In „verlorenen Waggons“ dem Wetter trotzen

Von: Heiner Schepp
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Was mit den vorhandenen Häuschen an den Bahnhöfen (hier Monschau) passiert, ist noch nicht überall entschieden. Foto: Heiner Schepp
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Jürgen, Karl-Heinz und Michael Breyer sind seit vier Wochen in ihrem Rollesbroicher Metallbaubetrieb dabei, die Unterstände für den Vennbahnradweg herzustellen. Nächste Woche wird der erste in Lammersdorf aufgestellt.

Rollesbroich/Nordeifel. Beim derzeitigen „Sommerwetter“ würden sie sicher schon fleißig genutzt, die kleinen Unterstände für Radfahrer, Skater oder Wanderer, die aber erst ab der kommenden Woche an ihren Nordeifeler Bestimmungsorten aufgestellt werden: „Verlorener Waggon“ hat Jürgen Breyer die 4,50 mal 2,50 Meter großen Stahlhäuschen genannt, die künftig den Nutzern der schönen Vennbahnstrecke etwa alle fünf bis zehn Kilometer zur Verfügung stehen – als Wetterschutz, Rastplatz oder einfach zum Verweilen.

Ob es der originelle, alte Eisenbahnerbegriff vom „verlorenen Waggon“ oder die Form und Konzeption der Unterstände war, die dem kleinen Familienunternehmen den nicht unlukrativen Auftrag einbrachte, wissen Karl-Heinz Breyer und seine Söhne Jürgen und Michael nicht. Tatsache aber ist, dass der Städteregion Aachen die Idee am besten von allen Bewerberfirmen gefiel und sie deshalb die Fertigung und Aufstellung der Radfahrerunterstände in die Eifel vergab.

Die Firma Breyer ist ein Metallbauunternehmen mit vier festen Mitarbeitern und zwei Aushilfskräften und ist vor zwei Jahren aus dem idyllischen Hammer in das Gewerbegebiet nach Rollesbroich gezogen. „Es wurde etwas zu eng bei uns im Garten“, berichtet Firmenchef Vater Breyer lachend.

In der großen Halle am Völlesbruchweg entstehen derzeit die insgesamt sieben Häuschen aus Stahl, die nicht nur bald einen praktischen Nutzen für Erholungsuchende haben werden, sondern auch eine Philosophie transportieren: „Unser Projekt weist neben der Rast- und Schutzfunktion einen sehr starken Bezug zum Themenprofil des Ravel-Radweges auf“, erzählt Jürgen Breyer. „Um das Thema der ehemaligen Vennbahnstrecke aufzunehmen, haben wir uns gedacht, dass hier und da doch ein Waggon verloren oder vergessen sein könnte.“ So sei die Idee entstanden, die Unterstände in Form eines Waggons herzustellen.

Auch beim Material stellt „Designer“ Jürgen Breyer einen regionalen Bezug her: „Da rund um das Hohe Venn bereits vor Jahrhunderten Eisenerze abgebaut und in Hochöfen verarbeitet wurden, hat das verwendete Material Stahl auch eine regionale Bedeutung“, weiß er.

Kein Lack, keine Chemie

Der Clou dabei ist, dass die schmucken Häuschen schon sehr bald anfangen werden, zu rosten, was aber ausdrücklich gewollt ist. Karl-Heinz Breyer: „Damit unser verlorener Waggon auch wirklich alt aussieht, haben wir als Material den Sonderstahl ‚COR-TEN‘ benutzt. Somit rostet der Waggon ordentlich und verliert trotzdem nichts von seiner Langlebigkeit.“

Neben dem optischen Reiz des auch von Architekten und Künstlern verwendeten Materials sei auch der umweltspezifische Aspekt von großer Bedeutung, berichten die drei Metaller. „Es werden keine Lacke oder chemischen Überzüge verwendet. Die Oberfläche bleibt so rein, wie sie von der Natur bzw. vom Stahlwerk geschaffen worden ist“, so Jürgen Breyer.

Und schlussendlich sind die künftigen Bahnhofshäuschen sogar vor Vandalismus sicher: „Aufgetragene Graffiti können leicht entfernt werden, und Glas oder andere leicht zerstörbare Materialien werden wir nicht verwenden“, so Jürgen Breyer, wobei seiner Meinung nach ein schönes Graffiti durchaus zur Optik des Waggons passen würde.

Im Inneren des einseitig offenen Unterstandes wird dreiseitig umlaufend ein Holzbrett zum Anlehnen angebracht, das aus dem gleichen Material (Lerche, Douglas oder Bankirai) hergestellt wird wie zwei Tische mit je zwei Bänken pro Waggon. „Mindestens zwölf Personen können daran bequem Platz finden und sitzend die Regenschauer abwarten, sich stärken oder ausruhen, ehe sie sich auf die nächste Etappe begeben“, so Karl-Heinz Breyer.

Gute Kunde hat die Rollesbroicher Firma im Zusammenhang mit den Unterständen für die drei Eifelkommunen, die laut Unterhaltungsvereinbarung für die Pflege und Betreuung der Fahrbahn, der Bankette und der Aufbauten links und rechts der Strecke zuständig sind. „Da der Stahl weitgehend vandalismussicher ist und die Holzelemente im Falle einer Beschädigung leicht und günstig zu ersetzen sind, wird sich der Unterhalt für die Stadt Monschau und die Gemeinden Roetgen und Simmerath auf das vierteljährliche Auskehren der Regenrinnen und das Säubern der Bänke und Tische begrenzen“, ist Michael Breyer überzeugt.

Die sieben Standorte

Allerdings werden die sieben Waggons recht ungleichmäßig auf die Südkreiskommunen verteilt, erhalten doch Simmerath und Roetgen nur je einen Unterstand, die Stadt Monschau dagegen deren fünf. Zu stehen kommen die Häuschen an der Wanderstation in Roetgen, am Bahnhof Lammersdorf, an den Bahnhöfen Konzen und Monschau, in Mützenich nahe der Grillhütte, im Leyloch nahe Reichenstein sowie in Kalterherberg am Bahnhof.

Vater und Söhne Breyer haben aber noch einen Tipp an die Verantwortlichen des Vennbahnradweges: „Zusätzlich zu unseren Waggons könnte der Rastplatz durch die Kommunen mit dem ein oder anderen Spielgerät zu einem kleinen Abenteuerspielplatz aufgewertet werden“, empfehlen sie.

Neuer Internetauftritt

Was die weitere touristische Aufwertung der Rastplätze entlang der Vennbahnroute angeht, laufen derzeit die Bemühungen bei der Eifel-Ardennen-Marketing zusammen.

Diese grenzübergreifende Tourismusorganisation hat seit einigen Tagen auch einen sehenswerten Internetauftritt zur Vennbahn freigeschaltet, dem der aktuelle Stand der Arbeiten an der Strecke, aber auch Einkehrmöglichkeiten, Geschichte, Interessantes abseits der Trasse und alle weiteren Infos rund um den Radweg zu entnehmen sind.

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