Imgenbroich hat seinen „großen Sohn“ noch nicht vergessen

Von: Josef Schreier
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„Sommerabend am Rhein" aus dem Jahr 1862. Foto: des Malers Christian Eduard Böttcher.
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Böttcher nannte dieses Bild „Die Einkehr". Foto: ttchers überhaupt: „Sommerabend am Rhein“ (1862). 2) Selbstporträt (1858). 3) Die Einkehr 4) Christian Böttcher

Imgenbroich. Seit dreißig Jahren gibt es in Imgenbroich eine „Christian-Böttcher-Straße“. Am Straßenschild ist vermerkt, dass es sich bei diesem Namen um einen Maler-Professor an der Düsseldorfer Kunstakademie handele, der in Imgenbroich geboren wurde und von 1818 bis 1889 gelebt hat. Am 15. Juni 1889, also Sonntag vor 125 Jahren, ist er in Düsseldorf gestorben.

Tatsächlich ist dieser Maler (der meist mit seinen beiden Vornamen als Christian Eduard Böttcher angeführt wird) einer der ganz wenigen Imgenbroicher, die es zu einem Eintrag in die großen Lexika wie den „Brockhaus“ oder den „Meyer“ gebracht haben. Trotzdem dürfte er im Gedächtnis der meisten heute lebenden Imgenbroicher wohl noch nicht den Platz einnehmen, der ihm eigentlich gebührt.

Was war das für ein Mann? Zunächst weist schon der Familienname Böttcher darauf hin, dass die Familie nicht zu den Einheimischen zählte. Der Vater Böttchers war ein „Zugezogener“ und betrieb in seinem Wohnhaus, in der „Burg“ an der heutigen Bruchstraße, eine Tuchweberei. Im gleichen Haus ist der spätere Maler auch geboren. Seine Geschwister traten durch Heirat in familiäre Beziehungen zu den bekannteren Tuchmacherfamilien Werner und Offermann.

In die Ferne

Den jungen Christian Eduard jedoch zog es in die Ferne. Leider scheint über die Schulzeit des Malers, die seine malerische Begabung wohl schon zum Vorschein hätte bringen müssen, nichts bekannt zu sein. Man findet ihn wieder bei der Ausbildung zum Lithographen und Porträtzeichner in der Kunstschule in Stuttgart und dann als Schüler der bedeutenden Künstler und Professoren Theodor Hildebrandt und Wilhelm von Schadow an der Kunstakademie in Düsseldorf. Ebendort wurde der Imgenbroicher Maler dann selbst Professor, im Jahre 1872, und verblieb da bis zu seinem Tode.

Bei einem Maler sind aber natürlich das Wichtigste seine Bilder. Und hier ist freilich zu sagen, dass er nicht zu den Malern zählte, die durch revolutionäre Formexperimente oder durch ein skandalträchtiges Kunstkonzept Aufsehen erregt hätten. Ihm ging es um die „kleinen Dinge“. Er hat Bilder aus dem Alltag der rheinischen Heimat gemalt, für den heutigen Geschmack vielleicht allzu harmlos. Mancher nannte ihn daher einen „Idylliker“. Wirklich kann man beim Betrachten von Böttchers Bildern von ferne an den anderen Idylliker und Fast-Zeitgenossen Böttchers, Carl Spitzweg, erinnert werden, obwohl Böttcher die liebevolle Ironie Spitzwegs abgeht. Auch an Ludwig Richter könnte man denken. Es scheint allerdings, als habe dieser „idyllische“ Böttcher sich erst nach der gescheiterten Revolution von 1848 entwickelt, denn zuvor gab es durchaus Bilder von ihm, die auf soziale Probleme hinwiesen, wenn auch eher in mitfühlendem als in anklagendem Sinn. So bei einem damals aufsehenerregenden Bild mit dem Titel „Entlassung eines Gefangenen aus dem Kerker“. Aber dieser Impuls wurde durch die politisch reaktionären Entwicklungen nach 1848 zurückgedrängt. Böttcher wurde zu einem der führenden Vertreter spätromantischer rheinischer Landschafts- und Genremalerei.

Seine Bilder wurden vor allem durch Kupferstichvervielfältigungen, die er teils selbst herstellte, sehr populär. Man kann beim Anblick seiner Bilder (etwa dem berühmtesten davon: „Sommerabend am Rhein“ von 1862 oder „Die Einkehr“ von 1864) durchaus den Eindruck gewinnen, dass er mit seiner Kunst diejenige Vorstellung von „Rheinromantik“ repräsentiert oder wohl gar mitbegründet hat, die auch heutige Rheintouristen mindestens noch unterschwellig in sich tragen. So gesehen, wäre Böttcher also durchaus noch aktuell.

Keine Beziehung zum Geburtsort

Als heutiger Imgenbroicher Bürger muss man freilich bedauern, dass der Düsseldorfer Maler und Professor Böttcher zu seinem Geburtsort anscheinend keine weitergehenden Beziehungen pflegte. Wie schön wäre es doch, wenn sich das Dorf einer Dokumentation seiner landschaftlichen Schönheit aus der Hand eines Künstlers rühmen könnte, der aus ihm hervorging. Aber wer weiß – vielleicht bringt einmal ein Kunstkenner und Heimatfreund das Interesse auf, das Werk Christian Eduard Böttchers wissenschaftlich eingehend aufzuarbeiten. Womöglich findet sich dann doch noch eine Spur des Heimatdorfes Imgenbroich, das seinen „großen Sohn“ immerhin nicht vergessen hat.

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