Ist Facebook besser als das Vereinsleben?

Von: Alissa Bauer
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Für immer mehr Jugendliche, auch in der Eifel, ersetzen virtuelle Gemeinschaften den Verein. Der demografische Wandel tut ein Übriges. Foto: imago/Friedrich Stark

Nordeifel. Egal, ob Musikkapelle, Fußballclub oder Schützenbruderschaft, die Vereinsvielfalt kennt in unserer Region kaum Grenzen. Für jeden ist hier etwas dabei, was Spaß macht und zur Lieblingsbeschäftigung werden kann.

In Vereinen findet man Abwechslung, man kommt unter Leute, lernt Teamwork und Verantwortungsbewusstsein. Warum ist es trotzdem für viele Vereine schwer, Jugendliche zu interessieren und für sich zu gewinnen?

Nicht nur eine Ursache

Das lässt sich nicht allein auf eine Ursache zurückführen, es ist an verschiedene Faktoren gebunden. Die Umgebung, das Vereinsmanagement und das Angebot anderer Vereine sind wichtige Einflüsse, und die betroffenen Vereine müssen sich den Gegebenheiten anpassen.

„Es hat viel mit Management zu tun, ob der Verein auch für junge Leute attraktiv ist. Traditionell ausgerichtete Vereine kommen eben nicht so gut an wie modernere”, weiß Werner Wamser vom Musikerverband Aachen. Die Musikvereine könnten aber insbesondere dann viele Jugendliche zur Musik bringen, wenn eigene Musikschulen den Vereinen zur Verfügung ständen. Das sei das ein sehr positiver Faktor, weil die Kinder dort professionell ausgebildet würden, erläutert Wamser weiter.

Die Vereine haben Konkurrenz, und das auf allen Ebenen. Zunächst stehen dort andere Vereine, die beispielsweise mehr Jugendarbeit betreiben und so potenzielle Mitglieder abwerben.

Allerdings bieten auch die Arbeit an Projekten, AGs oder ähnliche weniger langfristige Beschäftigungen den Jugendlichen eine Alternative, die sehr beliebt ist. Die Begründung dafür ist simpel. Man will lieber ausprobieren und sich nur für kurze Zeit verpflichten, statt sich über lange Zeit in einem Verein aktiv zu beteiligen, wie auch die Shell-Studie „Jugend 2010” bestätigt: „Jugendliche wollen sich weniger binden, besonders in ihrer Freizeit.” Daher kommen Projekte, in denen man sich nur für einen begrenzte Zeit engagiert, zum Beispiel bis man ein bestimmtes Ziel erreicht, gut an.

Zudem stehen Jugendliche in der Schule und der Ausbildung oft unter großem Druck. Da geht Lernen oder die Lehrstelle vor, so dass ein Hobby meist zu kurz kommt.

Diesen Trend beschreibt auch Wolfgang Genenger vom Diözesanverband Aachen: „Die Interessen und Prioritäten der Jugendlichen verändern sich mit 17 oder 18 Jahren einfach.” Daher sei es schwer, Schützenvereine für Teenager attraktiver zu gestalten, trotz der intensiven Jugendarbeit.

Mobilität immer wichtiger

Vor allem aber ist die Jugend von heute mobil und ständig online. Egal ob Twitter, Facebook oder WhatsApp, stets ist man auf dem Laufenden und teilt sein Leben mit wem man will, wo auch immer man ist. Sogar SMS gelten als veraltet, wie soll man als Verein da hinterherkommen?

In einer Zeit der sozialen Netzwerke verliert das reale soziale Umfeld für die Jugend mehr und mehr an Bedeutung. Schließlich kann man im digitalen Netzwerk Gruppen gründen, wenn man Gleichgesinnte sucht und sich austauschen möchte. Die virtuellen Gemeinschaften ersetzen für viele junge Menschen das Vereinsleben und erfreuen sich steigender Beliebtheit.

Die immer mobilere Jugend ist gleichzeitig aber auch eine schrumpfende Jugend. Der demografische Wandel ist besonders in ländlichen Regionen wie der Eifel zu spüren, was heißt: Es gibt immer weniger junge und immer mehr alte Menschen.

Das macht sich auch in den Vereinen bemerkbar. „Die Eifel ist ein sehr aktives Gebiet, was die Jugendarbeit im Fußball angeht, aber der demografische Wandel macht den Vereinen zu schaffen. Das ist sehr schade für die vielen spielerisch sehr guten Mannschaften. Doch die Clubs helfen sich untereinander und bilden Spielgemeinschaften, um den Jugendlichen dennoch die Möglichkeit zu geben, weiter spielen zu können”, erklärt Raphael Lamm, Kreisvorsitzender Aachen des Fußballverbandes Mittelrhein.

Insgesamt ist die Eifel momentan in einer recht guten Situation, was die Mitgliederzahlen in den Clubs, Mannschaften oder Bruderschaften angeht, jedoch stehen viele Vereine vor der großen Zukunftsfrage: Wie geht es weiter?

In den Musikvereinen müsse verstärkt auf einen früheren Kontakt von Kindern mit Musik hingearbeitet, in den Kindergärten und Grundschulen wieder mehr gesungen und musiziert werden, um die Kinder früher an die Musik heranzuführen, sagt der Vorsitzende des Aachener Musikerverbandes, Werner Wamser. So könnte den Kindern anschließend eine kürzere Ausbildung geboten werden und sie hätten schneller die Möglichkeit, Teil des Vereins zu werden.

Wolfgang Genenger sieht die Situation in den Schützenvereinen als schwieriger an, denn gegen einen Wandel der Interessen könne man wenig tun, auch wenn eine intensive Jugendarbeit selbstverständlich in den Vereinen sei.

Man veranstalte Feiern und Jugend-Discos, doch zum Beispiel die GEMA-Gebühren seien für viele Vereine unbezahlbar geworden, so dass diese Veranstaltungen leider oft auf Eis gelegt werden müssten.
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