Integratives Jugendcamp auf Merzbrück führt Jugend zusammen

Von: Anja Klingbeil
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Pilot Reinhold Sänger (2.v.r.) gibt letzte Anweisungen: Der 15-Jährige Sven war bereits im vergangenen Jahr beim Jugendcamp dabei. Simmeraths Beigeordneter Karl-Heinz Hermanns erkundigt sich, wie es ihm gefällt. Foto: Klingbeil

Städteregion. Sven kennt das bereits: Bevor sich der 15-Jährige in den Segelflieger setzen kann, bekommt er von Pilot Reinhold Sänger erst einmal den Fallschirm angelegt. Ohne wird ein Segelflug nicht gestartet.

Dann noch den letzten Gurt im Flieger festgezurrt und es kann losgehen. Wenn Sven im Segelflieger sitzt, dann spielt seine Behinderung keine Rolle mehr. Martin Herzog und Pilot Reinhold Sänger haben dem 15-Jährigen aus Simmerath gemeinsam in den Segelflieger geholfen.

Sven kennt das bereits. Schon im vergangenen Jahr war er beim Integrativen Jugendcamp auf dem Flugplatz Aachen-Merzbrück dabei. „Das war total schön und das wird auch dieses Mal wieder total toll”, sagt Sven. In diesem Jahr gibt es für die Jugendlichen mit Handicap sogar eine Besonderheit: Die Organisatoren haben einen Segelflieger gemietet, der speziell für Gehbehinderte umgebaut wurde. „Die Maschine hat eine Seitenruderhandsteuerung”, erklärt Reinhold Sänger.

Die Idee zum Integrativen Jugendcamp hatte vor einigen Jahren Uschi Brammertz. In diesem Jahr findet es bereits zum vierten Mal statt. Mit dabei sind insgesamt 75 Jugendliche aus der gesamten Städteregion.

Jugendliche mit einer Behinderung, die von den Caritas Lebenswelten ausgesucht wurden, und Jugendliche ohne Handicap, die sich die Teilnahme am Camp mit ehrenamtlicher Arbeit verdient haben. Sei es als Helfer in einer Kleinen Offenen Tür oder als Streitschlichter an einer Schule. „Diesen Jugendlichen wollen wir mit dem Erlebniscamp auch Dankeschön sagen für ihr Engagement”, sagt Brammertz.

Partnerstädte für das Jugendcamp sind dieses Mal die Gemeinde Simmerath und die Stadt Alsdorf. Außerdem ist das Angebot zum ersten Mal auch international, denn die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens beteiligt sich. „Integration hat viel mit dem Überwinden von Grenzen zu tun”, sagt deren Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz.

Und Grenzen werden beim Integrativen Jugendcamp in mehrerlei Hinsicht überwunden. Die Grenzen der Schwerkraft ebenso wie die Grenzen zwischen behinderten und nicht-behinderten Jugendlichen, zwischen deutschen Jugendlichen und Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Sie alle finden schnell einen Zugang zueinander.

„Natürlich gab es Vorurteile”, gibt Waldemar zu. Aber der 15-Jährige hat schnell erkannt: „Im Camp lernt man den Umgang mit Menschen mit Behinderung. Die können genau die Sachen machen, die wir auch machen. Die sind wirklich nett.”

Besonders gut gefallen haben dem Aachener die vielen Freizeitmöglichkeiten, die das mehrtägige Camp bietet. Nicht nur Fliegen steht auf dem Programm, auch wenn das mit Sicherheit der Höhepunkt ist. Die Rhönradgruppe der RWTH Aachen ist auch vor Ort, und wer will, kann sich an den Geräten probieren. „Das macht Spaß. Und es ist auch eigentlich ganz einfach”, sagt Waldemar. „Die Art und Weise, wie junge Menschen hier miteinander umgehen, ist schon einzigartig und auch ansteckend”, betont Alsdorfs Bürgermeister Helmut Klein.

Und Karl-Heinz Lambertz sagt: „Wir haben alle unsere Vorstellungen von dem, was eine Behinderung ist. Oftmals trauen wir den Menschen mit Handicap weniger zu. Was alles möglich ist, wenn man es versucht, das hat Uschi Brammertz mit der Idee des Jugendcamps bewiesen.”

Finanziert wird das Integrative Jugendcamp auf dem Flugplatz Merzbrück übrigens hauptsächlich über Spenden. das Spendenkonto: VR Bank Würselen, BLZ 39162980, Konto 118899121.
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