Lammersdorf - Johannes muss Schafen und Kamelen weichen

Johannes muss Schafen und Kamelen weichen

Von: Karl-Heinz Hoffmann
Letzte Aktualisierung:
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Seit über einem Vierteljahrhundert ist Clemens Lux für den Krippenaufbau in der Lammersdorfer Pfarrkirche verantwortlich. Unterstützt wird er dabei von Marlene Voell. Mit viel Liebe zum Detail setzt er die einzelnen Krippenbilder in Szene und rückt die Figuren entsprechend ins Bild. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Lammersdorf. „Der Johannes passt derzeit nicht ins Bild und darum haben wir den ins Exil geschickt“, erklärt Clemens Lux mit einem Augenzwinkern in der Lammersdorfer Pfarrkirche und zeigt dabei auf den Nebentrakt des Altarraumes, wo sich derzeit das „Exil“ der großen Holzfigur des Namenspatrons der Kirche befindet.

Johannes der Täufer musste dort vorübergehend Quartier beziehen, weil unter anderem Schafe, Hirten, Kamele, Könige und Engel dabei sind, in der Kirche inmitten einer großen Krippenlandschaft Position zu beziehen.

Architekt, Bauherr, Organisator und Strippenzieher dafür ist seit über einem Vierteljahrhundert Clemens Lux (74), der seit 1985 in der Pfarrkirche St. Johann Baptist den Küsterdienst ausübt. „Das war bei der Verabschiedung von Pastor Cornelius Schouten“, erinnert sich Lux noch ganz genau, der im übrigen eine Quelle kirchlicher Geschichten und Anekdötchen ist, denen man stundenlang lauschen könnte.

Ein Jahr nach seiner Amtseinführung als Küster (1986) habe er dann (mit Beginn der über 13-jährigen Tätigkeit von Pastor Karl-Heinz Graff) zum ersten Mal in der Lammersdorfer Kirche zur Weihnachtszeit die Krippe aufgebaut. Von Anfang an gehörte dazu einiges an Improvisationstalent und viel Tüftelei. „Zu Beginn“, so erinnert sich Lux, „bestand die tragende Unterkonstruktion aus alten Tischen aus dem Pfarrheim, die ich wegen der Stabilität mit Draht zusammengebunden habe.“

Die Zeiten dieser mehr oder weniger wackligen Angelegenheit sind jedoch lange vorbei. Heute besteht der Krippenunterbau aus stabilen Holzböcken und massiven Tischlerplatten, für deren Aufbau ein Team des Kirchenvorstandes verantwortlich zeichnet.

Hiernach beginnt dann die „Feinarbeit“ des Krippenaufbaus und der –gestaltung durch Clemens Lux. Seit vier Jahren wird er dabei von Marlene Voell unterstützt. Die beiden bilden ein eingespieltes Team und ergänzen sich beim Tragen der teils schweren Figuren und Bauteile sowie bei der Krippengestaltung. Dabei steht Lux als erfahrenem Mann der ersten Krippenstunde mit all seinem kirchlichen Wissen natürlich das letzte Wort zu.

Da die Krippe in der Lammersdorfer Kirche zu denen gehört, die wechselnde „Bilder“ (Darstellungen) nach dem jeweiligen Evangelium zeigt, kann sich das Bauteam auch nicht über mangelnde Arbeit beklagen.

Bei unserem Besuch werkelte Lux gerade am Bild „Johannes im Gefängnis“ aus dem Matthäus-Evangelium, wobei er immer wieder einige Meter vom Krippenstandort zurücktrat, um sich aus verschiedenen Blickwinkeln davon zu überzeugen, dass das gesamte Arrangement beim Betrachter auch gut ankommt. Pastor Peter Kreutzer habe dafür auch ein Auge gehabt und gehörte laut Lux gleichfalls in die Sparte der leidenschaftlichen Krippentüftler. „Damit die Leute auch wissen, was jeweils bei unserer Krippe dargestellt ist, legen wir einen Text des Evangeliums aus“, erklärt Lux zum quasi nebenher laufenden Bildungsangebot.

Natürlich hat er auch schon das nächste Krippenbild im Kopf. „Josef will weg“, sprudelt es aus ihm heraus, wozu er dann aus dem Matthäus-Evangelium (Mt 1, 18-24) fast wörtlich ergänzt: „Josef wollte Maria in aller Stille verlassen, weil er sie nicht bloßstellen wollte.“ Bekanntermaßen erschien dem Sohn Davids daraufhin ein Engel, der Josef von seinem Plan abbrachte. Clemens Lux erklärt den Text des jeweiligen Evangeliums mit einfachen und verständlichen Worten, die es auch „Nicht-Katholiken“ leichtmacht, Bezug zur Krippe und zur Sache zu bekommen.

Beim Aufbau ist dem Krippenbauer aus Leidenschaft gelegentlich ein Fotokatalog behilflich, in dem die Darstellungen der vergangenen Jahre festgehalten wurden. Viele Accessoires der Lammersdorfer Krippe, deren Boden mit Pinienrindenstücken, Pflanzen, Steinen und Hölzern ausgelegt ist, hat Lux von Urlaubsreisen mitgebracht. Darunter befinden sich riesige Tannenzapfen aus Spanien und Rindenstücke aus der Schweiz. „Die haben wir dort aus einem Tal mit Rucksäcken zu unserem Quartier gepuckelt“, weiß Clemens Lux zu berichten.

Um sich Inspirationen für „seine“ Krippe zu holen, ist er früher oft mit seiner Frau bis in die Südeifel gefahren. Mit Stolz verweist Lux darauf, dass die Lammersdorfer Krippenfiguren aus Oberammergau stammen und seines Wissens vor dem 2. Weltkrieg angeschafft wurden.

Clemens Lux freut sich nun auf den Heiligen Abend, wenn die Krippe bei der Christmette in vollem Glanz erstrahlt. Dann steht vor dem Erklingen des Schlussliedes stets eine besonders ergreifende Zeremonie an. Clemens Lux schaltet die Hauptbeleuchtung aus, bevor in der voll besetzten Kirche aus allen Kehlen inbrünstig „Stille Nacht“ ertönt. „Da siehst du immer wieder, wie sich der eine oder andere leise still und heimlich ein Tränchen wegdrückt“, beschreibt Lux das Weihnachts- und Krippenszenario.

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