Italien-Klischees im Eifeldom

Von: Peter Stollenwerk
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Es waren keine Außerirdischen im Eifeldom, sondern nur die Stelzengänger des Theater Anu, die im Rahmen der italienischen Nacht kurzfristig durch das Kirchenschiff schwebten. Foto: P. Stollenwerk

Kalterherberg. Wenn an einem späten Samstagabend die Menschen scharenweise zur Kirche strömen, dann muss schon etwas Besonders geboten werden. In Falle der Pfarrkirche St. Lambertus Kalterherberg war es das Kulturfestival des Kreises Aachen, das bei freiem Eintritt im Rahmen seiner Stippvisite durch die Region am Wochenende Station im altehrwürdigen Eifeldom machte.

Eine „italienische Nacht”, ausgerechnet in der kürzesten Nacht des Jahres, stand hier auf dem Programm. „Gefühlvolle Melodien” und poetische Lichtgestaltung” versprach die Veranstaltung. Doch der Zauber von Bella Italia konnte sich nur schwer entfalten. Zu sehr schwankte das anderthalbstündige Programm zwischen durchaus gekonnter Lichtkunst und vermeintlicher Folklore.

Dabei war der Spannungsbogen gut angelegt. Rund um das fast 110 Jahre alte Kirchengemäuer lockten die weißen Stelzengänger vom Theater Anu mit perfekter Pantomime die Gäste an, das in rotes Licht getauchte Portal des Gotteshauses zu durchschreiten. Im Inneren des Eifeldoms führte der Lichtkünstler Jörg Rost Regie, der schon häufiger zu Gast beim Kulturfestival war.

Auch Pfarrer Karl Schnitzler als „Hausherr des wunderbaren Eifeldoms”, freute sich nach der kürzlich erst fertig gestellten und aufwändigen Umgestaltung des Innenraums darauf, „die Kirche in neuem Licht zu sehen.” Mehr als 300 Menschen füllten den Kirchenraum; für manche gab es nur noch Stehplätze.

Die erste leichte Irritation verursachte der Moderator, der als Gondolerie mit Strohhut schwungvoll vor dem neuen Altar aus Stampflehm Position bezog und ahnen ließ, dass es schwierig werden würde, die passende Mischung zwischen der Würde des Gotteshauses und der Musikauswahl zu finden.

Der erste musikalische Teil der italienischen Nacht war Opernsänger Frank Schröder vorbehalten. Der Tenor sang in der Klassik-Stadt Monschau einen soliden Part, wobei es Jörg Rost gelang, während der Arien durch wechselnde Lichtintensität die musikalische Darbietung zu unterstützen. Mal tauchte er das Mittelschiff komplett in grünes, rotes oder goldenes Licht oder setzte gekonnt Lichtpunkte auf das Hängekreuz und die Heiligenfiguren.

In krassem Gegensatz dazu stand der sehr ausführlich geratene Auftritt des „Trio Italiano”, ein in die Jahre gekommenes Ensemble, das im Stile der klassischen Samstagabend-Unterhaltung aus den 60-er Jahren das Italien-Klischee kräftig aufleben ließ. Mit angestaubten Schlager-Klamotten wie „Marina”, „Buona Sera”, oder „Quando, Quando” wäre das Trio ebenso gut buchbar gewesen für die Bord-Unterhaltung auf einer Mittelmeer-Kreuzfahrt oder für ein integratives Straßenfest, aber im Eifeldom?

Das Publikum wollte aber offenbar nicht den Spielverderber spielen, wenn auch die Reaktionen zweigeteilt waren. Einige Besucher verließen die Veranstaltungsstätte, andere ließen sich zum Mitklatschen hinreißen.

Auch Pfarrer Karl Schnitzler sah die Darbietung mit gemischten Gefühlen. „Ich habe mehr auf das Licht geachtet”, meinte der Seelsorger diplomatisch, und man solle dem Veranstalter ja „eine gewisse Freundlichkeit” entgegenbringen, wenngleich das Trio Italiano sich „stark entfaltet” habe und in einen Zustand der „Selbststeigerung” geraten sei. Schnitzler: „Das war eindeutig zuviel.”

Die Lichtkunst hingegen habe die Wirkung des neo-romanischen Kirchenräumes hervorragend unterstützt. Schade sei nur gewesen, „dass die neue Mitte besetzt war.”

Wieder ruhiger ging es dann im abschließenden Part zu mit Opernsängerin Malena Grandoni und Akkordeon-Virtuose Andres Grandoni und ihren südländischen Impressionen, ehe das Programm dann mit dem italienischen Klischee schlechthin ausklang. Der Gondolerie schipperte sanft mit Kulturdezernentin Nina-Mika Helfmeier in einer Gondel durch den Mittelgang des Eifeldoms...

Die Kalterherberger Dämmerung war inzwischen der Dunkelheit gewichen. Arrividerci, Serenate Notturne!
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