Imgenbroich von oben: Mit dem Dachdecker auf Tour

Von: ag
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Rudi Schreiber aus Kalterherberg arbeitet seit 44 Jahren als Dachdecker.

Imgenbroich. Der Karabinerhaken des Sicherheitsgurtes, den sich Rudi Schreiber umgelegt hat, rastet ein. Der Korb der Hebebühne löst sich vom Boden. Es schaukelt ein wenig. Zum Glück weht kaum ein Wind, die Blätter der Bäume wiegen nur ganz leicht hin und her.

Die Fahrzeuge auf der B 258 in Ortskern von Imgenbroich werden kleiner, bald wirken sie nur noch wie Matchbox-Autos. Die auf den Parkplätzen umher huschenden Menschen werden zu Ameisen. Immer höher geht es hinauf bis zur Kirchtumsspitze der Pfarrkirche St. Josef in 28 Metern Höhe. Das ist an diesem Tag Schreibers Arbeitsplatz.

Seit 44 Jahren arbeitet der 59-Jährige aus Kalterherberg schon als Dachdecker. Die Höhe hat ihm noch nie etwas ausgemacht. Im Gegenteil, er fühlt sich da oben wohl und genießt die tolle Aussicht über die Eifel. Schreiber ist schwindelfrei. „Bei gutem Wetter fehlt mir eigentlich nur ein Liegestuhl, um die Aussicht zu genießen“, sagt der Dachdecker lachend. Seine höchsten Einsatzgebiete waren am Eifeldom in Kalterherberg und an der Josefskirche in Aachen. „Zum Glück ist nie etwas nennenswertes passiert“, sagt er.

Schreiber beugt sich aus dem Korb, um die Schieferplatten zu entfernen, die sich im Winter gelöst haben und von denen bereits einige hinunter gestürzt waren. Die alten Bretter entfernt Schreiber gleich mit. „Die Schalung muss auch ausgetauscht werden, sonst halten die neuen Schiefertafeln nicht und liegen beim nächsten Windstoß gleich wieder unten“, erklärt Schreibers Chef, Axel Piana, der das Geschehen verfolgt.

Für diesen Auftrag hat Piana auf das Unternehmen Gardemann zurückgegriffen, das sich auf die Einsätze in luftiger Höhe spezialisiert hat. Bis zu 100 Meter hoch kommen die Spezialisten mit ihren Geräten und sind in der Region regelmäßig bei Arbeiten an Hochhäusern, dem Aachener Dom oder der Sanierung des Eselsturms an der Monschauer Burg im Einsatz.

Dass eine Hebebühne des Unternehmens an der Imgenbroicher Kirche zum Einsatz kommt, liegt daran, dass der Kirchturm nicht gleichmäßig in die Höhe geht, weil er einen Versatz hat, einen Knick macht. Außerdem gibt es dort oben keine Fenster oder andere Ausstiegsmöglichkeiten, über die Peter Schreiber zu seinem Arbeitsplatz gelangen könnte.

Schreiber hat unterdessen schon eine neue Schieferplatte in der Hand. Mit ein paar gekonnten Hammerschlägen hat er sie im Nu auf die richtige Größe zurecht gestutzt. Einmal dort oben angekommen, tauscht Schreiber aber nicht nur die kaputten Schiefern aus. Wenn die Hebebühne schon mal da ist, kontrolliert er gleich den ganzen Turm auf mögliche weitere Schäden und entdeckt auch noch etwas: An den Schallöffnungen für die Kirchenglocken hat sich ein Blech gelöst, das wird auch gleich wieder in Ordnung gebracht.

Gleichzeitig sind Schreibers Kollegen auf dem Dach des Kirchenschiffs unterwegs, um dort defekte Platten auszutauschen. Bei dem leichten Nieselregen an diesem Tag ist das sicher keine angenehme Aufgabe. Schreiber arbeitet zwar noch ein paar Meter höher, dafür steht er aber um einiges sicherer. Vor allem hat Schreiber aber die bessere Aussicht – es fehlt nur ein wenig Sonne und ein Liegestuhl.

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