„Jugend forscht“: Vizesieger in einem physikalischen Abenteuer

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Stolze Blicke am St.-Michael-Gymnasium: Simon Huppertz (2.v.l.) und Kristof Heck (r.) belegen mit ihrer Kugelkette bundesweit den zweiten Platz bei „Jugend forscht“ im Bereich Physik. Schulleiter Dr. Lothar Stresius (2.v.r.) und Betreuungslehrer Ulrich Arndt freuen sich darüber. Foto: A. Schreiber

Monschau. Zwei Jungs, eine Idee und einiges an Fachwissen: Dass man mit Neugierde und Ehrgeiz 2000 Euro und eine zwei Wochen lange Reise nach Australien gewinnen kann, haben Simon Huppertz und Kristof Heck nun bewiesen.

Der 49. Bundeswettbewerb von „Jugend forscht“ zog die beiden Abiturienten des St.-Michael-Gymnasiums in Monschau nach Künzelsau in die „Freie Schule Anne-Sophie“, um dort im Bereich Physik ihr Können unter Beweis zu stellen.

„Monschauer Kugelkette“

In den vergangenen Monaten setzten sie sich bereits im Regionalwettbewerb in Jülich und beim Landesentscheid in Leverkusen erfolgreich durch und qualifizierten sich daher für den Bundeswettbewerb. Immer wieder begeisterten sie mit ihrer „Monschauer Kugelkette“ und zeigten, dass deren Verhalten nicht nur mit den zwei Hauptgesetzen der Physik – Erhalten von Impuls und Energie – beschrieben werden kann.

Auch die komplexen Materialeigenschaften der Kugeln mussten vorher bestimmt werden. Mit viel Feingefühl und Vorsicht konnten Kristof und Simon jedoch gekonnt und problemlos die Vorgänge im Innern der Kugelstoß-Pendelkette veranschaulichen. Während das Einpacken der Kugelkette mit einem Zeitaufwand von ungefähr zwei Stunden als nicht besonders zeitaufwendig beschrieben wurde, war der Transport nach Künzelsau dagegen eine größere Herausforderung. Das empfindliche Experiment durfte während der vierstündigen Autofahrt schließlich nicht zu Schaden kommen.

Aber die Jungs und ihr Experiment erreichten das Ziel in bester Verfassung und bauten alles auf und so begann für Simon und Kristof ein physikalisches Abenteuer: Sie mussten sich an Stand 85 unter 18 weiteren Projekten in ihrem Themenbereich beweisen. Insgesamt waren in allen sieben Themenbereichen über 100 Gruppen angereist, um ihre Forschungsergebnisse zu präsentieren.

Bei Kristof und Simon verlief der Aufenthalt in Künzelsau leider nicht vollkommen reibungslos. „Die Tische waren für unser Projekt zu klein“, erklären sie lachend. Das war auch in Leverkusen bereits ein Problem, weshalb ein Schreinermeister eine massive Holzplatte zimmerte, die gewissermaßen als Tischvergrößerung wirkte.

Vorbereitet in die Jurybefragung

Auch andere Sponsoren aus der Region boten Simon und Kristof bei ihrem aufwendigen Vorhaben Hilfe an. Zusätzlich waren die beiden sehr dankbar für die Beratung durch Prof. Dr. Thomas Hebbeker und Mechaniker-Meister Josef Grooten vom Physikalischen Institut III (A) der RWTH Aachen, ebenso wie Prof. Dr. Erhard Wielandt von der Universität in Stuttgart, der den beiden ausführliche Hinweise zur Signalanalyse gab.

So konnte am Freitag gut vorbereitet die erste Jurybefragung beginnen, bevor anschließend alle jungen Forscher die Experimenta in Heilbronn besuchten – eine Ausstellung zum Anfassen. Am Samstag folgte dann die nächste Jurybefragung, die Simon und Kristof als „lockerer“ bezeichnen. Auch der Juryvorsitzende Prof. Dr. Schleich, Direktor des Instituts für Theoretische Physik in Ulm, interessierte sich sehr für ihr Projekt. „Er wollte, dass wir zum Studium nach Ulm kommen“, sagt Simon mit stolzem Blick. Am Abend wurde es dann wieder richtig spannend. Die Sonderpreisvergabe stand auf dem Programm, bei der die zwei Eifler Jungs einen zweiwöchigen Studienaufenthalt an der Universität Brisbane in Australien gewonnen haben. Im August startet der Flug. Ihre Reise haben sie noch einmal um zwei weitere Wochen verlängert.

Nach dem völlig überraschenden Gewinn des Sonderpreises ging es dann weiter im Programm, das durch viele Showacts und ein opulentes Abendessen aufgelockert wurde. Der offizielle Teil der Verleihung endete um 23 Uhr, wobei noch bis 1 Uhr gefeiert wurde und dann alle den Weg zurück in die Hotels einschlugen.

Am letzten Tag in Künzelsau musste die Schar junger Forscher noch einmal früh aus den Federn, damit die Koffer gepackt werden und um 7.30 Uhr alle im Bus sitzen konnten. Um 10 Uhr war dann der Moment, auf den alle so lange gewartet hatten, endlich da. Die Preisverleihungen für die besten fünf Plätze aus allen Themenbereichen standen unmittelbar bevor. Dramatische Musik, mehr als 1000 jubelnde Menschen in einem Raum und Gänsehaut pur – so beschreiben Simon und Kristof diese Momente. Natürlich blieb hier nichts dem Zufall überlassen. Bereits Samstagmittag wurde zwei Stunden lang der genaue Ablauf der Preisverleihung geprobt, so dass alles gut vorbereitet war. Auch Ulrich Arndt, Betreuungslehrer der beiden Jungforscher, war überwältigt. Im Fachbereich Physik hielt Nobelpreisträger Klaus von Klitzing die Laudatio. Zudem lockerte der professionelle Fernsehmoderator Thomas Kausch den Vormittag immer wieder auf.

Begonnen wurde zunächst mit dem fünften Platz. Nach jedem weiteren Platz wurde gezittert, bis dann endlich die entscheidende Nachricht fiel. Simon Huppertz und Kristof Heck vom St.-Michael-Gymnasium Monschau haben sich bundesweit den zweiten Platz und damit 2000 Euro Preisgeld gesichert. Mit dem Geld wollen sie zum Teil die zusätzliche Zeit in Australien finanzieren und Geld in das eigene Auto und Motorrad stecken. Und auch die Helfer sollen von dem Gewinn profitieren: Zum Dank werden Simon und Kristof ein Grillfest organisieren.

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