Aachen/Nairobi - Jan Koops: Kreisliga in Vicht, Erfolgstrainer in Kenia

Radarfallen Bltzen Freisteller

Jan Koops: Kreisliga in Vicht, Erfolgstrainer in Kenia

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:
Jan Koops (links) kam, sah und
Jan Koops (links) kam, sah und siegte: Der Niederländer genießt bei Fans - und seinem Team - mittlerweile Foto: Stefford Ondegu

Aachen/Nairobi. Welche ungeahnten Folgen der Smalltalk mit einem Straßenhändler haben kann, ahnte Jan Koops nicht im geringsten.

Seinem Freund, der auf den Straßen Nairobis in Kenia Obst und Gemüse verkauft, erzählte der ehemalige Simmerather vor einigen Monaten einmal beiläufig, er habe den Trainerschein und Fußballmannschaften in Deutschland trainiert.

Heute ist Koops Trainer beim größten und beliebtesten Fußballklub der kenianischen Premier League - und für viele Fans der AFC Leopards ein gefeierter Held.

„Ja, es ist schon verrückt”, sagt Koops und schmunzelt, wenn er sich daran erinnert, wie er an den Trainerposten bei den Leopards, zwölfmaliger kenianischer Meister und siebenfacher Pokalsieger aus Nairobi, geraten ist.

Seit rund einem Jahr lebt Koops nun in Kenia, die Familie seiner Lebensgefährtin wohnt dort. Zuvor hatte der Niederländer lange Zeit in der Eifel gelebt und unter anderem Mannschaften beim TuS Mützenich und dem VfL Vichttal in der Kreisliga A und B gecoacht. In Kenia war Koops vor einem Jahr noch ein völlig unbekannter Mann - bis eben sein Obst- und Gemüsehändler einem Sportjournalisten von Koops sportlicher Vita erzählte.

Der Journalist brachte Koops wiederum bei den Leopards ins Gespräch. „Der Verein steckte in der sportlichen Krise, man hatte mich aufgrund meiner Erfahrung gefragt, ob ich als Assistenztrainer helfen könnte”, erzählt der heute 70-Jährige vom ersten Kontakt mit dem kenianischen Verein.

Koops musste nicht lange überlegen. Das war seine Chance. Und als die Leopards im Juli dann ausgerechnet das brisante Derby gegen den Lokalrivalen Gor Mahia mit 1:3 verloren, war auch der Weg auf den Cheftrainerstuhl schnell frei.

Von Koops verrücktem Aufstieg von der Kreisliga B in die 1. Liga Kenias hätte wohl außerhalb Westafrikas kaum jemand erfahren, wenn nicht einer seiner ehemaligen Spieler nach ihm gesucht hätte. Nachdem Koops die 2. Mannschaft des VfL Vichttal noch vor der Winterpause der vergangenen Saison plötzlich Richtung Kenia verlassen hatte, brach der Kontakt nach Deutschland völlig ab.

Johannes Lüttecke, unter Koops Kapitän beim VfL Vichttal, suchte dann ohne Vorahnung im Internet nach dem verschollenen Trainer - und traute zunächst seinen Augen nicht. Sein ehemaliger Trainer gab auf YouTube Interviews im kenianischen Fernsehen, die afrikanische Presse feierte Koops als neuen Startrainer.

„Der, der hoch hinaus steigt”

Hier war Jan Koops für sein kleines Umfeld schlicht der „Trainer”, scherzhaft wurde er manchmal vielleicht auch der „fliegende Holländer genannt”. In Kenia ist Koops mittlerweile auf den Straßen Nairobis als der „Coach” bekannt, unerkannt kann sich Koops nicht mehr durch die Metropole bewegen.

Der Hauptsponsor der Leopards, einer der größten Zuckerhersteller des Landes, hat dem Trainer vor kurzem im Rahmen einer Zeremonie den Beinamen „Wepukhulu” verpasst. „Das heißt übersetzt in etwa: Der, der hoch hinaus steigt”, verrät Koops und schmunzelt wieder. Jan „Wepukhulu” Koops genießt fast Heldenstatus, manche Fans nennen ihn sogar den „Messias”.

