Jodtabletten liegen in den Feuerwehrhäusern bereit

Von: P. St.
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Jod Jodtabletten Tabletten Symbol Symbolbild: dpa/Emily Wabitsch
Auch die Stadt Monschau trifft Vorsorge für einen möglichen atomaren Unfall. Symbolbild: Emily Wabitsch/dpa

Monschau. Bei Unfällen in kerntechnischen Anlagen kann es zur Freisetzung von radioaktivem Jod kommen. Auch die Stadt Monschau trifft Vorsorge im Falle eines atomaren Unfalls. 15.000 Tabletten wurden bereits zugeteilt.

Seitdem das in Grenznähe befindliche belgische Kernkraftwerk Tihange 2 bei Lüttich wegen offenbar vorhandener Sicherheitsmängel zunehmend im Blickpunkt steht und sogar über den Klageweg seitens der Städteregion Aachen zur Stilllegung verurteilt werden soll, hat in der Bevölkerung innerhalb der Grenzregion das Szenario eines atomaren Unfalls immer mehr konkrete Formen angenommen.

Auch die Kommunen befassen sich inzwischen detailliert mit einem möglichen Katstrophenfall. Unter anderem spielt die Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung dabei eine Rolle.

In der zurückliegenden Sitzung des Hauptausschusses der Stadt Monschau informierte die Stadt über den Stand der Dinge. Nach den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission des Bundes (SSK) wird im Falle einer atomaren Katastrophe die Einnahme von Jodtabletten zur Herstellung einer Jodblockade in den menschlichen Schilddrüsen für einen Personenkreis bis zum 45. Lebensjahr und bei schwangeren Personen empfohlen. Das Land NRW hat diese Tabletten vom Bund angefordert und an die einzelnen Kreise verteilt.

Bevölkerungsnah lagern

Die Städteregion Aachen habe die Tabletten am 15. Januar den einzelnen Kommunen übergeben, hieß es in der Mitteilung. Die Stadt Monschau verfüge derzeit über einen Vorrat von insgesamt 15000 Jodtabletten. Die städteregionsangehörigen Kommunen hätten sich dahingehend abgestimmt, dass möglichst kurzfristig eine dezentrale Verteilung der Jodtabletten an die Bevölkerung erfolgen solle.

Da die Tabletten Eigentum des Bundes sind und der Städteregion Aachen keine Erlaubnis zu einer Vorabverteilung an die Bevölkerung vorliegt, konnten entsprechende Reglungen bisher nicht getroffen werden.

Zwischenzeitlich, teilte die Stadtverwaltung Monschau weiterhin mit, sei mit Erlass des Innenministeriums vom 22. Februar festgelegt worden, dass eine Vorverteilung der Jodtabletten an die Bevölkerung gegenwärtig wegen des noch begrenzten Kontingents an Jodtabletten nicht vorgesehen sei.

Die Rahmenbedingungen der Strahlenschutzkommission sähen lediglich für die in unmittelbarer Nähe zum Kraftwerk (bis maximal zehn Kilometer) angesiedelten Haushalte eine Vorverteilung vor. Für alle weiter entfernt liegenden Haushalte sehe die Empfehlung eine Vorhaltung und Lagerung bevölkerungsnah in den Gemeinden bzw. in geeigneten Einrichtungen oder alternativ in mehreren zentralen Bundeslagern vor.

Nach dem vorgenannten Erlass stelle eine Vorverteilung der Jodtabletten keine hinreichende Versorgungssicherheit im Ereignisfall dar. Eine Untersuchung in der Schweiz habe ergeben, dass ein Großteil der Befragten nicht mehr gewusst habe, wo sie die vorverteilten Jodtabletten aufbewahrten. Vor diesem Hintergrund müsste selbst bei einer Vorverteilung eine weitere Verteilung der Jodtabletten im Ereignisfall zur Bedarfsabdeckung erfolgen. Außerdem bestünde während der Zeit der Lagerung im Haushalt die Gefahr des Missbrauchs dieser hochkonzentrierten Tabletten.

Am Dienstag erfolgt Abstimmung

Vonseiten der Stadt Monschau sei vorgesehen, bei einem kerntechnischen Unfall mit Freisetzung von radioaktivem Jod eine Verteilung der Jodtabletten über die Feuerwehrgerätehäuser vorzunehmen. Eine entsprechende Abstimmung über die Verteilung der Jodtabletten mit den Zug- und Gruppenführern der Löschzüge im Stadtgebiet Monschau erfolgt am heutigen Dienstag.

Eine Ausgabe der Tabletten unmittelbar an Kinder und Jugendliche in Schulen oder Kindergärten sei nur mit Einwilligung der Eltern zulässig. Die Frage, ob ein solches Einwilligungsverfahren über Schulen und Kindergärten sinnvoll sei, werde derzeit in der Kultusministerkonferenz geklärt. Ohne Abstimmung mit dem Schulministerium wäre auch eine Beteiligung des Lehrpersonals an einer solchen Aktion nicht möglich.

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