Lammersdorf - „In aller Stille“: Sprache und Musik ergänzen sich unerhört

„In aller Stille“: Sprache und Musik ergänzen sich unerhört

Von: Maggie Jung
Letzte Aktualisierung:
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„Stilles“ Zusammenspiel von Sprache und Musik: Isabelle Faust und Roger Willemsen in der Pfarrkirche Lammersdorf. Foto: M. Jung

Lammersdorf. Es seien die leisen Prozesse, in denen sich das Leben ändere, schreiben Isabelle Faust und Roger Willemsen über ihre musikalische Lesung. Die international hochgeschätzte und vielfach preisgekrönte Violinistin und der ebenso mehrfach ausgezeichnete Autor, Korrespondent, Regisseur und Produzent ließen am Freitag im Rahmen des Kulturfestivals der Städteregion Aachen X 2015 in der Pfarrkirche in Lammersdorf die Zuhörer teilhaben an der Stille, dem „Zustand, in dem Musik geboren wird“.

Dass dies kein Widerspruch ist, sondern Sprache und Musik sich auf unerhörte Weise ergänzen, gegenseitig bereichern und sogar vertiefen, ließen Isabelle Faust und Roger Willemsen eindrucksvoll spüren. Dabei besteht die Essenz ihrer Darbietung „In aller Stille“ darin, die Menschen innehalten zu lassen und sie wieder im Hier und Jetzt zu verwurzeln. Nicht einfach in der heutigen Zeit, die geprägt ist von Geräuschen und Klängen, die immer und überall um uns herum vorherrschen. Selbst das Meer sei inzwischen so laut, dass man mitunter das Fischesterben oder auch das Walstranden darauf zurückführe, so der Autor.

In seinen Texten lässt er ausdrucksstarke Bilder lebendig werden; sie geben Situationen in Roger Willemsens Leben wieder, die er als besonders leise empfunden hat. Er lässt uns beispielsweise teilhaben an einer winzigen Sequenz aus dem Leben eines wohl verliebten Mädchens „nach Mitternacht in Tokio“ und beschreibt die Ruhe im „morgendlichen Park in der Ukraine“, die von gedämpften Geräuschen gebrochen wird, etwa dem Zusammenfegen der Scherben oder dem Durchstöbern der Mülltonnen. Selbst das vermeintlich laute Ritual des Schlachtens von Bullen in Sulawesis endet letztendlich in der Geräuschlosigkeit und lasse nur denjenigen ungerührt, der den Bullen als Jungtier nie auf die Weide begleitet und ihn nie zärtlich umsorgt habe. Die Stille also, von der es mehr als eine gebe – so die Violinistin und der Autor –, setze sich am Ende stets durch.

Auf der „Dornröschen“-Stradivari von 1704 begegnet Isabelle Faust den vielfältigen Momenten der vorgetragenen Szenen, umspielt die Bilder und lässt Assoziationen vor dem inneren Auge wach werden.

Die Zuhörer in der Pfarrkirche Lammersdorf danken es den Vortragenden: sie genießen lautlos, teils mit geschlossenen Augen, lassen sich leiten und tragen von der Ästhetik des Zusammenspiels, dieser faszinierenden Symbiose von Sprache und Musik.

Durch ein gegenseitiges, leises Anlächeln schließen die Vortragenden ihre Darbietung, die bis dahin gebotene Zurückhaltung in den Zuhörerreihen darf sich nun entfalten – und dies tut sie in nicht enden wollendem Applaus und Bravo-Rufen.

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