In der Aachener JVA ist ein bisschen Ruhe eingekehrt

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
JVA Aachen
Ein Häftling der Justizvollzugsanstalt Aachen steht in seiner Zelle. Foto: dpa

Aachen. Nach dem turbulenten Jahr 2009 mit dem spektakulären Ausbruch zweier Gefangener aus der Soerser Haftanstalt ist nach Ansicht der JVA-Leiterin Reina Blikslager inzwischen in 2010 wieder Ruhe eingekehrt.

Das sagte Blikslager am Montag anlässlich der konstituierenden Sitzung des Anstaltsbeirates.

Das Gremium hat jetzt nach der Landtagswahl eine neue Zusammensetzung bekommen. Die turbulenten Ereignisse und der noch immer andauernde Prozess gegen die Ausbrecher Michalski und Heckhoff hat für viel öffentlichen und politischen Druck auf die Anstalt mit rund dreihundert uniformierten Beschäftigten bei 767 Haftplätzen gesorgt.

Im Konferenzsaal der Anstalt verabschiedete man aus dem alten Gremium die Mitglieder Rolf Einmahl, Gerda Forsch-Fücker, Dieter Tesche, Heike Wolf und den langjährigen Vorsitzenden Franz-Ferdi Müller. „Sie sind ein Urgestein, beinahe länger hier ehrenamtlich tätig, als der Beirat selbst Bestand hat”, lobte Blikslager den aufopfernden Einsatz von Müller.

Aus dem alten Beirat sind weiterhin Bernhardine Lüke und Christian Jungbecker vertreten. Neu dazu kommen Martin Künzer, Rolf Schäfer, Hilde Scheidt, Karl Schultheis und Bernd Wallraven.

Reina Blikslager hob hervor, dass sie die interne Beratung des Gremiums bei der Führung der Anstalt schätze. Sie baue allerdings auch darauf, dass die Mitglieder sich in der Öffentlichkeit für die Gefangenen und die Anstalt einsetzen werden, um Gutes für einen menschenwürdigen Vollzug zu erreichen. In Anbetracht der aktuellen Diskussion um die sogenannten Altfälle in der Sicherungsverwahrung, die eventuell nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) auf freien Fuß gesetzt werden müssen, plädierte die Anstaltsleiterin für eine weit ruhigere Diskussion, als es momentan der Fall ist.

„Die öffentliche Diskussion ist völlig aus dem Ruder gelaufen”, bemängelte Blikslager und sagte: „Da sitzen schließlich Menschen ein und werden vom Boulevard wie die Tiere gehetzt.” Mit einem Wiedereingliederungsprogramm des Landes, genannt „KURS”, reagiere die Haftanstalt bereits jetzt auf eine mögliche Freilassung von zwölf Einsitzenden, die nach der Bewertung der Anstalt möglicherweise unter eine Freilassungsverfügung durch die Bundesgerichte fallen könnten.

Sie würde es indes nicht wundern, wenn erst eine solche Vorabkriminalisierung die Betreffenden zu „neuen Handlungen” bringen könnten. In der Tat müsse besonnen auf jeden Einzelfall eingegangen werden, wenn es zu Entlassungen aufgrund des EGMR-Urteils kommen sollte.

Dafür stünden eine abgestufte Zahl von Maßnahmen nach dem KURS-Programm zur Verfügung. Das reiche von der simplen Unterbringung eines betagten Täters in einem Altenheim bis zu strengen Maßnahmen, wie man sie in dem leidigen Fall Karl D. aus Heinsberg kennt.

Für die Abteilungsleiterin der Sicherungsverwahrung, Monika Isselhorst-Zimmermann, ist allerdings klar, dass es sich weiterhin „um gefährliche Straftäter” handelt. Andernfalls, so die Argumentation der Abteilungsleiterin, seien die Straftäter wohl nicht weiter in Haft geblieben.
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