Ist der Münsterwald sogar ein EU-Vogelschutzgebiet?

Von: Ernst Schneiders
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Roetgen. Der Naturschutzbund Aachen hat den Gesetzentwurf der schwarz-gelben Berliner Koalition begrüßt, den Bau von Windkraftanlagen zu erleichtern.

„Während die FDP auf Landesebene, in Aachen und in Roetgen beim Ausbau der Windenergie auf der Bremse steht, geben ihre Berliner Vertreter endlich Gas”, freut sich Aachens Nabu-Vorsitzender Claus Mayr. Die Roetgener Liberalen waren zuletzt in die Schusslinie des Nabu-Chefs geraten, der kritisierte, die FDP schüre mit falschen Behauptungen Ängste vor der Windkraft.

FDP-Fraktionsvorsitzender Franz-Josef Zwingmann hatte auf die Gefährlichkeit von Neodym hingewiesen, das hauptsächlich in China produziert werde und dessen Abfallprodukte massive Schädigungen von Gesundheit und Natur zur Folge hätten. Da Neodym bei der Herstellung von Windkraftanalgen Verwendung finde, würden die Gefahren nach Deutschland importiert. Dem hatte Claus Mayr vehement widersprochen.

Wie Prof. Dr.Thomas Pretz vom Institut für Aufbereitung und Recycling der RWTH Aachen gegenüber unserer Zeitung erklärte, werde Neodym, eine der so genannten „Seltenen Erden”, seit zirka 20 Jahren bei der Herstellung von Hochleistungsmagneten verwendet. Und weil Magnete die Elektrotechnik erobern, wachse der Bedarf an Neodym ständig.

Schädliche Auswirkungen von Neodym-Eisen-Bor-Magneten, die außerhalb der Wirkung solch starker Magnete liegen (Herzschrittmacher, Löschen von Kreditkarten usw.) sind dem Aachener Wissenschaftler nach eigenen Angaben nicht bekannt. Wohl aber sei der Prozess der Extraktion und Anreicherung mit „erheblichen Auswirkungen” verbunden, die „bei geringem Standard nicht ohne Wirkung auf die mit den Prozessen arbeitenden Menschen bleiben”.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht laut Claus Mayr vor, auf Höhenbegrenzungen der Anlagen zu verzichten, um das so genannte Repowering zu beschleunigen. „Damit haben die Kommunen endlich die Möglichkeit, zusätzliche Flächen für die dringend benötigten weiteren Windparks auszuweisen undf ältere Windräder durch neue leistungsfähigere Anlagen zu ersetzen”, so Mayr.

Der Gesetzentwurf sehe weiterhin vor, dass im Rahmen der Bebauungspläne auch die Beseitigung älterer, leistungsschwacher Anlagen angeordnet werde, auch wenn sie außerhalb des Bebauungsplanes lägen. „Da wir die Windkraftleistung in Stadt und Städteregion in den nächsten zehn Jahren verfünffachen und bis 2030 verzehnfachen müssen, um die Klimaschutziele der Bundesregierung zu erreichen, ist eine interkommunale Planung erforderlich, um diesen Ausbau für Mensch und Natur verträglich zu gestalten”, fordert der Nabu-Vorsitzende.

Für Dr. Klaus Hübner von der Bürgerinitiative gegen den Windpark im Münsterwald ist der Nabu „vom Naturschutzverband zum Windmaschinen-Befürworter umgeschwenkt”. Ein 2009 fertiggestelltes Gutachten besage, dass der Prälatensief-Distrikt, der etwa ein Drittel des Münsterwaldes ausmache, „unbedingt naturschutzwürdig ist”.

Dieses Gutachten, das dem Fachbereich Umwelt der Stadt Aachen vorliege, besage überdies, dass in besagtem Bereich unter anderem Waldschnepfe, Waldlaubsänger, Baumpieper, Fitis-Laubsänger, Kuckuck, Klein- und Schwarzspecht, Rauhfußkauz und sogar der absolut seltene Schwarzstorch leben. Nach dem Bau von zehn „Riesen-Wind-Maschinen” seien diese Vogelarten nicht mehr dort, daran gebe es keinen Zweifel, so Dr. Hübner.

Wenn der Nabu-Vorsitzende es als „ornithologische Sensation” bezeichne, wenn in diesem Bereich Kraniche auf ihrem Zug Rast machten, dann „handelt es sich beim Münsterwald zweifelsfrei um ein EU-Vogelschutzgebiet” , und damit „verbietet sich der von der Stadt Aachen geplante Windpark von selbst”.

Denn dort machten Hunderte von Kranichen Rast, von vielen Menschen beobachtet. Klaus Hübner: „Windräder gehören auf Wiesengelände, zum Beispiel neben Autobahnen oder Schienenwege, und dürfen weder Natur noch Anwohner stören, wie es das Erneuerbare-Energien-Gesetz zwingend vorschreibt.”
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