Monschau - Johannisnacht: Buntes Treiben erinnert an Karneval

Johannisnacht: Buntes Treiben erinnert an Karneval

Von: ck/hes/ess
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Rosa für die Mädels: Die „Tussipatrouille” kurvte in der Johannisnacht mit schweren Gefährt durch das Monschauer Land, um zu feiern. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Was im Simmerather und Roetgener Raum die Mainacht, ist quasi seit Menschengedenken rund um Monschau die Johannisnacht („Jansnaat”), die Nacht vom 23. auf den 24. Juni.

Einziger Unterschied: Während zum Auftakt des Wonnemonats der Herzallerliebsten frisch ausgetriebene Birkenstämmchen gesetzt werden, ist Ende Juni zumeist Ahorn als bunt geschmückte Liebesbekundung angesagt.

Allerdings kommt der „Jansmai” so wie auch der Maibaumzunehmend aus der Mode. Weniger Aufwand ist es da, ein Herz aus Krepppapier zu basteln oder gleich für 25 Euro im Blumenladen zu kaufen und an die Hauswand zu hängen. Die gewonnene Zeit investiert die Jugend heute liebe in den Bau gemütlicher Wagen mit Wohnzimmerausstattung und in das Aufrüsten der Musikanlage, die dann bis in die Morgenstunden des Johannistages weithin wummernd zu hören ist.Etabliert hat sich mittlerweile der Brauch, dass in Schaltjahren auch die jungen Damen durch die Nacht ziehen dürfen und ihrem Liebsten ein Herz ans Haus hängen oder gar ein Bäumchen setzen.

Und so zog am Samstagabend die „Tussipatrouille” los, um die ganze Nacht zu feiern, das schwere Gefährt steuerte Nicole Rader durch die kühle, aber immerhin trockene Sommernacht. Und auch anderswo machten sich neben den zahllosen Gruppen junger Burschen auch mehrere „Girliegroups” auf den Weg, ganz getreu dem Motto: „Auf Jansnaat gibt es einen Brauch, im Schaltjahr tuns die Mädchen auch...”

Zum Teil kostümiert

Nicht nur solche Sinnsprüche erinnern ein wenig an Karneval, Bunt geschmückte und fast luxuriös ausgebaute Wagen mit lauter trinkfreudigen Leuten, und das ein oder andere ausgefallene Kostüm war auch dabei. In diesem Jahr wurde am Himo in Imgenbroich wurde die traditionelle Johannisnacht eingeläutet, in der die jungen Männer der Region. Hunderte Jugendliche hatten sich in der Nacht vom 23. auf den 24. Juni am Himo versammelt, bevor es wie bei dem Pendant auf Mainacht mit den Wagen durch die Dörfer ging.

Neben zahlreichen Wagen, die nur von Frauen besetzt waren, gab es auch ein Gefährt, das Frauen und Männer gemeinsam transportierte. Allerdings seien sie mehr zum Spaß dabei, erklärten sie auf die Frage, ob sie sich gegenseitig Bäume setzten

Das Datum wurde entsprechend einer Angabe des Lukasevangeliums vom liturgischen Datum der Geburt Jesu her errechnet, nämlich drei Monate nach Mariä Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten.

Im Kirchenjahr ergab sich daraus sehr passend das (antike) Datum der Sommersonnenwende (22. - 24. Juni) und der Wintersonnenwende (25. Dezember). Jesus Christus, seine Mutter Maria und Johannes der Täufer sind die einzigen Menschen, deren Geburtstage von der römischen Kirche gefeiert und als Hochfest begangen werden. Die Gedenktage der übrigen Heiligen sind meist deren Todestage.

St. Johanni ist als so genannter Lostag in der Überlieferung für die Landwirtschaft und für das Wetter von zentraler Bedeutung. Die Sommersonnenwende leitet meist mit dem Ende der Schafskälte die Erntesaison ein. So sammelt man noch heute an diesem Tag bevozugt Holunder und Kräuter für die Hausapotheke. Türen, Ställe, Menschen und Tiere werden mit Sträußen, Kränzen oder Kronen aus Blumen, Gräsern oder Johanniskraut geschmückt. In der Mitte der Johannissträuße steckt oft eine Königskerze, die „Sonnwendblume”.

Heil- und Zauberkräfte

Nach diesem Tag benannt ist das gelb blühende Johanniskraut, dem verschiedene Heil- und Zauberkräfte nachgesagt werden. Der Sage nach hat der Teufel, erbost über die Macht der Pflanze, alle Blätter mit Nadeln durchstochen. Hält man die Blätter gegen das Licht, erkennt man tatsächlich viele kleine Punkte, es sind durchscheinende Öltröpfchen.

Der Legende nach ist die Pflanze aus dem Blut Johannes des Täufers entstanden, passend dazu sondern die zerquetschten Blätter einen roten Pflanzensaft ab. Dieser wurde als „Elfenblut” oder „St. Johannisblut„ bezeichnet und bei Hexenprozessen als Wahrheitsdroge verwendet.

Aus dem getrockneten Johanniskraut bereitete man außerdem ein blutstillendes Pulver. Tatsächlich enthält Johanniskraut neben Gerbstoffen desinfizierende und schmerzlindernde Substanzen.

Für die Landwirtschaft ist jetzt ist der ideale Mahdzeitpunkt zum Schutz von Bodenbrütern und Wiesenpflanzen: „Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst Du richten Deine Sensen.” Bei Laubgehölzen findet man den Johannistrieb, einen kräftigen zweiten Austrieb.

Kirschen rot, Spargel tot

Auch das traditionelle Ende der Spargel- und Rhabarberernte am Johannistag hat weder mythologische noch gesundheitliche Gründe. Es geht vielmehr ganz zeitgemäß um Nachhaltigkeit: Die Spargelpflanzen und die Rhabarberstauden müssen in den Sommermonaten Kräfte sammeln, denn sie sollen ja auch im nächsten Jahr noch schmackhafte Sprosse liefern. Der Volksmund sagt auch: Kirschen rot, Spargel tot!

Die Polizei, und das hat im Monschauer Land nicht unbedingt Tradition, sprach am Sonntag von einer ruhigen Johannisnacht. Jedenfalls sei niemand den Ordnungshütern unangenehm aufgefallen.
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