Internetausbau: Entscheidung liegt in der Hand der Bürger

Von: Andreas Gabbert
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Erst kürzlich wurde in vielen Teilen der Gemeinde Simmerath schnelles Internet verlegt. Jetzt tritt mit der Deutschen Glasfaser GmbH ein weiterer Anbieter auf den Plan. Entscheidend für dessen Bau-Aktivitäten ist die Akzeptanz der Bürger. Foto: P. Stollenwerk
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Sie unterzeichneten den Kooperationsvertrag zwischen der Deutschen Glasfaser Netz Entwicklung GmbH (DG) und den Gemeinden Roetgen und Simmerath (vorne von links): Jorma Klauss (Bürgermeister Roetgen), Markus Munkenbeck (Justiziar der DG) und Karl-Heinz Hermanns (Bürgermeister Simmerath). Dabei waren (hinten v. l.): Dirk Meyer (Leiter Bauamt Roetgen), André Koll (Breitbandbeauftragter Simmerath), Bennet Gielen (Beigeordneter Simmerath), Dennis Schiefke (Projektmanager DG Roetgen), Anne Zaunbrecher (Marketing DG), Christian Scheffer (Projektmanager DG Simmerath) und Timothy Frings (Breitbandbeauftragter Roetgen). Foto: A. Gabbert

Roetgen/Simmerath. Die Kooperationsverträge zwischen der Deutschen Glasfaser Netz Entwicklung GmbH (DG) und den Gemeinden Roetgen und Simmerath sind unterschrieben. Jetzt liegt es an den Bürgern, ob das Unternehmen mit dem Ausbau beginnen wird. Vor dem Start des Projektes müssen nämlich genügend Anmeldungen erfolgen.

Pro Ausbaugebiet sind 40 Prozent der Haushalte nötig. Stichtag ist der 3. Juli 2017. Bis dahin will die DG die Bürger umfassend über ihre Pläne informieren.

Sollten diese 40 Prozent zusammenkommen, wird die DG ein komplett neues und von der Infrastruktur der Telekom unabhängiges Breitbandnetz ohne eine staatliche Förderung aufbauen. Vorgesehen ist eine glasfaserbasiertes Netz (Fibre To The Home / FTTH) mit Glaserfaseranschlüssen bis in das jeweilige Haus.

Im Gegensatz zum Netz der Telekom, bei dem die Glasfaserleitungen lediglich bis zu den Verteilerkästen reichen und das zurzeit in den Eifeldörfern eine Download-Geschwindigkeit von maximal 100 Mbit/s ermöglicht, sollen bei dem neuen Glasfasernetz in den kommenden Jahren zunächst Geschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit/s sowohl im Download als auch im Upload möglich sein.

Mehrere Ausbaugebiete

Im Gemeindegebiet Roetgen hat die DG drei Ausbaugebiete vorgesehen: Roetgen, Rott und Mulartshütte sowie das Roetgener Gewerbegebiet. Hier will die DG rund 6,4 Millionen Euro für den Ausbau ausgeben. In der Gemeinde Simmerath sind acht Ausbaugebiete vorgesehen: 1. Lammersdorf (mit Kämpchen und Waldsiedlung), Paustenbach, 2. Simmerath, Witzerath, Kesternich, 3. Rollesbroich, Strauch, 4. Rurberg, Woffelsbach, Steckenborn, 5. Einruhr, Erkensruhr, Dedenborn (mit Seifenauel), 6. Eicherscheid, Hammer, Huppenbroich, 7./8. Gewerbegebiete Simmerath und Rollesbroich.

Hier will die DG rund 14 Millionen Euro investieren. So könnten in Roetgen dann 97 Prozent der Haushalte erschlossen werden, in Simmerath 98 Prozent. Der Anschluss der verbleibenden drei beziehungsweise zwei Prozent ist für das Unternehmen nicht wirtschaftlich. Hier wäre gegebenenfalls eine Kostenbeteiligung der Anwohner nötig.

Bei allen anderen Haushalten wird der Anschluss bei Anmeldung kostenfrei bis ins Haus gelegt, bei Nichtanmeldung bis zur Grundstücksgrenze. Fällig wird eine einmalige Bereitstellungsgebühr in Höhe von 50 Euro. Wer sich dann später entscheidet, muss zusätzlich 750 Euro für den Hausanschluss bezahlen. Je nach Interesse der Bürger kann auch der Fall eintreten, dass einige Orte angeschlossen werden und andere nicht.

Der Vertrag mit der DG sei über Monate vorbereitet worden, sagte Roetgens Bürgermeister Jorma Klauss und zeigte sich erfreut, dass die Unterzeichnung jetzt erfolgte. Grundsätzlich müsse für den Ausbau durch die DG kein Vertrag geschlossen werden.

Die Kommunen hätten aber ein Interesse daran, die bauliche Abwicklung für einen möglichst flächendeckenden Ausbau zu regeln, während die DG ein Interesse an einer möglichst effizienten Umsetzung habe. „Es ist gut, eine Kooperationsvereinbarung zu treffen, damit man sich nachher bei der Umsetzung nicht in die Quere kommt“, sagte Klauss.

Beim Aufbau des Glasfasernetzes im Kreis Heinsberg hatte es Kritik an der DG und den von ihr beauftragten Unternehmen gegeben. Kritisiert wurde unter anderem, dass Gehwege oder Straßen nicht in der erwarteten Qualität wiederhergestellt worden seien. Auch die Bezahlung der Bauarbeiter war ein Thema.

Der Zoll hatte im Jahr 2013 aufgedeckt, dass auf einer Baustelle in Gangelt osteuropäische Bauarbeiter für einen Stundenlohn von 2,30 Euro beschäftigt wurden. Anfang 2014 hatten niederländische Bauarbeiter dann in Übach-Palenberg die Arbeit niedergelegt, weil sie angeblich monatelang nicht bezahlt worden waren.

Mit diesen Firmen arbeite die DG inzwischen nicht mehr zusammen, erklärte Christian Scheffer (Projektmanager der DG für den Bereich Simmerath) bei der Vertragsunterzeichnung auf Nachfrage. Inzwischen kooperiere man mit Firmen, „die bereits Millionen von Anschlüssen in den Niederlanden realisiert haben“.

Bürgermeister Jorma Klauss erklärte, diese Dinge seien auch Gegenstand der Gespräche gewesen und im Kooperationsvertrag mit den Kommunen klar geregelt. Einig sei man sich, dass die Baumaßnahmen von den Bauämtern begleitet werden müssen. Ein reibungsloser Ausbau sei aber auch im Interesse der DG, da man gerne noch weitere Kommunen in der Eifel erschließen wolle, sagte Klauss. Die Stadt Monschau etwa hatte erklärt, zunächst abwarten zu wollen, was die Bedarfsanalyse in den Nachbarkommunen ergibt.

„Die Realisierung der Projekte wäre ein Quantensprung“, sagte Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns bei der Vertragsunterzeichnung . Für eine Flächenkommune sei die Gemeinde Simmerath zwar ganz gut aufgestellt. Der große Unterschied sei aber, dass die Glasfaserleitung nun bis ins Haus gelegt werde. „Auch wenn momentan viele Haushalte gut versorgt sind, wird die Welt in einigen Jahren wieder ganz anders aussehen“, sagte Hermanns.

Inzwischen haben sich schon Bürger in den Rathäusern erkundigt und ihr Interesse bekundet.

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