Jorma Klauss: Flüchtlingslage als größte Herausforderung

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
11639248.jpg
Am kommenden Donnerstag ist er 100 Tage im Amt: Für Roetgens neuen Bürgermeister Jorma Klauss steht Kommunikation an erster Stelle . Foto: P. Stollenwerk

Roetgen. Am 21. Oktober 2015 wurde Jorma Klauss (SPD) als neuer Bürgermeister der Gemeinde Roetgen vereidigt. Am Donnerstag, 28. Januar 2016, ist der 41-Jährige exakt 100 Tage im Amt. Diese Frist gesteht die Öffentlichkeit nach alter Tradition einem neuen politischen Amtsträger zu, um sich mit der neuen Aufgabe vertraut zu machen und erste Akzente zu setzen.

Auch die Kritiker halten sich nach stillschweigender Übereinkunft innerhalb dieser „Schonfrist“ noch zurück. Für Jorma Klauss sind die ersten 100 Tage im Roetgener Rathaus fast wie im Fluge vergangen, doch auch schon vor Ablauf dieser Frist hat er bereits eine Reihe von Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten, die ihm bestätigen, dass sein Start nach gewonnener Stichwahl am 27. September 2015 so schlecht nicht gewesen sein kann und er den richtigen Kurs eingeschlagen hat.

Jorma Klauss hat sich im neuen Büro bereits eingerichtet. Viel verändert hat er noch nicht, sieht man einmal davon ab, dass die moderne Kunst Einzug gehalten hat.

Dabei war der Start für Klauss alles andere als bequem. Die Flüchtlingsproblematik, die auch die kleine Gemeinde Roetgen aktuell im großem Stil beschäftigt, bedeutete in der Tat keinerlei Schonfrist für den neuen Amtsinhaber, sondern eine riesige Herausforderung. Es könnte gut sein, dass sich dieses Krisenmanagement später einmal als größte Aufgabe seiner Amtszeit herausstellen wird.

Als einen wichtigen ersten Schritte sieht es Jorma Klauss, „Kommunikationsstrukturen zuschaffen“. In diesem Punkt sieht er bereits erste Erfolge. „Die Kommunikation zwischen Politik und Verwaltung ist vertrauensvoller geworden“, lautet seine Einschätzung. Er habe regelmäßig stattfindende interfraktionelle Gesprächsrunden eingerichtet, denn bei sechs im Rat vertretenen Fraktionen und einem Einzelbewerber sei die Koordination der politischen Arbeit für die Gemeinde besonders sinnvoll.

Mit den beiden „starken Ortskartellen“ in Roetgen und Rott hat Klauss ebenfalls schon das Gespräch gesucht, und im nächsten Schritt steht ein runder Tisch mit den Gewerbetreibenden an.

Auch die Jugend in der Gemeinde soll eine politische Stimme bekommen. Mit dem Bildungsbüro der Städteregion soll eine Konzeption erarbeitet werden, „in welcher Form die Jugend an politischen Gestaltungsprozessen in der Gemeinde teilhaben kann“. Zu diesem Zweck soll eine Jugendkonferenz terminiert werden.

Diese anstehenden Aufgaben aber werden alle beherrscht vom großen und anspruchsvollen Thema der Flüchtlingsunterbringung, wo Kommunikation ebenfalls ganz oben steht.

Jorma Klauss steht vor der Herausforderung, im Dialog mit den Bürgern einen Weg zu finden, Flüchtlinge langfristig in der Gemeinde unterzubringen. Roetgen muss zwar aufgrund der geringen Größe des Gemeindegebietes keine Erstaufnahmeeinrichtung bereitstellen, aber die Zuweisung von Flüchtlingen wird auch an Roetgen nicht vorübergehen. 180 Flüchtlinge sind derzeit der Gemeinde zugewiesen. Fast alle sind dezentral untergebracht, aber der Markt an freien Wohnungen ist so gut wie erschöpft, auch wenn es Klauss bedauert, dass „noch vorhandener Leerstand nicht zur Verfügung gestellt wird“.

Die Verwaltung geht in ihrer Prognose-Rechnung, was den weiteren Zugang von Flüchtlinge betrifft, von der bundesweiten Situation des Vorjahres aus, wobei inzwischen erste Tendenzen erkennbar sind, dass die Bundesregierung bei der Flüchtlingspolitik über neue Wege nachdenkt.

Nach aktuellem Sachstand aber würden Roetgen in diesem Jahr 236 neue Flüchtlinge zugewiesen, auch wenn es Jorma Klauss schwer fällt, „mir das richtig vorzustellen“. Dabei verfolge man verschiedene Strategien. Im Wiedevenn sollen vier Mobilheime für zusammen 24 Personen errichtet werden. Container seien nicht mehr zu bekommen und außerdem auch zu teuer. „Unbedingt vermeiden“ möchte Klauss eine Belegung der Gemeindeturnhalle, aber „eine feste Zusicherung“ geben, dass die Halle dem Vereins- und Schulsport weiter zur Verfügung steht, könne er nicht.

Der Bau von Sozialwohnungen, in denen Flüchtlinge untergebracht werden, ist eine weitere Strategie, die die Gemeinde Roetgen verfolgt, weil eine solche Struktur den Integrationsbemühen entgegenkomme. Jorma Klauss setzt bei der Bewältigung des Problems in erster Linie darauf, „dass bislang in Roetgen grundsätzlich eine gute Willkommenskultur herrscht“. Aus der Sicht des Bürgermeisters stelle sich nicht nur für Roetgen die Herausforderung, langfristig günstigen Wohnraum zur Verfügung zu stellen – eine Aufgabe, die in der Vergangenheit überall vernachlässigt worden sei.

Für die Gemeinde Roetgen sei geradezu lebenswichtig, ein attraktives Wohnungsangebot für junge Familien vorzuhalten, was Klauss mit einem „demografisches Phänomen“ belegt. Innerhalb der Städteregion besitze Roetgen den höchsten Anteil an Personen unter 18 Jahren, aber den niedrigsten Anteil bei den 20- bis 35-Jährigen.

Kommunikation ist auch das Stichwort, wenn es um die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommen geht. Bei den Bürgermeistern in Aachen, Monschau, Raeren, Simmerath und Stolberg hat er bereits seinen Antrittsbesuch absolviert.

Auch das Thema Ortsbildgestaltung in Roetgen wird durch ein Gutachten der RWTH Aachen derzeit in den Blickpunkt gerückt. Jorma Klauss ist es wichtig, dass auch bei dieser Thematik die Bürger einbezogen werden. Wichtig sei, „dass Roetgen seine Identität nicht verliert“. Auch bei dieser Diskussion sei wichtig, nicht übers Ziel hinauszuschießen. Mit einer Baumschutzsatzung beispielsweise hätte er ein Problem.

Bei einer anderen Roetgener Thematik hatte der neuen Bürgermeister „diese Dimension“ nicht erwartet. Jorma Klauss meint das Thema Wald und Forst in der Gemeinde, das ihm unerwartet viel Arbeit bereite.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert