In zehn Jahren 1000 Schüler und 30 Klassen weniger

Von: Heriner Schepp
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Die Schulpolitik im Blick hatten beim Bildungsbruch der Grünen auf dem Podium (v. li.) Bernd Händler, Werner Krickel, Sylvia Löhrmann, Moderatorin Angela Hebeler und Gisela Kampshoff-Enderle. Foto: Heiner Schepp

Konzen. „Wir brauchen einen Umbauprozess in der Bildungspolitik und müssen die Fundamente neu vermessen.” Sylvia Löhrmann, Spitzenkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen, warb beim „Bildungsbrunch” am Sonntagmittag im Konzener Saal energisch für „ein Umdenken in der Schulpolitik nach dem 9. Mai”, denn dann hofft sie mit ihrer Partei in Düsseldorf wieder in der Reierungsverantwortung zu stehen.

Abgesehen von kleineren Scharmützeln gegen die schwarz-gelbe NRW-Spitze blieb die grüne Wahlkampfveranstaltung im gemütlichen Saal bei Achim und Elke jedoch erstaunlich überparteilich und kamen auch Gäste anderer Parteien zu Wort. Und in vielen Punkten liegen die Standpunkte der kommunalpolitischen Lager nicht weit auseinander, sondern unterscheiden sich eher von den schulpolitischen Ansichten in den Ballungsgebieten.

Weg vom 45-Minuten-Takt

Die Haltung der Grünen machte Sylvia Löhrmann deutlich: Längeres gemeinsames Lernen, weg vom starren 45-Minuten-Takt, Unterricht in Lerngruppen statt Riesenklassen - so sieht für die Grünen die Schule der Zukunft aus, „doch das wird mindestens zehn Jahre dauern”, ist die ehemalige Gesamtschullehrerin und heutige NRW-Fraktionschefin der Grünen überzeugt. Die aktuelle Landesregierung habe es versäumt, „an die Stuktur unserer Bildungspolitik heranzugehen”, habe stattdessen „bruchstückhaft in Qualität investiert” und so den Karren letztlich noch tiefer verfahren. Kopfnoten, Turbo-Abi und die Auflösung der Grundschulbezirke seien das Ergebnis einer konzeptlosen Schulpolitik, sagte Löhrmann, ließ aber offen, ob die Grünen im Falle einer Regierungsbeteiligung diese Dinge rückgängig machen würden.

Den Schritt weg vom dreigliedrigen Schulsystem und hin zur Integration behinderter Schüler in den Unterricht an Regelschulen wollen die Grünen hingegen machen, sollten sie am 9. Mai in die Landesführung gewählt werden. „Dass das heutige System überholt ist, haben auch viele CDU-Politiker vor Ort längst erkannt - in Düsseldorf aber leider nur ein Teil der jetzigen Regierung, nämlich die FDP”, sieht Löhrmann die liberale Idee einer Gemeinschaftsschule zumindest in der richtigen Richtung.

Dass dies - gerade auch vor Ort - die Schließung von Hauptschulen bedeute, kritisierte die Grünen-Kandidatin als schwarz-gelbes Wahlkampfgetöse: „Wir möchten keine Schulen schließen. Wir möchten qualitativ gute Schulen vor Ort, in denen die Kinder möglichst lange gemeinsam lernen. Und wir möchten, dass an jeder Schule, egal wie sie nun genannt wird, das gymnasiale Pflänzchen mitwächst, damit nicht von vorne herein Kindern dieser Weg verbaut bleibt”, so Löhrmann.

Wie sich die Situation an den weiterführenden Schulen in der Nordeifel zurzeit konkret darstellt und vor allem entwickeln wird, dies beleuchteten die örtlichen Grünen-Vertreter. Bernd Händer, schulpolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat Monschau, stellte das künftiger Grundschulmodell vor, das im Zusammenwirken aller Kräfte - Schule, Eltern, Politik - entwickelt worden sei. „Ein solches Modell ist vorbildlich”, lobte Sylvia Löhrmann, dass bei dieser Entscheidung die „Verantwortung vor Ort belassen” worden sei.

Nach der Landtagswahl wird sich die Monschauer Politik aber in einem zweiten Schritt mit der Zukunft der weiterführenden Schulen befassen müssen. Denn, so Landtagskandidat Werner Krickel, „in zehn Jahren werden wir an Hauptschule, Realschulen und Gymnasium in Monschau 1000 Schüler und 30 Klassen weniger haben als heute”. Krickel wertet die demografische Entwicklung aber auch als Chance, wenn beispielsweise die frei werdenden Räume an allen Schulen für den Ausbau eines guten Schul- und Ganztagsangebots genutzt würden. Gisela Kampshoff-Enderle von den Simmerather Grünen riet, das „Problem Sekundarstufe” auf Nordeifeler Ebene, also im Verbund von Roetgen, Simmerath und Monschau und - wie bei den Grundschulen - unter Einbeziehung aller Beteiligten anzugehen. Wichtig sei, ergänzte Werner Krickel, das „heute sehr gute Angebot in der Nordeifel” in seiner ganzen Breite „im Dorf”, also vor Ort zu erhalten.

Grundvoraussetzung für alle Zukunftspläne wird aber eine vernünftige Finanzausstattung der Schulträger (=Kommunen) sein, wie in mehreren Wortbeiträgen der anschließenden Diskussion zum Ausdruck kam.

„NRW darf die Träger nicht alleine lassen”, forderte Gregor Jansen, gebürtiger Monschauer und Dezernent für Schulen bei der Städteregion Aachen, und auch Franz-Josef Hammelstein, SPD-Gast aus Lammersdorf, sprach von „fantastischen Visionen”, die „sehr schön, aber schwer finanzierbar” seien. Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter mahnte eine unterschiedliche Bewertung der Schulentwicklung in der Stadt und auf dem Land an. Dabei gehe es in Monschau „nicht um neue Angebote, sondern um eine sinnvolle Umwandlung des bestehenden Angebots”, die aber die Kommunen nicht alleine schultern könnten. Die CDU-Bürgermeisterin mochte sich einen Fingerzeig Richtung Land nicht verkneifen: „Die langen Wege für die Schulkinder (Anm. der Redaktion: gemeint sind die Schülerbeförderungskosten) hat das Land ja alleine dem Träger übertragen”

„Gute Saat weiterbringen”

Ins gleiche Rohr sprach Bernd Goffart (CDU), stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Simmerath. Man habe sich in Simmerath bewusst gegen Grundschulschließung und für den Ausbau von Hauptschule und Schwimmhalle entschieden. „Und nun hoffen wir, dass man uns mit der Bewältigung dieser wichtigen Zukunftsaufgaben nicht im Stich lässt”, forderte auch er eine passende Finanzausstattung.

Renate Krickel, ehemals Schulleiterin in Konzen und heute Leiterin einer „Problemschule in Stolberg”, bewertete die Eifeler Schullandschaft äußerst positiv: „An den Schulen hier in Monschau, Roetgen und Simmerath klappt verdammt viel richtig gut. Diese gute Saat sollten wir alle gemeinsam weiterbringen”, blickte sie optimistisch nach vorne.
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