In Monschau wird wieder Felsquell gebraut

Von: v.m.
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Michael Jovy, Bernhard Theiße
Michael Jovy, Bernhard Theißen, Margareta Ritter, Achim Pröpper und Georg Kaulen (v. li.) freuen sich auf eine gute Zusammenarbeit. Foto: V. Monterey

Monschau. Endlich ist es soweit, werden viele Bierfreunde und -kenner sagen. Das gute alte Felsquellbier und das Zwickelbier fließen wieder in der Altstadt Monschau, frisch gebraut mit Perlbachwasser.

Nach nunmehr 18 Jahren Abstinenz wurde die Neueröffnung des Felsenkellers mit Brauhaus und Museum gebührend von den Monschauern, darunter viele Gesichter aus Verwaltung und Rat sowie vielen Gästen aus Nah und Fern gefeiert.

„Wir füllen damit eine Nische, die von den Großen nicht gefüllt werden kann”, erklärte der neue Besitzer der Felsenkeller-Brauerei, Bernhard Theißen, während seiner Begrüßungsansprache.

Schon jetzt erfreue sich die Wiedereröffnung einer „großen Interessengemeinschaft”, darunter viele ansässige Gastronomen, die das Bier in Zukunft in ihrer Restauration anbieten wollen und damit die „Regionalität” unterstützen.

An Traditionen anknüpfen

Bürgermeisterin Margareta Ritter gratulierte zur Wiederöffnung der Brauerei und ermunterte, an diese „alten Traditionen” anzuknüpfen, zu der das Monschauer Bier ebenso gehöre wie der Monschauer Senf.

Der alten Rezeptur nachempfunden hat Braumeister Michael Jovy das historische Bier kopiert und hofft, den „Geschmack” getroffen zu haben. Dabei braut er nicht mehr in einem alten Sudhaus aus Kupfer („Das ist nur noch fürs Auge da”), sondern mit modernen computergesteuerten Gerätschaften aus Edelstahl.

Altstadt-Ortsvorsteher Georg Kaulen, St. Ursula-Schulleiter und Stadtführer Franz-Peter Müsch sowie Achim Pröpper, Gastronom und als Vorsitzender für die Arbeitsgemeinschaft Monschauer Unternehmen anwesend, lobten die neue alte Rezeptur und freuten sich „auf eine gute Zusammenarbeit”.

Neben Felsquellbier und Zwickelbier (hefetrüb dunkel) gab es zur Wiedereröffnung noch eine historische Beigabe: das würzige traditionelle Trebenbrot.

Nach der feierlichen Eröffnung ging es gemütlich, ganz in Brauhausstimmung, bei einem Glas Bier und Musik weiter, entweder draußen auf der Außenterrasse, im überdachten Innenhof oder informativ bei einer Führung durch Brauerei und Museum, dessen Historie bis ins Jahre 1847 und weiter zurückreicht, als die Brauerei noch „Grüneburg” hieß und von der Familie Braun bis zum Jahre 1994 bewirtschaftet wurde.

Im Jahre 1997 entstand hier das erste Brauereimuseum in der Eifel mit Innen- und Außengastronomie. Das 7000 quadratmetergroße Objekt wurde dann 2007 von Bernhard Theißen gekauft und nach und nach renoviert, modernisiert und umgestaltet.

Dazu gehören nicht nur Brauerei und Museum, sondern auch das Nebengebäude, sechs Appartements, die auch als Ferienwohnungen genutzt werden können, insgesamt fünf Gasträume, darunter das urige „Hopfenstübchen”, und das weite Außengelände mit zwei Fischteichen.

Für die Eröffnung der Hausbrauerei wurde die Küferei des Museums umgebaut, damit Platz für die Lagertanks entstehen konnte. Der Felsenkeller, herausgehauen aus schwarzem Schiefer und mit einer fast stetigen Temperatur von ca. acht Grad, dient wie einst als Lagerraum. Rund 150 000 Euro hat Jovy in die neue Anlage investiert.

Das Sudhaus besteht aus zwei Bottichen, die nicht wie einst aus Kupfer oder gar, wie ebenfalls in Museum zu sehen, der Läuterbottich aus dem Jahre 1925 aus Holz und innen mit Pech beschichtet, sondern aus Edelstahl gefertigt sind.

In den sogenannten Maischbottich kommen Wasser und Malzschrot. Dieses „Zuckerwasser” wird dann in den Läuterbottich gepumpt, gefiltert und anschließend gekocht. Zurückgepumpt in den ersten Bottich wird dem Gebräu Hopfen, „das Gewürz” hinzugefügt.

Abermals zurückgepumpt in den zweiten Bottich wird es wieder heruntergekühlt und Hefe als „Würze” beigemischt. Doch erst der Gärungsprozess macht aus dem bittersüßen Zuckerwasser Bier. In weiteren großen Behältern findet dieser Gärungsprozess statt. Drei bis fünf Tage dauert die Hauptgärung, bis rund 80 Prozent des Zuckers verbraucht sind, weitere drei Wochen sind es bis zum fertigen Bier.

Wurde das Bier einst in Holzfässer abgefüllt (die Herstellung der Holzfässer war ein eigenständiger Berufsstand), dann in Metallfässer und schließlich in Aluminiumfässer, handelt es sich heute um Fässer aus Edelstahl, die absolute Hygiene garantieren.

Ohne chemische Substanzen

Rund 140 bis 150 Euro kosten 100 Liter des frischgebrauten historischen Biers, welches im Gegensatz zu vielen herkömmlichen Biersorten ohne chemische Substanzen auskommt und weder mehrmals filtriert noch pasteurisiert ist.

„Ich kann 500 Liter pro Braugang herstellen und dieses drei mal, also 1500 Liter insgesamt”, berichtete der Brauer- und Melzermeister, der in Bonn studiert hat, seinen Meister in Ulm machte und schon in verschiedenen bekannten Produktionsstätten als Braumeister tätig war. Längst selbstständig, ist die Felsenkellerbrauerei nun seine vierte Brauerei. Ziel für das nächste Jahr sei es, „800 Hektoliter zu brauen”, meinte Jovy, und angesichts der Beliebtheit, der sich das historische Bier schon jetzt erfreue, sei das nicht unrealistisch.

„Kanneholen” hat Geschichte

„Toll, die alte Brauerei wieder aufzubauen”, schwärmten auch die Gäste Horst und Ursula Müller aus Aachen, die rein zufällig vorbeigekommen waren. „Die alte Brauerei hat doch Geschichte”, wussten sie. Geschichte hat auch das „Kanneholen”, denn auch das ist wieder möglich, eben einfach mal mit einer Kanne an der St. Vither Straße 20 vorbeizukommen und sich ein paar kühle Liter mit nach Hause zu nehmen.
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