„In der Eifel gibt es kein Nitrat-Problem“

Von: P. St.
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Grüne Wiesen, glückliche Kühe: Die Nitratbelastung im Wasser ist für die Landwirte in der Nordeifel kein Thema: Stefan Schümmer, Rolf Marx und Reiner Hoffmann (v. li.) halten fest, dass überall dort, wo die Viehhaltung dominiert, das Problem nicht auftaucht. Foto: P. Stollenwerk
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Die Entwicklung des Nitratgehaltes in den Zuläufen der Kalltalsperre. Jahresmittelwerte sind in Milligramm Nitrat pro Liter Wasser gemessen. Quelle: enwor

Nordeifel. Das NRW-Umweltministerium hatte Mitte des Monats für mächtig Unruhe in der Bevölkerung gesorgt, als es zum Teil besorgniserregende Werte über den aktuellen Nitratgehalt im Grundwasser veröffentlichte.

In vielen Regionen der Kreise Düren und Heinsberg sowie der Städteregion Aachen lagen die aus dem Jahr 2014 stammenden Messwerte deutlich über dem nach der Trinkwasserverordnung zugelassenen Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter.

Nach kritischen Nachfragen aus Kreisen der Landwirtschaft relativierte das Ministerium zwar daraufhin die Messwerte und sprach von „punktuell gemessenen Spitzenwerten“ in den jeweiligen Kreisen, die nicht mit dem Jahresdurchschnitt der Nitratbelastung gleichgesetzt werden dürften, aber der dunkle Schatten, der auf die Landwirte gefallen war, war damit noch nicht aus der Welt.

Das spürten in den Tagen danach auch eine Reihe Landwirte aus der Nordeifel, weil sich eben die Ausbringung von Gülle auf landwirtschaftlich genutzte Flächen auf die Höhe des Nitratwertes auswirken kann.

Auch Wasserversorger überrascht

„Wir wurden zum Teil angefeindet“, berichtet Stefan Schümmer, der einen landwirtschaftlichen Betrieb in Raffelsbrand führt. Gemeinsam mit seinen Kollegen Rolf Marx aus Rollesbroich und Reiner Hoffmann aus Kleinhau, die gleichzeitig auch die Vorsitzenden der Kooperationen Landwirtschaft/Wasserwirtschaft für den Bereich der Kalltalsperre bzw. der Wehebachtalsperre sind, ließ man sich von der Wassergewinnungs- und aufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG), die unter dem Dach der enwor in Roetgen sitzt, bestätigen, dass die Entwicklung des Nitratgehaltes in den Talsperren des Verbundgebietes (Dreilägerbachtalsperre, Kalltalsperre, Wehebachtalsperre und Obersee der Rurtalsperre) seit Jahren konstant positiv ist, und die Werte im Rohwasser sich in einem Bereich von unter fünf Milligramm/Liter eingepegelt hätten.

Ein weiteres Problem sehen die Landwirte darin, dass sich die Messungen aufs Grundwasser beziehen würden, doch in der Nordeifel werde kein Grundwasser sondern nur Oberflächenwasser zur Trinkwassergewinnung herangezogen. In Regionen, wo der Acker- und Gemüseanbau dominiere, sei das Nitratproblem nicht von der Hand zu weisen, „doch überall dort, wo Viehhaltung stattfindet, tritt das Problem eben nicht auf“, rückt Schümmer ein paar undifferenzierte Betrachtungsweisen in der Öffentlichkeit gerade.

Dass die Nitratbelastung im Rohwasser der Nordeifeler Talsperren in der Tat keine wesentliche Rolle spielt, kann auch Walter Dautzenberg, Prokurist der enwor-Wassergewinnung und -aufbereitung bestätigen, der sich auch von der Veröffentlichung des Umweltministeriums überrascht zeigte: „Wir liegen deutlich unter den Grenzwerten sowohl beim Oberflächenwasser wie auch beim Grundwasser.“ Von der Landwirtschaft gehe keine zusätzliche Nitratbelastung aus, allein schon weil die Talsperren durchweg von Wald umgeben seien. Schon diese Tatsache allein minimiere das Risiko.

Dass das Rohwasser sauberer geworden ist, schreibt Rolf Marx auch der seit über 20 Jahre andauernden Kooperation von Land- und Wasserwirtschaft zu. Diese Vereinbarungen zur Verbesserung der Trinkwasserqualität wurden vor über 20 Jahren geschlossen, als erhöhte Keimbelastungen für Alarm sorgten. Damals, so Marx, hätten die Nitratwerte um mehr als ein Drittel höher gegenüber heute gelegen. Durch entsprechende Maßnahmen, wie beispielsweise das Abzäunen von Wasserläufen auf Weideflächen, eine besser organisierte Ausbringung der Gülle und eine dauerhafte Kommunikation mit den Wasserversorgern sei dieses Ziel gemeinsam erreicht worden. Rolf Marx: „Die Eifeler Wiesen sind definitiv nicht überdüngt.“

Dennoch ist jedem Landwirt bewusst, dass der Anblick eines kapitalen Güllefasses mit den heute üblichen Ausmaßen bei vielen Bürgern zu falschen Rückschlüssen führt und zu der Kurzschluss-Annahme, dass massenweise Gülle unkontrolliert auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen landet. „Die Gülle ist nach der Milch unser wichtigstes Produkt“, sagt Reiner Hoffmann. „Mit dieser Form der Düngung halten wir den natürlichen Kreislauf in Bewegung.“

Viehbestand hat abgenommen

Abgesehen davon, dass in der Nachkriegszeit der Viehbestand in der Nordeifel doppelt so hoch gegenüber heute gewesen sei und somit auch die Güllemenge erheblich größer, werde die Gülle heute dank fortgeschrittener Technik wesentlich dosierter und über die Vegetationsphase verteilt aufgebracht, während in früherer Zeit in der Tat häufig nur eine Entsorgung der Gülle, vornehmlich in den Wintermonaten, stattgefunden habe. Diese Zeiten sind aber vorbei. „Die Technik lässt es heute sogar zu, dass die Mengenausbringung GPS-gesteuert stattfinden kann“, sagt Reiner Hoffmann.

So gut wie keine „Fremdgülle“

Auch einen weiteren Pauschal-Vorwurf, dass regelmäßig Schweinegülle aus den Niederlanden in die Eifel landen soll, werden die Landwirte nicht müde, zu korrigieren. „Fremdgülle“ komme in der Eifel so gut wie nicht vor, die im übrigen für die Grünland-Düngung ungeeignet sei. Wohl aber in den Ackerbaugebieten des Nordkreises Düren, des Nordkreises Aachen und im Kreis Heinsberg werde diese verwendet. Aber auch hier sei festzuhalten, dass „jeder Transport dokumentiert werden muss.“

Man möchte aber nicht mit dem Finger auf andere zeigen, sondern als wesentliche Erkenntnis festhalten, „dass die Tierhaltung nicht der Auslöser der Nitratbelastung ist und nicht jedes Güllefass, das durchs Dorf rollt, die Problematik verschärft.“

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