Itertal-Seniorenzentrum: Anwohner sollen nicht eingekesselt werden

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
11140968.jpg
So soll das neue Seniorenzentrum in Roetgen aussehen: Vorne der vorhandene Gebäudeteil, dahinter die geplanten Neubauten.

Roetgen. Die Erweiterung des Seniorenzentrums der Itertalklinik an der Roetgener Jennepeterstraße wird von allen Seiten gewünscht, zumindest positiv begleitet. Auch die Anwohner können mit der Vergrößerung des Objektes leben, aber die Geister scheiden sich am Umfang der Planung.

Die Roetgener Kommunalpolitiker und die betroffenen Bürger der Jennepeterstraße und im Wohngebiet Wiedevenn sind sich einig darin, dass die vorliegende Konzeption vom Umfang her nicht akzeptabel ist.

Jetzt sollen die Pläne abermals überarbeitet werden. Erst dann soll der vorhabenbezogene Bebauungsplan verabschiedet werden. So lautete das Ergebnis einer 100-minütigen lebhaften Beratung im Roetgener Bauausschuss, an der rund 50 Bürger als Zuhörer teilnahmen. Daher wurde auch entgegen der Beschlussvorlage der Verwaltung das Bebauungsplanverfahren noch nicht eingeleitet.

Bereits in seiner August-Sitzung hatte der Ausschuss deutliche Kritik an den Hochbauplanungen geübt und die Gebäudekubatur als zu massiv und als zu wenig angepasst an die benachbarte Wohnbebauung betrachtet. Daraufhin wurde die Planung überarbeitet. Während die Verwaltung zu der Erkenntnis kam, dass mit der aktualisierten Planung „den wesentlichen Kritikpunkten Rechnung getragen wird“, herrschte im Ausschuss der Tenor vor, dass das Gesamtobjekt eher noch umfangreicher geworden und in dieser Form nicht genehmigungsfähig sei. Massive Kritik war auch von den Anwohnern geübt worden.

Schwer in Übereinstimmung mit der vorliegenden Planung ließ sich daher auch die Aussage des Betreibers Dr. Christoph Kösters bringen, der die Vergrößerung der Maßnahme nicht bestätigte.

Es sei eine Entscheidung der politischen Gremien, zwischen den Wünschen des Investors und den Interessen der Anwohner abzuwägen, machte Bürgermeister Jorma Klauss die Aufgabe deutlich.

Diese Abwägung soll nun bis zur nächsten Sitzung erfolgen. Der Planer wird zuvor interne Beratungen mit Vertretern des Bauausschusses wie auch mit den Anwohnern führen, um zu einem Kompromiss zu gelangen. Eingebunden werden sollen die Roetgener Vereine, denn auf Anregung von Klaus Onasch (SPD) soll auch die Option geprüft werden, ob Teile des Leichtathletikplatzes, dessen Frequentierung in den letzten Jahren immer mehr abgenommen hat, in die Erweiterungsplanung eingebunden werden können, um die Enge der Bebauung zu entschärfen. Im Januar soll dann der dritte überarbeitete Planentwurf vorgestellt werden.

Die Erweiterung des Seniorenzentrums wird erforderlich, weil der zweite Roetgener Standort der Itertalklinik an der B 258 wegen geänderter gesetzlicher Vorgaben in drei Jahren geschlossen wird. Deshalb sollen die neuen Pflegeplätze ab Anfang 2018 in der Jennepeterstraße zur Verfügung stehen. Dafür soll ein Querriegel an das vorhandene Gebäude angebaut werden. In diesem Anbau werden Hausgemeinschaften für Demenz und Schwerstpflege (12 Wohneinheiten) sowie 18 Zweier-Zimmer ungebracht. Zur weiteren Konzeption des Seniorenzentrums gehören drei separate Häuser für betreutes Wohnen mit 30 Wohneinheiten, ein eigenes Gebäude für die Tagespflege (12 Plätze) und ein Generationenplatz.

Mit einer Länge von über 70 Meter und 19 Meter Firsthöhe sei der neue Querriegel überdimensioniert, meinte Wolfgang Schruff (PRB). Er sah zudem eine Wertminderung von Teilen der Wohnbebauung im Wiedevenn, denn die Bauherrn hätten die Grundstücke unter anderen Voraussetzungen gekauft. Auch Bernhard Müller (Grüne) sah kein angemessenes Verhältnis zur ortsüblichen Wohnbebauung. In dieser Form sei die Planung „nicht zustimmungsfähig“. Auch Günther Severain (parteilos) sah diese Problematik, zumal der Bebauungsplan Wiedevenn erst wenige Monate alt sei.

Die „zeitliche Nähe“ der Bebauungsplanänderung bezeichnete auch Bauamtsleiter Dirk Meyer als „unglücklich, aber kein Bebauungsplan ist in Stein gemeißelt“.

Silvia Bourceau (UWG) sah in der neuen Planung die Wirkung des Bauwerks noch verstärkt. Insbesondere durch die drei Einzelhäuser (jeweils 500 Quadratmeter Wohnfläche) würden die direkten Nachbarn „eingekesselt“. Die Kritik der Anwohner, was das Volumen der Neubauten und die Nähe zur Baugrenze betreffe, sei nachvollziehbar. „Da gibt es noch viel Gesprächsbedarf.“ Gerd Neuefeind (UWG) fühlte sich „hinters Licht geführt“, wenn nun größer als vorher geplant werde, während Michael Seidel (CDU) meinte, dass man nicht zu Beginn des Verfahrens bereits eine genehmigungsfähige Planung erwarten könne.

Wenn Roetgen eine solche Investition wolle, dann müsse man auch die mit einem Sonderbau verbundenen Einschränkungen akzeptieren. Klaus Onasch betonte, dass man eine Verpflichtung auch gegenüber jenen Bürgern habe, die ihren Lebensabend in Roetgen verbringen wollten. „Roetgen besteht nicht nur aus Einfamilienhäusern.“ Es gelte, einen akzeptablen Kompromiss zu finden. „Sonst besteht die Gefahr, dass wir das Projekt vor die Wand fahren.“

Leserkommentare

Leserkommentare (6)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert