Nordeifel - Jahresbilanz 2016: Jobs für Flüchtlinge als Herausforderung

Jahresbilanz 2016: Jobs für Flüchtlinge als Herausforderung

Von: P. St.
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Der Geschäftsführer des Jobcenters für die Städteregion Aachen, Stefan Graaf (li.) sowie der Geschäftsstellenleiter der Geschäftsstelle Stolberg-Südkreis, Marcus Alt (re.) und Jürgen Crombach als Standortleiter für die Eifel, stellten jetzt im Jobcenter in Simmerath den lokalen Geschäftsbericht für die drei Südkreiskommunen vor. Foto: P. Stollenwerk
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Die Flüchtlinge (wie hier an der ehemaligen Hauptschule Monschau) sind da: Auch für das Jobcenter Eifel in Simmerath bedeutet die Integration dieser Menschen in den Arbeitsmarkt die größte Herausforderung im laufenden Jahr. Foto: P. Stollenwerk
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Die Grafik zeigt die Zahlen der Hartz IV-Bedarfsgemeinschaften in Monschau, Roetgen und Simmerath.

Nordeifel. „Die Versorgung der Geflüchteten wird eine der ganz großen Herausforderungen des Jahres 2017 sein“, sieht Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters der Städteregion Aachen, eine stattliche Aufgabe auf sein Team zukommen.

Insgesamt ist die wirtschaftliche Lage gut bis sehr gut in Deutschland, aber die Zahlen, die das Jobcenter jetzt rückblickend auf 2016 veröffentlichte, spiegeln diese Entwicklung nur teilweise wider, weil eben die steigende Zahl der Flüchtlinge inzwischen auch Eingang in die Statistik findet. Das ist auch im Jobcenter Eifel nicht anders, das zuständig ist die die Kommunen Monschau, Roetgen und Simmerath und im Gebäude der Polizeiwache in Simmerath untergebracht ist.

Hier stellten jetzt Stefan Graaf sowie der Geschäftsstellenleiter der Geschäftsstelle Stolberg-Südkreis, Marcus Alt, und Jürgen Crombach als Standortleiter für die Eifel, den lokalen Geschäftsbericht für die Südkreiskommunen vor. „Auch in der Eifel merken wir, dass die gute wirtschaftliche Gesamtlage im Lande vor Ort angekommen ist“, sagt Jürgen Crombach, oder anders ausgedrückt: „Der Beschäftigungsaufbau schlägt auf die Vollbeschäftigung durch.“

Die aktuelle Arbeitslosenquote in der Eifel im März 2017 von 3,6 Prozent unterstreicht diese Tendenz des Aufschwungs, der im Südkreis bereits seit rund fünf Jahren erkennbar ist.

Der positive Trend dokumentiert sich auch in der steigenden Ansiedlung von neuen Gewerbebetrieben, „und das trotz der schlechten Verkehrsanbindung“, betont Crombach. Einzelhandel und Dienstleistung seien auf dem Vormarsch, und das Krankenhaus Simmerath mit steigenden Beschäftigungszahlen sei „ein echter Motor“ für die Region.

Die Zuständigkeit des Jobcenters für anerkannte Flüchtlinge bedeutet wie gesagt eine neue Herausforderung. Derzeit erhalten 118 Geflüchtete in der Eifel Leistungen vom Jobcenter. Zum Ende des Jahres werden es laut Prognose etwa 200 Personen sein. Der Anteil der Flüchtlinge ist in der Eifel überproportional hoch. Die Ursache dafür liegt im Verteilungsmodus.

Großflächigen Kommunen wird nach dem Flächenschlüssel eine höhere Anzahl von Flüchtlingen zugewiesen, und auch die Zahl der Arbeitslosen in der jeweiligen Region spielt ein Rolle. Je niedriger die Arbeitslosenquote ist, je höher ist die Zuweisung. So werden etwa der Stadt Aachen in diesem Jahr nur 280 Flüchtlinge zugewiesen. Als „relativ entspannt“ bezeichnet Jürgen Crombach die Wohnsituation, da viele Kommunen selbst Wohnraum anmieten würden.

