Jeden Zentimeter ausgenutzt: Architekt entwirft außergewöhnliches Haus

Von: Andreas Gabbert
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Architekt Helmut Lorenz und die Bauherren Laura Löhrer und Luis Blesken laden im Rahmen des Tages der Architektur für Samstag, 25. Juni, und Sonntag, 26. Juni, jeweils von 11 bis 13 Uhr ein, das Haus Im Städtchen 6a in Rott zu besichtigen. Foto: A.Gabbert

Rott. Wer ein Haus baut, der hat viele Herausforderungen zu bewältigen. Das war auch für die jungen Bauherren Laura Löhrer (28) und Luis Blesken (26) aus Rott nicht anders. Besonders am Anfang mussten sie viel einstecken und auch Spott ertragen. „Was wollt ihr denn da bauen? Eine Hundehütte?“, solche und ähnliche Fragen wurden ihnen oft gestellt. Am Ende wurden alle Kritiker eines Besseren belehrt.

Auf dem Grundstück Im Städtchen in Rott, wo die Großeltern und auch schon die Urgroßeltern der jungen Frau ihren Garten hatten, haben sie ihr Haus gebaut. Die Freude war groß, in dem beliebten Wohnort in einer ruhigen Seitenstraße kostenlos ein Grundstück zu erhalten. Doch die Frage war, wie auf dem kleinen Grundstück mit vielen Ecken und ohne rechten Winkel ein Haus mit genügend Platz für eine Familie entstehen könnte. Diese Frage sollte ihnen ein Freund der Familie beantworten, der Architekt Helmut Lorenz.

Mit einer Flurkarte und den Maßen des Grundstücks wurden Löhrer und Blesken bei ihm vorstellig und stellten die große Frage: „Wie kann man was darauf bauen?“ Die Antwort des Architekten war zunächst ernüchternd. Auf einer Grundfläche von 27 Quadratmetern sei es nicht möglich, genügend Raum für eine Familie zu schaffen, auch nicht für eine kleine, sagte er und sorgte damit für große Enttäuschung. „Hier überhaupt ein Grundstück zu bekommen, ist schon schwer“, sagt Blesken.

Da die Flurkarte nicht maßstabsgetreu war, sollten die Bauherren sicherheitshalber nochmals nachmessen: Das Ergebnis war nun ein anderes. „Das geht!“, teilte der Architekt mit. Auf einem Grundriss mit 55 Quadratmetern ließe sich ein schönes Einfamilienhaus errichten. Die Euphorie war groß. „Der Plan war, in die Höhe zu bauen mit einem ganz spitzen 60-Grad-Dach, um zusätzlichen Wohnraum unter dem Dach zu schaffen“, erklärt Lorenz. Am Ende sollte das Gebäude insgesamt rund 130 Quadratmeter Wohnraum und 25 Quadratmeter Nutzfläche bieten.

Der Entwurf stand dann relativ schnell, aber mit den Baubehörden waren noch einige Absprachen nötig, denn das Haus würde die anderen in der Nachbarschaft überragen und nicht in der Flucht stehen. Aber auch dieses Problem wurde schließlich gelöst. „Das war ein Kampf um jeden Zentimeter“ erinnert sich Lorenz. Die besondere Herausforderung sei gewesen, auf einem kleinen Grundriss einen Raum zu schaffen, der groß und offen wirkt. „Also haben wir alles auf die Spitze getrieben. Wir haben einen spitzes Dach, spitze Winkel und jeden Zentimeter ausgenutzt“, sagt Lorenz. Blickachsen lenken den Blick, helle und offene Räume mit viel Fensterflächen leisten das Übrige.

Zweifel kamen erneut auf, als der Bagger anrückte. „Als der hier stand, war das Grundstück voll“, sagt Löhrer. Sie arbeitet als Kommunikationsdesignerin, er befand sich damals im ersten Lehrjahr in der Ausbildung zum Zimmermann. „Uns war von Anfang an klar, dass wir beide möglichst viel selbst machen wollen“, erklärt Blesken. Am Ende waren das rund 80 Prozent – Rohbau, Fassade und zum größten Teil auch der Innenausbau. Die Arbeiten im Sanitär- und Elektrikbereich wurden von Fachfirmen übernommen. „Da traut man sich besser nicht dran“, sagt Löhrer.

Mit dem Ergebnis sind die jungen Leute mehr als zufrieden. „Die 50 Quadratmeter im Erdgeschoss wirken größer als die 70 Quadratmeter unserer alten Wohnung in Aachen“, sagt er. „Als das Dach drauf war, war ich erstaunt, wie viel Platz da ist“, sagt sie. Im Erdgeschoss befindet sich der Eingangsbereich, ein Gäste-WC mit Dusche, die Küche, ein Ess- und Wohnbereich sowie ein Abstellraum. Im ersten Obergeschoss befinden sich zwei Zimmer und ein Bad, das zweite Obergeschoss bietet Platz für ein weiteres Zimmer, das bei Bedarf auch in zwei Räume aufgeteilt werden kann.

Einen Keller gibt es nicht. Wert gelegt wurde auf eine nachhaltige Bauweise mit ökologischer Dämmung und mit möglichst wenig Kunststoff. Stattdessen gibt es Holzfenster, Holz- und Steinböden in dem Haus, das in Holzständerbauweise errichtet wurde. „Hier gibt es keinen einzigen Stein in der Wand. Dadurch waren schmale Wände mit einer hohen Dämmung möglich“, erklärt der Architekt.

Durch eine Aufsockelung zur Straßen hin, wurde das Gefälle des Grundstückes ausgeglichen und zusätzlicher Stauraum geschaffen. Im rückwärtigen Bereich befindet sich eine Terrasse, die mit viel Stein gestaltet wurde. „Der Vorteil ist, wir müssen keinen Rasen mähen“, sagt Blesken lachend.

Seit Beginn der Planung im Januar 2014, über den Baubeginn im Juli und den Einzug in das neue Zuhause im November 2015 haben die jungen Bauherren und ihr Architekt alle Höhen und Tiefen erlebt, die ein Hausbau mit sich bringt. Alle drei sind aber auch stolz auf das Geleistete. Deshalb öffnen sie am Samstag, 26. Juni, und Sonntag, 26. Juni, jeweils von 11 bis 13 Uhr ihr Haus, um Interessierten am Tag der Architektur einen Einblick zu geben.

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