In Ruanda neue Ziele für sich entdecken

Von: Andreas Gabbert
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Am 16. August verlässt sie Deutschland und startet nach Ruanda: Dort wird die 19-jährige Annika Schuldt ein Soziales Jahr absolvieren. Foto: A. Gabbert

Mützenich. Was genau ihre Aufgabe in Ruanda sein wird, weiß Annika Schuldt aus Mützenich noch nicht. „Das werde ich wohl erst vor Ort erfahren und sehen, wie ich mich am besten einbringen kann“, sagt die 19-jährige, die gerade am St.-Michael-Gymnasium ihr Abitur gemacht hat.

Fest steht, dass sie am 16. August in Frankfurt am Main ein Flugzeug besteigen wird, dass sie nach Kigali, der Hauptstadt Ruandas, bringen wird. Von dort geht es weiter in den Ort Musanze, wo sie das nächste Jahr verbringen wird.

Annika Schuldt hat sich dafür entschieden, nach dem Abitur ein Soziales Jahr einzuschieben – in Ruanda. „Jetzt nach dem Abi beginnt ein neuer Lebensabschnitt, die Freunde teilen sich auf, jeder strömt woanders hin und da ich schon immer mal länger ins Ausland wollte, bietet sich das jetzt an“, erklärt sie ihre Motivation.

Leicht war die Entscheidung dennoch nicht. Lange hat sie darüber nachgedacht, erst recht als Freunde aus Brasilien und Tansania zurück kehrten und von ihren Erfahrungen berichteten. Vor einem Jahr begann sie dann sich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen und suchte nach einer seriösen Organisation, die jungen Menschen ermöglicht, ein Soziales Jahr im Ausland zu verbringen. Schließlich wurde sie auf das Programm „Weltwärts“, den entwicklungspolitischen Freiwilligendienst des Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), aufmerksam.

Das BMZ liefert das Rahmen- und Regel­werk, die praktische Umsetzung erfolgt über die bestehenden Struk­turen der deutschen Hilfs­orga­ni­sa­tionen oder über Kommunen, die in der Ent­wick­lungs­zu­sam­men­ar­beit aktiv sind. Annika Schuldt wird für die Organisation „Artefact“ bzw. vor Ort für deren Partnerorganisation „Grain de Sénevé“ tätig sein. Diese ist im Bildungsbereich tätig. Zu den Schwerpunkten gehört die Betreuung eines Hauses für Waisen- und Straßenkinder, die Eingliederung von Jugendlichen in Familien und Berufe sowie die Betreuung von Aidswaisen.

Die Amtssprache erlernt

Die Vorbereitungen laufen inzwischen auf Hochtouren. Seit Monaten lernt Annika die Amtssprachen Ruanda. Englisch hatte sie in der Schule, Französisch aber nicht und Kinyarwanda erst recht nicht. „Nur die Jüngeren sprechen dort Englisch, mit Kinyarwanda soll man aber überall weiter kommen. Da ich mich verständigen will, werde ich dort noch einen Sprachkurs machen. Vor Ort lernt man die Sprachen eh am besten“, sagt die 19-Jährige.

Zu den Vorbereitungen gehören auch zwei Seminare, in denen die Teilnehmer viel über das jeweilige Land erfahren. Dazu gehören Informationen zur politischen Situation, Tipps zur Verhaltensweise und zum Dresscode. „Es wäre zum Beispiel besser, wenn ich dort als Frau lange Kleidung tragen würde“, erklärt Annika. Zudem musste jeder Teilnehmer ein Referat vorbereiten. Homosexualität in Ostafrika war das Thema, dass sich Annika ausgesucht hatte.

Ehemalige Freiwillige berichteten dort außerdem von ihren Erfahrungen und gaben ihren Nachfolgern wichtige Tipps mit auf den Weg – was man gesehen haben muss und was man mitnehmen soll. Was Annika auf jeden Fall mitnehmen möchte sind ein Erste-Hilfe-Set, ein Moskitonetz (wegen der Malaria-Gefahr), ihr Kinyarwanda-Wörterbuch, Fotos von Freunden und ihrer Familie und ganz viele Erinnerungen an die Heimat. Nicht fehlen darf auch ein Motorradhelm. „Die Taxis sind dort eher Motorroller und auf den schlechten Straßen passieren viele Unfälle. Einen Unfall zu haben ist wahrscheinlicher als schwer zu erkranken“, erklärt Annika.

Kontakt zu ihren Freunden und ihrer Familie will sie über das Internet via Skype halten. Von anderen Freiwilligen hat sie bereits gehört, dass die Internetverbindungen recht gut aber auch relativ teuer sein sollen. Außerdem möchte Annika ein Blog einrichten, in dem sie über Erlebnisse berichtet. Erst recht auch für die Personen, die ihr mit Spenden dieses Freiwillige Soziale Jahr ermöglichen. Denn 75 Prozent der Kosten trägt das BMZ, den Rest trägt die betreuende Organisation, aber auch die Freiwilligen sind dazu aufgerufen, am besten über Spenden 1800 Euro beizusteuern. Dazu hat Annika für Dienstag, 30. Juli, um 19 Uhr eine Infoveranstaltung im Weißen Pferdchen in Mützenich organisiert , wo sie über ihre Pläne berichten wird. Dazu gibt es Musik und Snacks.

Wenn über Ruanda gesprochen wird, denken viele sofort an den Völkermord. Darüber hat Annika inzwischen viel erfahren. Sie hat Dokumentationen gesehen und Bücher gelesen. „Man darf das Land nicht immer nur mit dem Genozid verbinden und das nicht verallgemeinern“, sagt sie.

Annikas Hoffnung ist, dort andere Kulturen und Lebensweisen abseits der westlichen Luxusgesellschaft kennenzulernen, mit weniger auszukommen, den Horizont zu erweitern und sich persönlich weiterzuentwickeln. „Vielleicht ändert das auch meine Sicht auf die Welt und ich entdecke neue Ziele für mich“, sagt sie.

Kein Schlaraffenland

Ein wenig Sorgen macht sich ihre Mutter Inge natürlich schon, aber sie steht hinter der Entscheidung ihrer Tochter. „Ich finde das gut, so etwas bildet schon, man sammelt Eindrücke, Erfahrungen und lebt nicht wie hier im Schlaraffenland. Vor allem der soziale Hintergrund findet meine Unterstützung“, sagt Inge Schuldt.

Am 15. August 2014 wird Annika wieder in Deutschland landen. Und dann? „Momentan würde ich sagen, dass ich dann gerne Lebensmittelchemie studiere, aber vielleicht verändert dieses Jahr auch noch etwas.“

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