Warum Koops in Kenia und besonders bei der großen Fanbasis der Leopards ein solch hohes Ansehen genießt, wird beim Blick auf die Tabelle der kenianischen Premier League schnell deutlich. Seitdem der Niederländer die Mannschaft Ende Juli hauptverantwortlich auf Platz 14 in Abstiegsnot übernommen hat, haben die Leopards kein Spiel mehr verloren. Zwei Spiele vor Saisonende steht der Traditionsverein auf Platz sechs und kann noch Dritter werden.

„Wir haben uns sehr verbessert. Vorher hat man hier nur Kick-and-Rush gespielt, mittlerweile spielen wir viel auf Ballbesitz und einen technisch guten Fußball”, erkennt Koops seine eigene Handschrift. Selbst klassische deutsche Tugenden wie Pünktlichkeit und Disziplin habe er seinen jungen Spielern mit Erfolg eingeimpft, so Koops. „Die Mannschaft hört in jeder Hinsicht auf mich und will sich immer verbessern. Jeder will hier hoch hinaus.”

Bei einigen seiner Spieler sieht Koops auch durchaus die Chance, den Sprung nach Europa zu schaffen. Die Talentförderung ist im kenianischen Fußball allerdings noch nicht so ausgebaut wie in anderen afrikanischen Ländern.

Nur wenige Kenianer spielen in Profi-Ligen in Belgien oder Skandinavien, den Durchbruch auf internationaler Bühne haben nur McDonald Mariga, der zurzeit bei Racing Santander in Spanien spielt, sein Bruder Victor Wanyama von Celtic Glasgow sowie Dennis Oliech vom französischen Verein AJ Auxerre geschafft. „Die Liga hier hat ungefähr das Niveau der 3. Liga in Deutschland”, meint Koops. „Aber die Spieler sind technisch sehr gut. Ich verstehe nicht, warum nur so wenige Kenianer in Europa spielen.”

Finanziell lohnt sich ein Wechsel nach Europa allemal. Umgerechnet etwa 700 bis 800 Euro verdient ein Profifußballer in Kenia monatlich. Jan Koops Dreijahresvertrag bringt ihm ungefähr das Doppelte, damit kann er in Nairobi mehr als gut leben. Das Geld und das Ansehen spielen für Koops aber nur eine untergeordnete Rolle. Der Trainer ist vielmehr glücklich darüber, dass er auch in Kenia seine Leidenschaft für den Fußball leben kann und dabei täglich neue Erfahrungen sammeln darf.

Unvergesslich wird für Koops das Rückspiel der Leopards gegen den Erzrivalen Gor Mahia bleiben, vergleichbar mit Duellen zwischen Dortmund und Schalke. Die Leopards siegten vor 35.000 Zuschauern mit 3:0, und die Fans hätten ihrem Erfolgstrainer im Anschluss am liebsten ein Denkmal gesetzt. „Man kann sich nicht vorstellen, was da los war. Die Leute haben auf den Straßen gefeiert, der Verkehr in Nairobi war komplett lahm gelegt. Unser Bus hatte vor allen Vorrang”, beschreibt Koops die Jubelszenen nach dem Derby.

Kenianischer Nationaltrainer?

„Ich denke mittlerweile oft darüber nach, wie schnell sich das Leben ändern kann”, kann Koops seinen unerwarteten Aufstieg oft selbst kaum fassen.

Der Geschäftsführer des VfL Vichttal habe ihm damals vor den Reisen nach Kenia immer scherzhaft gesagt, dass er irgendwann einmal Nationaltrainer von Kenia werde, so Koops. „Ich habe dann immer gelacht”, sagt er. „Und jetzt hat der Verband tatsächlich angefragt, ob ich nach der Saison die Nationalmannschaft trainieren könnte. Ich habe abgelehnt. Für mich zählen definitiv nur die Leopards.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert