Integration? Hauptsache Sport und Spaß!

Von: Robert Flader
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Stolberg/Aachen. Wenn der Spaß einmal nicht mehr vorhanden sein sollte, dann weiß Ursula Espeter, dass sie etwas falsch gemacht hat. Denn genau das ist es, was die 47-Jährige antreibt. Und ohne Spaß gäbe es „Tabalingo” nicht, so einfach ist das.

Die Stolberger Initiative, die genau genommen eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft ist, bietet Sport ohne Leistungsdruck für Menschen mit und ohne Behinderung, für Jung und Alt.

120 Teilnehmer treffen sich mehrmals wöchentlich auf dem 6000 Quadratmeter großen „Tabalingo”-Gelände an der Hastenrather Straße zusammen, um Fußball zu spielen, zu tanzen, sich beim Kampfsport Tai Chi auszutoben oder mit Yoga das innere Gleichgewicht zu finden. Keine Meisterschaften, keine Duelle, kein Druck, stattdessen gilt: Dabei sein ist - wirklich - alles.

Das Gesicht hinter der Initiative ist Ursula Espeter, die sich manchmal selber über den Erfolg von „Tabalingo” wundert: „Es kommen immer wieder neue Leute dazu, meistens Kinder, aber auch Ältere, die auf einmal den Spaß an Bewegung, an Sport gefunden haben”, sagt die Leiterin und Trainerin. Auf ihrem Grundstück an der Stolberger Stadtgrenze bieten die Espeters, Ursulas Mann Klaus kümmert sich vornehmlich um Organisation, Sohn Joschua leitet eines der Fußballteams, ein breites Angebot.

Ursprünglich wollten die Espeters ein Programm für Menschen mit Förderbedarf schaffen, zumal Nike, die Tochter der Espeters, selbst mit dem Down-Syndrom lebt. „Sobald man sich mit anderen misst, steigt der Leistungsdruck”, sagt Ursula Espeter. „Deswegen spielen zum Beispiel unsere Fußballer ausschließlich gegeneinander und nur einmal im Quartal gegen richtige Vereine.” Ob es ihr um möglichst viel Integration geht? „Ich finde das schon gut, sehe Integration aber auch kritisch. Wir machen auch keine Therapie, sondern Freizeitgestaltung.”

Etwa 80 der 120 „Tabalingo”-Begeisterten, die zwischen drei und 70 Jahren sämtliche Altersklassen abdecken, sind förderbedürftig. Zum Vergleich: Vor knapp zwei Jahren nahmen auf der ehemaligen Nerzfarm, dem heutigen „Tabalingo”-Gelände, fünf Leute beim „Kreativen Tanzen” teil. „Unglaublich, was hier so schnell entstanden ist”, staunt Espeter, die aus dem kaufmännischen Bereich kommt, aber das Projekt seit der Gründung in Vollzeit betreut.

Die Arbeit der engagierten Familie, die für die Ausweitung ihres Traums von Eilendorf auf den Donnerberg gezogen ist, kommt an, nicht nur bei den Teilnehmern: An diesem Wochenende, bei der 13. Vital-Aktivmesse im Aachener Eurogress, wird „Tabalingo” mit dem 2. Aachener Gesundheitspreis für das originellste Sportprojekt der Region ausgezeichnet.

„Darauf sind wir sehr stolz”, sagt Espeter, die die Ehrung aus den Händen der ehemaligen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt entgegennehmen wird. Mit tänzerischen Kostproben präsentiert sich „Tabalingo” auf der Bühne, Menschen mit und ohne Behinderung wollen dann eine schöne Show bieten. „Hauptsache, wir haben auch dort ein bisschen Spaß”, sagt Ursula Espeter. Was auch sonst.
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