Investor schafft Fakten: Baumfällung mit Wachhund

Von: Andreas Gabbert
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Mit der Motorsäge Fakten geschaffen: Als die Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde eintrafen, war die Kastanie schon nicht mehr zu retten. Foto: A. Gabbert

Roetgen. Der unbekannte Investor, der für den Abriss des so genannten Schmidden-Hauses an der Bundesstraße in Roetgen verantwortlich ist, schafft weiter Fakten. Am Dienstagmorgen rückten Arbeiter mit Motorsägen und einer Arbeitsbühne auf dem Gelände an. Begleitet wurden sie von fünf Mitarbeitern eines Sicherheitsunternehmens und einem Wachhund.

Auf dem Gelände des Schmidden-Hauses befanden sich auch eine alte Kastanie und eine Eiche. Jetzt steht nur noch die Eiche. Die Kastanie wurde am Dienstag Stück für Stück gefällt.

Zunächst gab es Zweifel daran, ob es sich dabei um Naturdenkmäler handelt oder nicht. Nachdem klar war, dass dem nicht so ist, hatte Gudrun Meßing (Grüne) sich an Thomas Pilgrim, den Leiter des Umweltamtes der Städteregion, gewandt und aufgrund des Alters der Bäume sowie ihrer Größe, Höhe und des Umfangs die sofortige Sicherstellung als Naturdenkmal beantragt.

Krone schon halb weg

Als die Motorsäge schon knatterte und sich durch die Äste und Zweige der Kastanie fraß, wurden die Mitarbeiter der Unteren Landschaftsbehörde über das Vorgehen informiert. „Daraufhin haben wir die Polizei informiert und um Amtshilfe gebeten, die die Arbeiten dann bis zu unserem Eintreffen unterbunden hat“, sagte der Leiter der Unteren Landschaftsbehörde, Richard Bollig, vor Ort.

Die Kastanie konnten Bollig und sein Mitarbeiter Udo Thorwesten nicht mehr retten. „Dafür waren wir zu spät. Die Krone des Baumes war schon halb weg. Damit wurden Tatsachen geschaffen, die einen Erhalt aufgrund der Statik nicht mehr zulassen“, erklärte Thorwesten. Ansonsten hätten Bollig und Thorwesten wohl beide Bäume aufgrund ihres Alters, der Dichte der Kronen, ihres Umfangs von rund drei Metern und ihres „gewaltigen Alters“ sichergestellt.

Vor dem Eingriff habe es wahrscheinlich keine Probleme mit der Standfestigkeit gegeben, sichtbarer Pilzbefall sei auch nicht feststellbar gewesen. „Solche Bäume sind für den Naturschutz generell interessant. Die Frage ist, ob es Probleme mit der Stand- und damit der Verkehrssicherheit gibt“, sagte Bollig.

In der Regel gebe es eine so genannte Sicherstellungsfrist, eine Art Pufferzeit, die nötig sei, um zu prüfen, ob die Bäume schützenswert seien, erklärte Bollig. Zum Beispiel würden momentan nicht alle Pilze wachsen. Die genaue Prüfung sei notwendig, um zu sehen, ob die Bäume kränkeln oder noch Jahrzehnte weiterleben können. Da geschützte Bäume nur noch durch die Behörde gepflegt werden dürften, sei man bei der Auswahl sorgfältig. „Wir können nicht jeden Baum schützen“, sagte Bollig. Über eine Baumschutzsatzung habe die Gemeinde aber die Möglichkeit, selbst eine Regelung zu treffen.

Die noch unbeschädigte Eiche ist jetzt zunächst sichergestellt, außerdem hat die Untere Landschaftsbehörde angeordnet, die Eiche bei der Fällung der Kastanie zu schonen. Das ist auch ein Grund dafür, dass die Kastanie Stück für Stück gefällt wurde.

Die Behörde will die Eiche nun noch mal genauer untersuchen, auch hinsichtlich des Artenschutzes aufgrund von Höhlungen und Nestern unter dem Efeu, das sich um Stamm und Äste rankt.

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