Inklusion im Nationalpark bereits Alltag

Von: P. St.
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Seit 2007 finden gebärdensprachlich begleitete Rangertouren im Nationalpark Eifel statt. Ranger Klaus Leyendecker und Gebärdensprach-Dolmetscherin Heide Hassert kooperieren eng mit dem Gehörlosenheim Euskirchen, um direktes Naturerleben für allen Menschen zu ermöglichen. In diesem Jahr sind sieben Führungen geplant. Foto: P. Stollenwerk
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Stolz auf die UN-Auszeichnung: Wilderich v. Weichs vom LVR Rheinland, Michael Lammertz, Nationalpark Eifel, Prof. Karl-Heinz Erdmann, Bundesamt für Naturschutz und Tobias Wiesen vom Landesbetrieb Wald und Holz (v. li.). Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel. Inklusion ist in der heutigen Zeit ein geradezu inflationär benutzter Begriff – im Nationalpark Eifel ist Inklusion bereits Alltag. Seit dem Jahr 2007, schon drei Jahre nach seiner Gründung, gibt es im Nationalpark Eifel Rangertouren mit gebärdensprachlicher Begleitung.

Sieben dieser Touren in Kooperation mit dem Gehörlosenheim Euskirchen sind für 2014 geplant. Seit 2007 wurden 57 solcher Touren mit zusammen 672 Teilnehmern angeboten.Für dieses Engagement wurde der Nationalpark Eifel am Mittwoch offiziell als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgezeichnet.

Die Auszeichnung überreichte Professor Karl-Heinz Erdmann vom Bundesamt für Naturschutz im Nationalparktor Rurberg. Diese Ehrung wird an Projekte verliehen, die sich in nachahmenswerter Weise für die Erhaltung der biologischen Vielfalt einsetzen.

Möglich wird dieses barrierefreie Naturerlebnis durch die Unterstützung des Gehörlosenheims Euskirchen, das die Gebärdensprachübersetzung bereitstellt. „Mit diesem vorbildlichen Projekt wird ein bedeutendes Zeichen für das Engagement für die biologische Vielfalt in Deutschland gesetzt“, so Professor Erdmann.

Der Nationalpark Eifel diene neben dem Schutz und Erforschung der Natur auch der Umweltbildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung, betonte er . „Dabei haben wir uns von Anfang an das Ziel gesetzt und dieses in unserem Leitbild fest verankert, den Nationalpark Eifel für alle erlebbar zu machen, das heißt für Menschen mit und ohne Behinderungen“, erinnert sich Michael Lammertz, Fachgebietsleiter für Kommunikation und Naturerleben in der Nationalparkverwaltung.

„Das war ein langer Weg“. meinte Lammertz, „aber es gehört zum Leitbild des Nationalparks, die Natur allen Menschen zugänglich zu machen.“ In der Person von Tobias Wiesen habe man diese Willenserklärung auch personell hinterlegt.

Dabei ist das Thema Barrierefreiheit für den Nationalpark längst noch nicht abgeschlossen. In Kürze soll der „wilde Weg“ im Naturerlebnisraum „Wilder Kermeter“ eröffnet werden.

„Dass Barrierefreiheit so gewissenhaft und umfassend umgesetzt wird wie im Nationalpark Eifel, das ist nicht selbstverständlich“, würdigte Wilderich von Weichs vom Landschaftsverband Rheinland das Engagement des Großschutzgebietes. Er lobte den „natürlichen Umgang“ mit Behinderten, wobei er auch die Alltagsschwierigkeiten sah: „Es ist bestimmt nicht ganz einfach, die Frage ‚Was macht eigentlich ein Eichenwickler?‘ in Gebärdensprache zu übersetzen.“

Aus dem Alltag der gebärdensprachlichen Führung kann auch Ranger Klaus Leyendecker berichten. „Gerade gehörlose Menschen sind viele aufmerksamer“, weiß er von zahlreichen Führungen. Da die Menschen nicht auf akustische Reize ansprechen, ist deren visuelle Wahrnehmung viel stärker.“ Und noch einen Unterscheid hat der Ranger ausgemacht: „Durch die Übersetzung in Gebärdensprache bin ich selbst von der Kommunikation ausgeschlossen.“

Neben einer Urkunde und einem Auszeichnungsschild erhalten das Gehörlosenheim Euskirchen sowie das Nationalparkforstamt Eifel jeweils einen „Vielfalt-Baum“, der symbolisch für die bunte Vielfalt und einzigartige Schönheit der Natur steht, zu deren Erhaltung das Projekt „Inklusion im Nationalpark Eifel: Ranger-Touren in gebärdensprachlicher Begleitung“ einen wertvollen Beitrag leistet.

Das am Mittwoch ausgezeichnete Projekt hatte am Wettbewerb der UN-Dekade Biologische Vielfalt teilgenommen, eine namhafte Jury hatte über die Qualität der eingereichten Projekte entschieden. Der fortlaufende Wettbewerb wird von der Geschäftsstelle der UN-Dekade Biologische Vielfalt mit Sitz in Osnabrück ausgerichtet.

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