherberge Hargard: Erste Flüchtlinge freundlich empfangen

Von: Andreas Gabbert
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Im Keller der Jugendherberge Hargard wartet noch eine Menge Arbeit: Beim Sortieren der Spenden hoffen die pädagogischen Betreuer Toni Meurer (links) und Konstantin Klabunde noch auf Hilfe. Foto: A. Gabbert

Monschau. Kleine Kinder sausen mit ihren Dreirädern durch das Foyer der Jugendherberge Hargard, andere spielen Kicker, an einem Tisch sitzen Erwachsene und unterhalten sich, am Tisch daneben malt eine Mutter mit ihren beiden Kindern bunte Bilder – die Atmosphäre ist entspannt.

Am Donnerstagabend sind die ersten Flüchtlinge in der Jugendherberge angekommen. Es sind sieben Familien aus Mazedonien, Serbien, Albanien und aus dem Kosovo mit insgesamt 28 Personen, darunter 13 Kinder. „Hier werden generell nur Familien untergebracht“, sagt Toni Meurer von der Organisation Transparenz, der mit Mark Böhmer und Janna Funk das pädagogische Betreuungsteam leitet.

Im Schichtdienst kümmert sich das Betreuungsteam um die Anliegen und Bedürfnisse der Flüchtlinge. Tagsüber sind immer zwei pädagogische Fachkräfte als Ansprechpartner vor Ort, den Nachtdienst übernimmt ein einzelner Mitarbeiter. „Wenn die Jugendherberge stärker ausgelastet ist, kommt noch ein weiterer Betreuer hinzu“, erklärt Meurer.

Der Infopunkt im Foyer der Jugendherberge dient bei allen Belangen als zentrale Anlaufstelle. Dort trifft man auch auf die Mitarbeiter des eingesetzten Sicherheitsdienstes, die für die Betreuer ständig über Funk erreichbar sind. Außerdem sind ein Mitarbeiter von European Homecare (EHC), der sich um die Koordiantion des Transfers der Flüchtlinge kümmert, und ein Vertreter der Bezirksregierung, der die bürokratische Organisation übernimmt, vor Ort. Mit allen arbeiten die Betreuer eng zusammen.

Bei ihrer Ankunft wurden die Flüchtlinge in der Jugendherberge herzlich begrüßt. „Welcome to Monschau“, ist auf einem Schild in der Eingangshalle zu lesen. Beim Ausladen der Koffer wurde geholfen, während das Essen schon bereit stand. Während die Kinder von Anfang an sehr offen seien, dauere das bei den Erwachsenen etwas länger, sagt Meurer. „Erst beäugt man sich ein wenig. Viele sind wegen der neuen Situation verunsichert. Sie fragen sich, was mit ihnen passiert, wo sie hinkommen und was sie erwarten mag“, schildert er seine Eindrücke. Oft sei nur zu erahnen, welche Erfahrungen diese Menschen gemacht haben, deshalb sei von den Betreuern auch Fingerspitzengefühl gefragt.

Am Montag hat für die Flüchtlinge der Alltag in der Jugendherberge begonnen. „Einen typischen Tagesablauf haben wir noch nicht. Wir müssen hier erst mal System und Struktur rein bekommen“ , sagt Meurer. Eine der größten Herausforderungen ist dabei die Organisation und Ausgabe der Kleiderspenden (siehe Box). Von der Welle der Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung sind die Betreuer überwältigt.

Schulen bieten Hilfe an

„Wir sind sehr positiv von der großen Resonanz überrascht“, sagt Meurer. Auch Thomas Ritter, der Leiter der Jugendherberge, ist begeistert. „Das ist wirklich berührend, wie viel gespendet wurde. Das ist so eine tolle Sache, da muss man auch mal Danke sagen. Ich bin stolz auf die Eifeler, die reden nicht nur, die tun auch was“, sagt Ritter.

Neben zahlreichen Kleider- und Spielzeugspenden haben Bürger ihre Dienste als Dolmetscher angeboten, das Café International hat zum Erfahrungsaustausch und Kochen eingeladen, und Schüler des St.-Michael-Gymnasiums, der St.-Ursula-Realschule und der Elwin-Christoffel-Realschule haben sich bereit erklärt, Hilfe beim Deutschunterricht zu leisten.

Noch sind die Betreuer bei der Kommunikation oft auf ihre Hände und Füße angewiesen. „Ich bin heute Morgen von den Kindern aber schon auf Deutsch begrüßt worden. Alle bemühen sich hier, Deutsch zu sprechen. Die Basics funktionieren schon“, sagt Konstantin Klabunde, der zum pädagogischen Betreuungsteam gehört. Einzelne der Flüchtlinge verstehen auch etwas mehr. Mit ihnen kommen die Betreuer auch über alltägliche Dinge ins Gespräch. Andere Dinge wie die Geschehnisse, die die Menschen zu ihrer Flucht bewegt haben, bleiben noch außen vor. „Das braucht Zeit, die Unsicherheit ist noch groß. Zuerst muss eine Vertrauensbasis da sein, die muss aber erstmal erarbeitet werden. Da ist Einfühlungsvermögen gefragt“, sagt Klabunde.

Später sollen sich die Menschen auch an den Arbeiten rund um die Jugendherberge beteiligen können. „Wir denken darüber nach, Jobangebote zu schaffen. Das ist aber noch Zukunftsmusik“, sagt Meurer. Wann die nächsten Flüchtlinge ankommen wissen die Betreuer nicht. „Das erfahren wir erst kurz vorher, oder wenn sie schon unterwegs sind.“

Kein Unterschied

Für den Herbergsleiter ist es kein Unterschied, ob „normale“ Gäste oder Flüchtlinge bei ihm wohnen. Lediglich die sprachliche Barriere und die Arbeit im Team mit den verschiedenen Organisation sei anders als sonst. Und die klappt nach Ritters und Meurers Aussage sehr gut. „Das nimmt schon freundschaftliche, fast familiäre Züge an, wie wir hier miteinander umgehen“, sagt Meurer. Dabei schließt er auch die Flüchtlinge nicht aus: „Die Menschen sind dankbar, wenn man ihnen freundlich begegnet und geben das auch zurück.“

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