Journalistenseminar: Intensive Recherche bis in die tiefe Eifelnacht

Von: maxs
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Praxistest in der Rohrener Alpenvereinshütte: Gerade befinden sich die Teilnehmer des Journalistenseminars bei der Generalprobe für die einstündige Fernsehsendung. Foto: M. Stollenwerk
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Viel zu tippen: Zwei junge Mitstreiterinnen des Seminars müssen einiges für ihre Vorträge vorbereiten. Foto: M.Stollenwerk

Rohren. Große Anspannung herrschte unter der Mehrzahl der Teilnehmer des 27. Journalistenseminars in der Rohrener Alpenvereinshütte. Denn in diesem Jahr kam es zu einer Premiere: Erstmalig konnte die eigens produzierte einstündige TV-Sendung am Dienstag, 2. August, live im sozialen Netzwerk Facebook rund um die Welt verfolgt werden.

„Natürlich bin ich in gewisser Weise nervös, da ein solches Format Neuland darstellt. Außerdem schaut auch die ganze Familie zu“, erzählt der 18-jährige Thilo, der aus Frankfurt für das Seminar in die Nordeifel gekommen ist.

Doch auch für das dreiköpfige Leiterteam um den langjährigen ARD-Polen-Korrespondenten und Fernsehjournalisten Ulrich Adrian (58) ist dieses Vorgehen ein Debüt. Bei allen Beteiligten herrscht vor der Generalprobe dennoch eine positive Stimmung und die Vorfreude dominiert. Die Teilnehmer werden interviewt, dabei gefilmt und sie lernen den direkten Übergang und die Überleitung zum nächsten Thema. Die 22-jährige Katharina aus Bremen, die unter anderem das Fahren eines Oldtimer-Traktors als eines der Highlights des Seminars nennt, berichtet, dass sie „vor der Generalprobe noch nicht nervös“ sei, da vorher genügend geprobt werden konnte, jedoch könne man nicht wissen „wie es aussieht, wenn es dann wirklich so weit ist.“

Das 1990 ins Leben gerufene Seminar für angehende Journalisten hat sich inzwischen deutschlandweit einen Namen gemacht und erfreut sich großer Nachfrage. Dies zeigt die Tatsache, dass von den 84 Bewerbern in diesem Jahr lediglich 17 zwischen 18 und 28 Jahren ausgewählt wurden, die beim Seminar eine möglichst homogene Einheit bilden sollen.

Eine Bewerberzahl zwischen 70 und 80 sei für Ulrich Adrian optimal, da es „eine große Herausforderung ist, aus über 80 Bewerbungsgesprächen eine gut funktionierende Gruppe zusammenstellen.“ Dies sei jedoch bei der Auswahl der 13 jungen Damen und den vier männlichen Teilnehmern gelungen, da es bisher „keinerlei Streitigkeiten gab und jeder jedem bei Problemen geholfen hat“, wie Katharina betont.

Der beim NDR Hamburg beschäftigte Michael Latz, der ebenfalls zum Leiterteam gehört und und bei „Rohren 8“ 1997 teilgenommen hat, erklärt, dass sich das Seminar dadurch auszeichne, dass „jeder einen umfassenden Überblick über das Berufsfeld erhält und sieht, ob ihm zum Beispiel eher Fernsehen, Radio oder Print am besten liegt.“ Zudem verändere sich der Ablauf jedes Jahr, da man sich an den technischen Fortschritt und die Digitalisierung anpassen müsse. So werde in diesem Jahr aufgrund der sich verändernden journalistischen Landschaft neben den ursprünglichen Formen des Journalismus verstärkt auf Online-Medien eingegangen. Beispielsweise werde für einen eigenen Kanal der Videoplattform Youtube gefilmt und die sozialen Medien würden stärker einbezogen. Für die Teilnehmer stellt das Seminar einerseits eine Belastungsprobe dar, andererseits lernen sie in den zehn Tagen viel Wissenswertes und werden nach einigen Theorieblöcken unmittelbar zu einigen Außenterminen und Rechercheübungen zur Praxisarbeit geschickt.

Einige Teilnehmer haben Flüchtlinge zur Registrierungsstelle in Niederaußem begleitet, der Bäckermeister in Rohren wurde in den frühen Morgenstunden aufgesucht und auch ein Stromausfall wurde simuliert, bei dem die Teilnehmer einen Artikel ohne jegliche technische Hilfsmittel verfassen mussten. Für Diana (25) aus Berlin war der Termin bei einer Entenrallye in Kommern eines der Highlights des Seminars, da es „interessant war, so viele Fans des Citroen 2 CV zu treffen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen und anschließend darüber zu berichten.“

In jedem Falle werden alle Beteiligten bei dem Seminar geistig und körperlich gefordert, da es keinen einzigen Tag gibt, der früh zu Ende geht. Tagungen um zwei Uhr in der früh oder Nachbesprechungen eines Tages um 0.30 Uhr sind auf der Tagesordnung nichts Unübliches.

Zudem gehören auch ein Ehemaligen-Abend mit früheren Teilnehmern sowie eine Pressekonferenz mit einem prominenten Gast, zum festen Programm des Seminars. Hier verrät Ulrich Adrian bereits jetzt, dass für die Pressekonferenz 2017 der Fernsehmoderator und Tagesthemen-Sprecher Ingo Zamperoni gewonnen werden konnte.

Das intensive Erleben und Zusammensein „hilft den Teilnehmern mit Sicherheit in ihrer Entscheidungsfindung, ob das Berufsfeld des Journalisten zu ihnen passt“, wie Theresa Tropper betont. Sie ist die dritte Kraft im Leiterteam, hat selber bei „Rohren 15“ im Jahr 2004 teilgenommen und ist aktuell bei der Deutschen Welle in Berlin beschäftigt. Das Seminar solle den Teilnehmern zudem beweisen, dass man es „schaffen kann, Journalist zu werden, selbst wenn viele dies eher kritisch sehen“, wie Tropper unterstreicht.

Das Seminar hat den Teilnehmern nach einhelliger Meinung sehr weitergeholfen, so dass sich bei vielen der Wunsch, Journalist zu werden, noch einmal verstärkt hat. Thilo verrät beispielsweise, dass die Wahrscheinlichkeit vor dem Seminar bereits „bei über 90 Prozent gelegen hat, jetzt sind es jedoch mittlerweile 99,9 Prozent.“ Die Veranstalter freuen sich indes bereits jetzt auf „Rohren 28“, voraussichtlich im August 2017. Ulrich Adrian äußert dabei augenzwinkernd den Wunsch, dass es gerne noch bis „Rohren 50“ weitergehen könne, „auch wenn ich dann wohl aus dem Altenheim nach hier kommen muss.“

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