In großer Sorge: Tausende Segler und ein Hotel

Von: Margret Vallot
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Auf der Sonnenterrasse ihres Vier-Sterne-Hotels: Waltraud Heuken. Nicht nur sie bangt um die Zukunft des Tourismus am Rursee. Foto: Margret Vallot

Schwammenauel. „Die Sorge um unser Hotel und die Schifffahrt bereitet uns schlaflose Nächte”, sagt Waltraud Heuken, Chefin im Hotel „Der Seehof” am Rursee. Seit es Pläne gibt, mit dem Wasser des Rursees ein neues Pumpspeicherkraftwerk zu betreiben, ist in dem Vier-Sterne-Hause in Schwammenauel nichts mehr so, wie es einmal war.

Die Heukens dachten daran, den „Seehof” zu erweitern. Ein so genanntes Bettenhaus mit 50 Zimmern wollten sie auf dem Parkplatz anbauen. „Doch wir haben das Projekt zu den Akten gelegt”, bedauert Waltraud Heuken.

Wie mehrfach berichtet, möchte das Aachener Stadtwerkenetzwerk Trianel auf dem Gebiet der Gemeinde Simmerath ein Pumpspeicherkraftwerk mit Investitionskosten von 700 Millionen Euro bauen. Wasser aus dem Rursee soll in ein noch zu schaffendes, hochgelegenes Oberbecken gepumpt werden.

Das Oberbecken soll zwischen Schmidt und Strauch am Michelshof ein Oberbecken angelegt werden. Von diesem sollen dann sieben Millionen Kubikmeter Wasser durch einen unterirdischen Stollen Richtung Rursee schießen und ein unterirdisches Kraftwerk antreiben.

Mit einer Geschwindigkeit von 340 Kubikmetern pro Sekunde kehrt das Wasser dann wieder in die Rursee zurück. Und zwar im Schilsbachtal bei Woffelsbach. Zwischen 70 Zentimetern und zwei Metern wird sich der Pegel je nach Wasserstand des See innerhalb von sechs Stunden bewegen. Und das zweimal am Tag.

Mit einer Bauzeit von zwei Jahren rechnet man in Heimbach, wo im Rat der Stadt alle Politiker dem Projekt skeptisch gegenüber stehen. Wird die Riesenbaustelle den Hotelbetrieb, ja den gesamten Tourismus am Rursee stören? Waltraud Heuken befürchtet das. Die Eheleute Heuken sind auch Eigentümer von zwei Schiffen auf dem Rursee, die ab Samstag, 31. März, wieder fahren. Werden die „Aachen” und die „Stella Maris” noch ablegen und anlegen können, wenn das Wasser im Rursee einmal unregelmäßig steigt und fällt? „Der Seehof” war eine Ruine, seit April 2009 erstrahlt er in neuem Glanz. „Wir haben tüchtig investiert”, erinnert sich die Chefin von 20 Angestellten. Auch die Schiffe wurden restauriert, und auch dort sind über 20 Personen beschäftigt.

Um zwei Meter soll der Wasserstand des Sees einmal schwanken. Die alten Anlegebrücken müssten erneuert werden, und es müssten auch gänzlich neue, nämlich von vorne zugängliche Schiffe gekauft werden. Während der Bauzeit müsste der Schiffsfahrbetrieb wömöglich zeitweise eingestellt werden. Die Heukens haben einen Rechtsanwalt mit der Vertretung ihrer Interessen beauftragt, denn sie fürchten auch, dass nach Fertigstellung des Pumpspeicherkraftwerks das hinabstürzende Wasser ständig Schlamm aufwirbeln wird, dass Fische und Frösche sterben, dass sich insgesamt der Rursee sehr verändern wird. Wird ein Spaziergang rund um den See eines Tages noch eine Attraktion sein? Waltraud Heuken bezweifelt das. Gleichzeitig weiß sie natürlich, dass die Energiewende beschlossen ist und realisiert werden muss, will man eines Tages gänzlich auf die Atomkraftwerke verzichten.

Ein Freund regenerativer Energien ist auch Günter Becker von „Wassersport Becker”. Auch er sieht (wie die 600 angemeldeten Angler) seine Felle davonschwimmen. Nur: Zum touristisch attraktiven Bild des Rursees gehören die vielen weißen Segelboote, die das Wasser kreuzen. 1700 führerscheinpflichtige Segelboote hat der Wasserverband zugelassen, bestätigt WVER-Sprecher Marcus Seiler. 3000 Bootseigner seien es insgesamt.

Becker meint, der komplette Wassersport auf dem Rursee mit seinen 131 Steganlagen für Segelboote sei gefährdet. Auf Wasserstandsschwankungen seien die Stege nicht ausgerichtet, einen Hub, der zudem unregelmäßig erfolgt. Hebt und senkt sich der Wasserstand, so müssten alle Stege umgebaut werden. Tausende Menschen seien zudem betroffen, die sich am Rursee in 38 Segelsportvereinen organisiert hätten, darunter solche wie der Yachtclub mit 700 Mitgliedern, der Aachener Bootsclub und der Club der RWTH-Segler mit ebenfalls hunderten Mitgliedern. Auf gut 5000 aktive Segler kommt Becker in seinen Überlegungen.

In einem 29-seitigen Brief an die Mitglieder des Simmerather Gemeinderates äußerte er detailliert seine zahlreichen Bedenken. Während der Bauzeit, die, so die Befürchtungen von Becker und Heuken, zwei bis drei Jahre dauern könnte, werde der See um rund 40 Meter abgesenkt.

Becker, der erstaunt ist, wie sehr er bei den Kommunalpolitikern aller Parteien im Rat von Heimbach auf Gehör trifft, hatte seine Hoffnungen zunächst auf eine Alternative gerichtet, die auch die SPD in Heimbach favorisierte: den „See im See”. Dabei sollte die Möglichkeit geprüft werden, ob das Schilsbachtal mit einer Mauer abgetrennt und das gesamteSpeicherkraftwerk dorthin verlagert werden könnte. Die Chancen stehen aber schlecht für diese Lösung.

Im Feriendorf „Eifeler Tor” (1500 Betten) ist Projektleiter Rick de Bruijn noch nicht offiziell über das neue Kraftwerk informiert worden, „wir wissen nichts”. Das Feriendorf wird noch dieses Jahr eröffnet und kann ab 2013 genau 200.000 Übernachtungsgäste pro Jahr beherbergen.
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