In Deutschland ist das Projekt an der Pilgerbornstraß einmalig

Von: Katharina Isabel Franke
Letzte Aktualisierung:
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Vor dem neuen Haus für Menschen in Not an der Pilgerstraße: Mitglieder des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not e.V.“, Städteregionsrat Helmut Etschenberg, Imam Adnan Nakdali und viele andere waren zur Eröffnung gekommen.

Roetgen. Das „Rupert-Neudeck-Haus“ an der Pilgerbornstraße 1e in Roetgen wurde am Samstag feierlich eröffnet. Für diesen besonderen Anlass hatte der Verein „Roetgen hilft Menschen in Not e.V“ ein Dorffest organisiert, das zahlreiche Gäste anlockte.

Das „Haus für Menschen in Not“ entstand in einer Rekordzeit von elf Monaten und ist ab dem 1. Oktober bezugsbereit für alle, die in Not geraten sind und Sicherheit und Zuflucht suchen.

Unter dem Motto „Wir Roetgener, wir machen das einfach!“ hatte sich der Verein vor einigen Monaten erst gegründet und beschlossen, ein solches Haus durch Spenden zu finanzieren und möglichst schnell zu errichten.

Auf rund 315 Quadratmetern Wohnfläche sind fünf Sozialwohnungen entstanden, die zwischen 55 und 62 Quadratmeter groß sind. Rund 20 Flüchtlinge sollen in den nächsten Wochen ihr Zuhause im „Rupert-Neudeck-Haus“ finden. Jedem Geflüchteten stehen 15 Quadratmeter zur Verfügung, was mehr als das Doppelte des Mindeststandards bedeutet.

Neben den Wohnungen ist auch ein Betreuungs- und Kommunikationsraum entstanden, der für die Integrationsarbeit genutzt werden soll. Direkt neben dem Haus wird ein Spielplatz entstehen, der nicht nur den Bewohner des Hauses zur Verfügung stehen soll, sondern allen Kindern in den umliegenden Häusern: „Auch als Beitrag aktiver Integration“, so der stellvertretende Vorsitzende Johannes Pössinger.

Selbst wenn das Haus in nächster Zeit vor allem von Flüchtlingen bezogen werden wird, soll es langfristig für alle Menschen, die in Not sind, offenstehen. Um diesen Gedanken zu unterstützen, wählte der Verein bewusst den Namen „Rupert-Neudeck-Haus“ aus, da dieser 1979 mit dem Frachter „Cap Anamur“ auslief, um Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet Vietnam im chinesischen Meer vor dem Ertrinken zu retten. An Neudeck, der 2016 verstarb, soll mit diesem Haus gedacht werden, da dieser „ein Vorreiter und Mahner des überparteilichen und interreligiösen Dialogs“ gewesen sei, erklärt der Roetgener Verein.

355 Bürger aus 256 Familien und Unternehmen haben bisher 80.392 Euro gespendet, 186.500 Euro wurden als Darlehen und 30.000 Euro als Bürgschaft zur Verfügung gestellt.

Bernhard Müller, Vorsitzender des Vereins „Roetgen hilft Menschen in Not e.V“, zeigte sich bei seiner Eröffnungsrede dankbar für diese „unglaubliche Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Mitmenschlichkeit“. Bewusst wählte man Firmen und Handwerksbetriebe aus der Region aus, um das Rupert-Neudeck-Haus zu erbauen.

Diese waren laut Rainer Wenzel, der für die Finanzen des Vereins zuständig ist, „mehr als engagiert und haben super sauber gearbeitet“. Wenzel lobte vor allem die rasche Zusammenarbeit im Rat: „Es ging nie um Parteibücher, es ging um die Sache. Es hat Spaß gemacht, dass alle zusammengearbeitet haben.“

Auch Bürgermeister Jorma Klauss war zur Schlüsselübergabe gekommen und lobte das Engagement: „Ich bin stolz auf Roetgen. Wir wollen nicht nur unterbringen, sondern auch integrieren, und dass die Geflüchteten unsere Gemeinschaft ergänzen. Wir wollen alle in Frieden und Freiheit leben.“

Nach dem Erhalt einer Dankesurkunde, ergriff Müller das Wort und wies auf die Wichtigkeit von Menschen hin, die Flüchtlingen die Hand reichen und Hilfe anbieten: „Wenn ich nach Indien flüchten muss und da sagt mir einer: ‚Müller, integriere dich mal!‘, dann schaffe ich das auch nicht.“ Vielmehr müsse man weltoffen sein, Leute finden, die Lösungen anbieten und Geduld walten lassen.

Auch Städteregionsrat Helmut Etschenberg war gerne nach Roetgen gekommen, um das Projekt – dieses gilt in Deutschland bisher als einmalig – zu würdigen: „Die kleinste Gemeinde in der Region ist heute die Allergrößte.“ Die Arbeit der letzten Monate sei nicht selbstverständlich gewesen und sie sie sei „mit nichts zu vergleichen“, betonte Etschenberg.

Um 17.30 Uhr fand dann die ökumenische Einsegnung des Hauses statt, zu der Imam Adnan Nakdali vom Islamischen Zentrum Aachen gekommen war: „Herr Müller hat mich eingeladen. Ich bin gerne gekommen und möchte meinen Beitrag leisten. Viele Flüchtlinge sind Muslime, da bin ich gefragt“, sagte er.

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