In Rurberg kommt der Nikolaus über den See

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Seit vielen Jahren mit einem beleuchteten Boot als „Kloos“ über den Eiserbachsee auf den Weihnachtsmarkt zufährt. Foto: Hoffmann
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Der „Kloos“ in Zivil: Hoch über dem Rursee kann Wolfgang Harth auf sein vorweihnachtliches Einsatzgebiet als Nikolaus schauen. Foto: Hoffmann

Rurberg. Aus bescheidenen Anfängen im Jahre 1997 hat sich der Weihnachtsmarkt in Rurberg, inzwischen mit Standort am Eiserbachdamm vor dem Nationalparktor, im überregionalen Veranstaltungskalender einen festen Platz erobert.

Aus wenigen Verkaufsständen der Gründungsphase entsteht dort nun Jahr für Jahr eine ansehnliche „Holzbudenstadt“, wo der weihnachtlich eingestimmte Besucher neben dem obligatorischen Glühwein auch handgefertigte Waren und selbstgebackene Leckereien erhalten kann.

„Morgenstimmung“ erklingt

Da zu Weihnachtsmärkten auch ein Nikolaus gehört, ist dieser auch am Rursee anzutreffen. Allerdings besitzt der „Kloos“ aus Rurberg im Vergleich zu seinen Kollegen an anderen Orten ein Alleinstellungsmerkmal, durch das er sich zu einem echten Publikumsmagneten entwickelt hat. Das Pfund, mit dem der Rurberger Markt wuchern kann und das alljährlich Scharen von Kindern mit leuchtenden Augen fasziniert über den Eiserbachsee blicken lässt, ist seine Anreise. Denn wenn sich die erste Dunkelheit breit gemacht hat, schwebt der heilige Mann quasi in einem mit Lichterketten geschmückten Kahn von der gegenüberliegenden Seite des Eiserbachsees auf das Ufer am Weihnachtsmarkt zu, wo sich dann schon Minuten vorher Massen von Besuchern versammelt haben. Dieses Szenario, das je nach Altersklasse und Einstellung von feierlich über ergreifend bis kitschig eingestuft wird, wird dann noch durch einen musikalischen Ohrwurm gesteigert, der synchron mit dem Aufflammen der Kahnbeleuchtung einsetzt und bei den Pänz die Augen noch größer werden und mehr leuchten lässt. Aus dem 1. Satz der Peer-Gynt-Suite von Edvard Grieg schallt das Allegretto Pastorale, besser bekannt als die „Morgenstimmung“, über den abendlichen Eiserbachsee.

Natürlich wissen die ganz Kleinen bei diesem sehenswerten Schauspiel nicht, dass es sich bei dem heran gleitenden St. Nikolaus um Wolfgang Harth aus Rurberg handelt, der seit vielen Jahren in diese Rolle schlüpft. Der 58-jährige, der hoch über Rurberg am Grasberg mit wundervollem Blick über den Rursee wohnt, hatte den Job seinerzeit von Karl-Heinz Carell übernommen. Im Nikolausgeschäft sammelte Harth nach eigenen Angaben allerdings schon vorher im Familienkreis Erfahrung. Da kann er sich auch noch daran erinnern, dass der Zauber irgendwann einmal aufflog, als er bei einem Auftritt an seinen Schuhen unter dem langen Gewand erkannt wurde. Die sind bei seinem Einsatz auf dem Eisenbachsee zunächst einmal nicht zu sehen, wobei die Bootsfahrt letztlich auch zu den Legenden des Nikolaus passt.

Schutzpatron der Seeleute

Schließlich ist er der Schutzpatron der in Seenot geratenen Schiffsleute, der im Notfall die Navigation übernimmt. Bei der Überfahrt über das Rurseegewässer liegt diese in den Händen von Florian Harth, dem Sohn des Rurberger Nikolaus‘. Er steuert das mit einem Elektromotor und einer Batterie für den Lichterkranz ausgerüstete Boot sicher über die Wellen und unterstützt seinen Vater bei der anschließenden Bescherung der Kinder als Knecht Ruprecht. Zum genannten Antrieb des Bootes sind sich manche Kinder aber auch absolut sicher, dass es von imaginären „Unterwasser-Rentieren“ durch den Eiserbachsee gezogen wird, was die Nikolausfahrt auf dem Gewässer natürlich noch geheimnis- erscheinen lässt...

Abfahrstelle verlegt

Mitunter ist die Überfahrt aufgrund der Wetterlage auch mit gewissen Risiken verbunden, weiß Wolfgang Harth zu berichten. Als vor einigen Jahren Eis und Schnee im Bootsinneren für glitschige Verhältnisse sorgten, sei er beim Aussteigen auf der Sitzbank ausgerutscht und beinahe im vollen Ornat baden gegangen, was bei den Kindern für einen allgemeinen Aufschrei sorgte.

Die Abfahrstelle des beleuchteten Nikolauskahns, welcher der Fischereipachtgemeinschaft gehört wird sich im übrigen in diesem Jahr ändern. Laut Harth musste der sogenannte Nikolaussteg am gegenüberliegenden Ufer des Eiserbachsees auf behördliche Anordnung entfernt werden. Daher wird man nun an der Seebühne am Antoniushof ins Boot steigen und von dort aus nach einem Schlenker zur anderen Seeseite auf den Weihnachtsmarkt zusteuern.

Wolfgang Harth freut sich schon darauf, wenn es am kommenden Samstag, 30. November, für den Nikolaus zwischen 17 und 17.30 Uhr wieder los geht. „Wenn ich beim Aussteigen die Kinder sehe, freue ich mich immer wieder“, verrät er lächelnd.

Zum Nikolaus-Einsatz von Wolfgang Harth und dessen Sohn Florian muss noch hinzugefügt werden, dass beim Weihnachtsmarkt ein weiteres Familienmitglied eingespannt ist: Ehefrau Ulla Harth liest den Kindern vor der Ankunft des Nikolaus Märchen vor, um die Wartezeit zu verkürzen.

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