In den Ferien „Lernen Lernen“ und die Natur entdecken

Von: ys
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Ein Dutzend Jugendliche verbrachte die zweite Osterferienwoche in der Jugendherberge Hargard – zum Lernen und Abschalten. Foto: Y. Schneider

Rurberg. „In der Schule ist es nicht mehr so gut gelaufen, darum bin ich hier“, sagt der 14jährige Schüler Max aus Köln. Er besuchte wie viele andere Kinder aus NRW die „Lern Ferien“ in der Jugendherberge Rurberg.

Über 300 Schülerinnen und Schüler aus Gesamtschulen, Hauptschulen, Gymnasien und Realschulen nutzten dieses Jahr das kostenlose und freiwillige Angebot teil, um ihre Leistungen in der Schule zu verbessern. Für fünf Tage wurden während der Osterferien in insgesamt 17 Camps in NRW jeweils 20 bis 25 Jugendliche durch geschultes Personal betreut. Der Aufenthalt gestaltete sich aus Lernen und Freizeit.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann erläutert, was es mit dem Angebot des Landes auf sich hat. „In den Lern Ferien NRW nutzen Schülerinnen und Schüler die freie Zeit für eine ganz persönliche Lernerfahrung. Sie konzentrieren sich in einer ungewohnten Lernumgebung fernab des Schulalltags auf ihre eigenen Stärken und Potentiale. Dabei bietet die besondere Kombination aus Lernen und Ferien den jungen Menschen einen Perspektivwechsel, der Räume für positive Lerneffekte und für neue Lernmotivation schaffen kann. Und bei alldem kommt der Ferienspaß nicht zu kurz.“

Die „Lern Ferien NRW“ werden aktuell mit zwei Schwerpunkten angeboten. Der Bereich „Begabungen fördern“ richtet sich an leistungsstarke Jugendliche aus der Oberstufe von Gesamtschulen und Gymnasien. Das Angebot bietet den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich mit aktuellen gesellschaftlichen Fragestellungen auseinanderzusetzen und so Persönlichkeit, Motivation und Verantwortungsbewusstsein zu stärken.

Der Bereich „Lernen lernen“ wendet sich an versetzungsgefährdete Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe acht und findet seit 2011 in den beiden Osterferienwochen auch in der Rurberger Jugendherberge statt. Während des fünftägigen Aufenthalts arbeiten die Jugendlichen in Gruppen von vier bis fünf Schülerinnen und Schülern an ihren Grundfertigkeiten in Deutsch, Mathematik und Englisch.

„Früher stand nur die erfolgreiche Versetzung leistungsschwacher Jugendlicher im Vordergrund; heute auch die Vermittlung von Lerntechniken um das Lernen zu lernen“, sagt Hajo Spieker, Deutschlehrer an der Fortbildungsakademie Düren und Ansprechpartner für die „Lern Ferien“ in der Jugendherberge Rurberg. Da sich alle Schüler in ihren „Lerntypen“ unterscheiden, sei es wichtig den Jugendlichen zu zeigen, wo ihr Stärken liegen und wie jeder seinen eigenen individuellen „Lerntyp“ ermitteln könne.

„Lerntypen“ unterscheiden sich beispielsweise dadurch, dass einige Jugendliche Lerninhalte besser durch Hören oder Sehen aufnehmen können. Hierzu wird am Anfang jeder Veranstaltung ein „Lerntypentest“ durchgeführt.

Gelernt wird jedoch nur die erste Hälfte des Tages. Nach dem Mittagessen geht es nach draußen, die Natur erleben. Auch dies hat einen pädagogischen Hintergrund. Bei der „Outdoor-Action“ werden die Jugendlichen von zwei Rangern durch die Wildnis geleitet, bauen Hütten und absolvieren ein gemeinschaftsbildendes Teamtraining. Dieses soll die Jugendlichen dazu bewegen, an ihre Grenzen zu gehen und sich in einer Gruppe einzufügen.

Beim „Berufeparkour“ werden den Jugendlichen spielerisch einige Berufe näher gebracht. Besteht Interesse an einem Beruf, haben die Schülerinnen und Schüler die Chance, sich bei Berufsberatern der Bundesagentur für Arbeit vor Ort zu informieren. Hier erfahren sie nicht nur etwas über das Berufsbild, sondern auch darüber, welche Schulfächer für den jeweiligen Beruf benötigt werden. Dadurch erfolge wieder die „Verzahnung“ zum Thema Schule.

Auch eine Exkursion durch die Eifel steht auf dem Programm. Der Zielort, zum Beispiel die Burg Vogelsang oder der Rursee, wird wetterabhängig gewählt. Gruselige Nachtwanderungen durch den Wald und fröhliches Beisammensein am Lagerfeuer mit Stockbrot komplettieren das Programm.

„Der Standort Rurberg ist nicht zufällig gewählt“, sagt Spieker. Die Jugendherberge in Rurberg sei ein guter Standpunkt, da sie nur von Natur umgeben sei und es nichts gäbe, was ablenkt. Die Tiere und Pflanzen im Wald entdecken oder zum See wandern sind Erfahrungen, welche viele Kinder, die in der Stadt wohnen, zuhause nicht erleben.

Hajo Spieker betont, dass die „Lern Ferien“ bei den Jugendlichen immer gut ankommen und es kaum jemanden gäbe, der nach den fünf Tagen in Rurberg nicht begeistert sei. Einige kämen sogar ein zweites Mal wieder. Auch eine anonyme Befragung der Lehrer von Teilnehmern der „Lern Ferien“ zeigt, dass 85 Prozent der Schüler ihre Leistungen in der Schule verbesserten und versetzungsgefährdete Kinder meist den Sprung in die neunte Klasse schafften.

Umgesetzt werden die „Lern Ferien“ im Auftrag des Ministeriums für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen von der Stiftung „Partner für Schule NRW“. Finanziert wird die Initiative von der Ida- und Richard-Kaselowsky-Stiftung, der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit, der Deutsche BP Stiftung und der Unfallkasse NRW.

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