Zum Stichtag der Jahres-Statistik (Oktober 2016) wurden vom Jobcenter Eifel 512 Bedarfsgemeinschaften betreut. Diese Zahl ist seit rund einem Jahr konstant. Eine Bedarfsgemeinschaft bezeichnet eine Konstellation von Personen, die in einem Haushalt leben. In diesen Bedarfsgemeinschaften lebten zum Stichtag 967 Personen. Beim genaueren Blick auf die Bedarfsgemeinschaften fällt auf, dass rund die Hälfte davon Singles sind. Den zweitgrößten Anteil stellen die Alleinerziehenden.

Der Bezug von Leistungen durch das Jobcenter steht auch in einem direkten Zusammenhang zur Qualifikation der Betroffenen, denn rund 70 Prozent sind ohne einen Schul- oder Berufsabschluss. Rund 150 Jugendliche unter 25 Jahren in der Eifel beziehen Leistungen in Bedarfsgemeinschaften. Tatsächlich arbeitslos sind nur ganz wenige Jugendliche (rund zehn) in der Nordeifel. „Bildung ist das beste Mittel gegen Arbeitslosigkeit“, betont daher auch Stefan Graaf immer wieder.

Messbar wird der Erfolg des Jobcenters in den Vermittlungen. So konnten im Jahr 2016 etwa 25 Prozent des Durchschnittsbestandes der arbeitslosen Erwerbsfähigen in ein Arbeitsverhältnis integriert werden.

Zum Stichtag Oktober 2016 erhielten 179 erwerbstätige Personen Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhaltes, weil das eigene Einkommen nicht ausreichte. Seit dem Jahr 2014 (211 Personen) ist hier ein kontinuierlicher Rückgang festzustellen, was im Vergleich zu den anderen Kommunen in der Städteregion atypisch ist. Diesen Unterschied kann Jürgen Crombach erklären: „In der Eifel gibt es noch eine Reihe von Arbeitgebern mit hoher sozialer Verantwortung.“ Atypisch ist auch die Statistik bei den Langzeitarbeitslosen. In der Eifel waren es im Oktober 2016 noch 396 Personen. Die Zahl ist kontinuierlich rückläufig. Sie lag schon einmal bei über 500.

Das Jobcenter Eifel gab 2016 rund 4,2 Millionen Euro an seine knapp 1000 Leistungsbezieher weiter. Allein die Hälfte davon wird von Unterkunft und Heizung aufgebraucht, die andere Hälfte dient dem Lebensunterhalt. Das gesamte Geld, lenkt Jürgen Crombach den Blick auf einen wichtigen Aspekt, „bleibt in der Region“.

Wenig überraschend ist die steigende Anzahl von „nichtdeutschen Personen in Bedarfsgemeinschaften“. Sie stieg von 110 Personen (Oktober 2014) auf 191 (Oktober 2016). Aktuell ist das ein Anteil von 20 Prozent. Markant ist der Zuwachs in Roetgen. Da die Kommune keine Notunterkunft vorhalten musste, stieg die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge, die vom Jobcenter betreut wurden, rapide von 42 (März 2016) auf 72 (Oktober 2016).

Unter dem Strich „sehr zufrieden“ zeigte sich Jobcenter-Geschäftsführer Stefan Graaf mit der jüngsten Entwicklung in der Eifel. Hier, wie auch anderswo, sei die Integration von Erwerbslosen und Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt das dominierende Ziel.

Auch Simmeraths Standortleiter Jürgen Crombach lobt die Mentalität der hiesigen Bevölkerung: „Der Eifeler Arbeitnehmer ist zuverlässig und flexibel. Das ist keine Legende, sondern es bewahrheitet sich in der Alltagsarbeit des Jobcenters.“

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