Infotafeln über die „Windhund-Division“ sind umstritten

Von: Stephan Johnen
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Die Tafeln am Mahnmal der „Windhund-Division“ sollen im Rahmen eines Projektkurses überarbeitet werden. Foto: Sarah Maria Berners

Vossenack. „Kriegsgräberstätten sind kein Ort für Verehrung und Helden-Mythen.“ Mit diesen Worten hatten die Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan (SPD) und Oliver Krischer (Grüne) die Infotafeln über die „Windhund-Division“ in Vossenack kritisiert. „Die Taten der Division werden illustriert, aber es fehlt eine kritische Auseinandersetzung mit der Rolle der Wehrmacht“, monierten sie.

Eine Einschätzung, die offenbar auch die historische Kommission des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge (VDK) teilt, die sich vor Ort ein Bild gemacht hat. „Der schriftliche Bericht liegt noch nicht vor, aber die Darstellung auf den Schautafeln hat dem kritischen Blick der Kommission nicht standgehalten“, bilanziert Landrat Wolfgang Spelthahn, der Kreisvorsitzender des VDK ist.

Die Tafeln „tragen die Handschrift des Divisionsschreibers“. Es gebe eine „gewisse Glorifizierung“ der Divisionsgeschichte und das kritische Hinterfragen der Rolle der Kampfeinheit im Zweiten Weltkrieg werde von dem Expertengremium vermisst. Diese Form sei im öffentlichen Raum nicht tragbar.

Vor etwa einem Jahr wurde der VDK-Landesverband auf Initiative der im Kreistag vertretenen Fraktionen und der Bundestagsabgeordneten angeschrieben. Die Politiker baten darum, die „Dokumentation“ einer historischen Aufarbeitung zu unterziehen.

Auf private Initiative sind die Infotafeln am Mahnmal der ehemaligen 116. Panzer-Division aufgestellt worden, das sich direkt neben der Vossenacker Kriegsgräberstätte befindet. Die Soldaten dieser Einheit waren während des Zweiten Weltkriegs an den Kampfhandlungen im Winter 1944/45 im Hürtgenwald beteiligt. Das Gelände des vom Volksbund gepflegten Soldatenfriedhofs gehört dem Kreis, auf einer benachbarten Parzelle, ebenfalls im Besitz des Kreises, steht das Mahnmal.

„Wir werden nicht zur Säge greifen“, sagt Spelthahn. Mit dem Förderverein „Windhunde mahnen zum Frieden“, der sich um den Erhalt des Mahnmals kümmert und an den die Parzelle verpachtet ist, soll das konstruktive Gespräch gesucht werden. „Als die Tafeln aufgestellt worden sind, waren die Beteiligten im Glauben, ein Zeichen für den Frieden und die Versöhnung über die Gräber hinweg zu setzen“, betont Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch. Dennoch sei es wichtig, eine zeitgemäße Darstellung „fern jeder Glorifizierung“ zu finden. Der Kreis ergreift daher die Initiative: Unter wissenschaftlicher Begleitung sollen die Tafeln überarbeitet werden.

„Mit dem benachbarten Franziskus-Gymnasium suchen wir nach einer neuen Form des Gedenkens“, kündigt Wolfgang Spelthahn ein Projekt an. Der Fokus solle nicht auf die Division, sondern auf die Geschehnisse während des Kriegs im Hürtgenwald gerichtet werden. Spelthahn betont, dass die Geschichte der „Windhunde“ noch nicht vollständig wissenschaftlich aufgearbeitet sei. „Es liegen derzeit aber keine Hinweise vor, dass die Division an Kriegsverbrechen beteiligt war“, sagt er. Der Bestand des Mahnmals werde mit Blick auf den aktuellen Forschungsstand nicht infrage gestellt. Auch die „internen Veteranentreffen“ sind nicht Teil der Kritik. Zwischen diesen Treffen und einer öffentlichen Gedenkstätte müsse aber unterschieden werden.

„Das ist eine heikle Mission“, schätzt Clemens Amendt, Geschichts- und Politiklehrer am Franziskus-Gymnasium, die Aufgabe ein, mit einem Projektkurs innerhalb eines Jahres ein neues Konzept für die Schautafeln zu erarbeiten. Es müsse gelingen, den Spagat zwischen der „Gedenkkultur einer Division“ und einer kritischen Auseinandersetzung zu schaffen. Künftig solle es für „Militarismus, Verklärung, Verdrängung und Romantisierung“ keinen Platz geben. Eine Botschaft sei zentral: Krieg bedeute stets das Ende der Vernunft, das Ende der Würde, das Ende der Menschlichkeit. „Die Bilder, die dort derzeit zu sehen sind, sind nicht haltbar“, erklärt Amendt. Um zu verstehen, was im Zweiten Weltkrieg an dieser Stelle geschehen sei, nütze es beispielsweise nichts, Fotos von Soldaten mit Jagdtrophäen zu zeigen, die an der Ostfront entstanden sind.

„Es muss einen Bezug zu dem geben, was im Hürtgenwald geschehen ist – im Kontext des gesamten Zweiten Weltkriegs“, fordert Oliver Krischer. „Für mich persönlich bedeutet ein angemessenes Gedenken an den Kriegsgräbern die Verbeugung vor den Opfern von Faschismus und Krieg und die Verpflichtung zur Versöhnung – nicht die Rechtfertigung von Kriegstaten“, sagt Dietmar Nietan, der Mitglied im VDK-Landesvorstand ist. Sobald der Bericht der Kommission vorliegt, wird dieser auch der Schule als Arbeitsgrundlage zur Verfügung gestellt. Während des Projekts soll es einen Austausch geben. „Ende des Prozesses ist eine Abschlusstagung in der Schule“, umreißt Spelthahn das weitere Vorgehen.

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