Immer weniger Blutspender: DRK beklagt auch die Grippewelle

Von: M. S.
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Ein DRK-Trio, das sich unermüdlich für mehr Blutspende-Aktivitäten in der Nordeifeler Bevölkerung stark macht: Heinz Kapschak, Lucie Kell und Georg Simon (von links). Foto: Manfred Schmitz

Nordeifel. Seit Jahren ist der bundesweite Trend zu stetig geringerem Blutspende-Aufkommen bei Terminen des Deutschen Roten Kreuzes auch in der Nordeifel unerwünschter Dauergast. Und das seit kurzem mit besonders gefährlichen Folgen.

Denn die ohnehin prekäre Situation kontinuierlich gewährleisteter Versorgung krebskranker Patienten, Unfallopfer und frisch Operierter verschlimmert sich zu allem Überfluss noch mit jedem Tag, da die aktuelle Grippewelle besonders heftig über Nordrhein-Westfalen rollt. „Mindestens 20 Prozent im Vergleich zu normalen Verhältnissen“, schätzen Fachleute, „bleiben von Husten und Schnupfen geplagte Freiwillige in diesen Wochen dem Blutspenden fern“.

Ein Zustand, der Heinz Kapschak, stellvertretender Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes West im Breitscheider Zentrum für Transfusionsmedizin, und seinem Kollegen Georg Simon aus Kohlscheid, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, große Sorgen bereitet. Beide verabredeten sich mit Lucie Kell aus Eicherscheid, DRK-Blutspende-Koordinatorin für Monschau/Simmerath, zum „kleinen Krisengespräch“ mit dem Ziel, eine Strategie zu kreieren, um der dramatischen Negativ-Entwicklung entgegen zu wirken.

Das mit nüchternen Zahlen und Fakten belegte Fazit des Trios: „Uns fehlen dringend Spender, nicht zuletzt Erstspender, ehrenamtliche Helfer/innen zur funktionalen Organisation und optimalen Gestaltung der Spendenaktionen. Die Mitglieder der Ortsvereine befinden sich zum Teil weit jenseits der Rentengrenze. Und drittens herrscht zur reibungslosen Abwicklung unserer Arbeitseinsätze obendrein akuter Ärztemangel.“

Die Statistik spricht ein ernstes Wort. So reicht der Vorrat an Plasmadosen pro Klinik normalerweise für drei Tage, momentan schrumpfte diese Marge auf nun noch 1,4 Tage, „in mancher Blutgruppe liegt der Bestand sogar unter 24 Stunden, erst jüngst mussten andere Bundesländer NRW mit 6000 Konserven aushelfen“, berichtet Heinz Kapschak. Er hält es für realistisch, „dass Notfälle in den Krankenhäusern derzeit zwar noch bewältigt, planbare Operationen, Einsatz eines künstlichen Hüftgelenkes etwa, aber durchaus verschoben werden können“.

Von 2011 bis zum letzten Sommer, stellten Kapschak und Simon rückblickend fest, „hatten wir keine sonderlichen Probleme, inzwischen ist die Lage aber äußerst brenzlig“.

Auf die vielfältigen Aufgaben, die ein DRK-Team bei jeder lokalen Präsenz zu bewältigen hat, weist Georg Simon hin: „Das ist weit mehr als Brötchenschmieren, verlangt von der Anmeldung bis zur Verabschiedung der Kandidaten eine Fülle interessanter Arbeitsschritte.“ Simon verweist angesichts dramatischen Rückgangs an Erstspendern auf die individuellen Vorteile, „dass jeder Freiwillige seine Blutgruppe bestimmen lässt und zudem einen kleinen Gesundheitscheck erfährt“.

Das DRK möchte, erläutert Referent Simon, „die Blutspende-Aktionen auf ein breiteres Fundament stellen, manche Posten möglichst sogar vorbeugend besetzen. Viele Kräfte unseres Personals sind weit jenseits der 70, den Altersschnitt müssen wir verjüngen. Leicht können Helfer krankheitsbedingt ausfallen, die Personaldecke ist viel zu dünn. Wer beispielsweise dem DRK als langjähriger Spender verbunden war, ist nach Überschreiten der Altersgrenze als Helfer bei Lösung vielfältiger Aufgaben herzlich willkommen“.

Interessenten können sich übrigens bei der Koordinatorin des DRK-Ortsvereins, Lucie Kell (Telefon 02473/1350) über Einzelheiten informieren. Kell ist für den reibungslosen Ablauf von jährlich 40 Terminen in zwölf Monschau/Simmerather Orten verantwortlich.

Insgesamt 90 Ärzte arbeiten momentan freiwillig für das Institut Breitscheid, acht Mediziner stehen als Rotkreuzler in der Städteregion zur Verfügung. „Für ein großes Einsatzgebiet vom Rursee bis zum Selfkant viel zu wenige“, sind sich Kapschak und Simon einig, „sie müssen schließlich über 400 Termine jährlich wahrnehmen.“

Der Blutspende-Dienst Breitscheid beliefert die Krankenhäuser in NRW täglich mit mehr als 3500 Blutkonserven und anderen Präparaten. Um diese imposante und für das Gesundheitswesen unverzichtbare Leistung aufrecht zu erhalten, seien, postulieren Kapschak und Simon, „im Schnitt mindestens je 50 Spender/innen aufzubieten. Eine Zahl, die in Monschau/Simmerath anberaumten Lebenssaft–Kollekten höchst selten erreicht wird, „ein schleichender Minusprozess“, so Simon greife seit langem um sich.

Registrierte der Nordeifeler Ortsverein im Jahre 2008 noch 2341 ehrenamtliche Blutspender so sank deren Zahl 2012 auf 1984 Personen.

Das entspricht einem Rückgang von 15 Prozent. 2008 konnten in allen zwölf Aktionsorten noch 129 Neuspender gewonnen werden, so waren es bis Jahresende 2012 nur noch 72 Debütanten (44 Prozent weniger). Dieser Verlauf dürfe sich keinesfalls fortsetzen, soll die medizinische Versorgung der Bevölkerung nicht ernsthaft gefährdet werden, waren sich die versierten Rotkreuzler einig.

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