Jäger und Landwirte wollen Jungwild vor dem Mähtod retten

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Jäger und Landwirte wollen Jungwild vor dem Mähtod retten. Symbolfoto: Felix Kästle/dpa

Nordeifel. Ein großes Anliegen der Jäger und Landwirte ist es in diesen Tagen, die Mähverluste bei Jungtieren so gering wie möglich zu halten, informiert der Jagdaufseher Bernd Roggenkamp aus Stolberg.

Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen werbe dazu seit rund 15 Jahren gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW für wildtierschonende Mähverfahren – mit Erfolg, denn im neuen NRW-Landesnaturschutzgesetz ist das Mähen von innen nach außen zwingend vorgeschrieben.

„Das bleibt dann aber auch einer der ganz wenigen Punkte, die in den letzten Jahren vom Gesetzgeber zum Besseren gedreht wurden“, sagt Roggenkamp mit Blick auf eine aus seiner Sicht ansonsten „recht unglückliche und überhebliche NRW-Umweltpolitik der letzten Jahre“.

Beim Mähen von innen nach außen wird von der Wiesenmitte kreisförmig bis zum äußeren Rand gemäht. Alternativ dazu kann von einer Feldseite zur anderen gemäht werden. Wichtig sei, dass die Wiesenbewohner möglichst lange unter Ausnutzung natürlicher Deckung in benachbarte Felder und Hecken flüchten können: „Das ist vor allem für Wiesenbrüter hilfreich, den ‚Duckern‘, also Jungtieren, die bei Gefahr nicht flüchten, sondern sich ducken, hilft dieses Verfahren nicht. Auch Rehkitze sind in ihren ersten Lebenstagen Ducker. Ihnen helfen wir in anderer Weise.“

So seien am Abend vor dem Mähtag von Jägern und Landwirten aufgestellte Scheuchen oder Plastiktüten wahre Lebensretter. Ricken, wie die Reh-Mütter in der Jägersprache heißen, würden die bewusste Störung erkennen und das Jungwild von dieser unwirtlich gewordenen Stelle an einen sicheren Ort bringen.

Zusätzlich suchten am Mähtag häufig Jäger mit Jagdgebrauchshunden die Wiesen ab. Gut ausgebildete Vorstehhunde ergreifen die gefundenen Jungtiere nicht, sondern zeigen sie ihren Hundeführern nur an. Jäger betten das gefundene Jungwild dann auf große Grasbüschel und legen es an einem sicheren Platz abseits der zu mähenden Wiese ab.

Vermehrt kämen auch akustische Wildretter zum Einsatz, die mit rund 120 Dezibel das Jungwild vor dem Mähwerk vertreiben sollen. Das Absuchen mit Drohnen und/oder speziellen Infrarot-Sensoren stecke noch in der Erprobung. Die Entwicklung werde von der Fachwelt aber sehr aufmerksam verfolgt.

Übrigens: Wer Ende Mai/Anfang Juni Rehkitze in Wald und Feld findet, sollte sie und natürlich auch anderes Jungwild auf keinen Fall anfassen. „Man lässt die Kitze am besten unberührt an ihren Lagerstätten, sonst droht ihnen der Tod“, so Bernd Roggenkamp. Anderenfalls würden nämlich die Muttertiere von der menschlichen Witterung so stark abgeschreckt, dass sie ihren eigenen Nachwuchs nicht mehr annehmen.

„Selbstverständlich sollte es auch sein, dass Hundehalter jetzt ganz besonders auf ihre Vierbeiner achtgeben und sie sicherheitshalber lieber ganz an die Leine nehmen“, so Roggenkamp. Unfälle mit Wildtieren müssten grundsätzlich gemeldet werden. Dies sei mittlerweile Gesetz – und das nicht Melden eine Ordnungswidrigkeit.

Zuletzt habe der Jagdaufseher wieder ein Stück Rehwild unterhalb des Frackesberg kurz vor dem Ortseingang Zweifall von der Straße holen müssen, das angefahren und achtlos liegengelassen wurde. „Bleibt nur zu hoffen, dass das Tier sofort tot war und nicht noch gelitten hat. Für ein solches Verhalten fehlt mir das Verständnis“, sagt Bernd Roggenkamp.

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