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Im Notfall längere Wege zur Apotheke

Von: Andreas Gabbert
Letzte Aktualisierung:
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Er sieht in der neuen Regelung eine Erleichterung für die Apotheker, gleichzeitig aber auch eine Verschlechterung für die Bürger: Andreas Hündgen, Inhaber der Ahorn-Apotheke in Simmerath.
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Im Sinne der Bürger würde er begrüßen, dass Ärzte einen kleinen Vorrat an Medikamenten anlegen und an ihre Patienten abgeben dürfen. Dr. med. Paul Ohlig aus Imgenbroich.

Nordeifel. Im Notfall können die Wege länger werden. Die Apothekerkammer Nordrhein hat nämlich die Notdienste neu geregelt. Flächendeckend lautet das Zauberwort. Seit dem 1. Januar 2014 werden die Notdienste nicht mehr innerhalb einzelner Städte oder Gemeinden, sondern flächendeckend über das gesamte Kammergebiet ermittelt.

Mit der Restrukturierung sichere die Apothekerkammer Nordrhein langfristig die flächendeckende Versorgung der Patienten mit Apothekennotdiensten in allen Regionen, heißt es seitens der Kammer. „Mit der Neuordnung schaffen wir zukunftsfähige Strukturen. Wie bisher hat dabei die Patientenversorgung oberste Priorität“, betont Lutz Engelen, Präsident der Apothekerkammer Nordrhein.

Bisher war es so, dass im Notfall immer eine Apotheke in Monschau, Simmerath oder Roetgen zu erreichen war. Die Apotheker hatten sich unter der Regie von Ottmar Kell untereinander so abgesprochen, dass sich die Nordeifel selbst versorgt hat. „Wir waren immer bemüht, für die Eifel die beste Lösung zu finden“, sagt Andreas Hündgen, Inhaber der Ahorn-Apotheke in Simmerath.

30 Kilometer zumutbar

Nun kann es passieren, dass man im Notfall nach Hellenthal, Heimbach oder Aachen ausweichen muss. In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar waren zum Beispiel die Sonnen-Apotheke in Hellenthal, die Rurtal-Apotheke in Heimbach, die Fortuna-Apotheke und die Apotheke am Steppenberg in Aachen sowie die Adler-Apotheke in Zülpich für den Notdienst in der Nordeifel zuständig. Die Vergabe, wann welche Apotheke Notdienst hat, erfolgt über ein Computersystem, das die optimale Distanz zwischen den Apotheken errechnen soll. Dabei spielt der Standort eine wichtige Rolle: Das System unterscheidet zwischen Stadt, Mittelzentrum und ländlichen Gebieten. So gilt nach der neuen Regel in ländlichen Gebieten eine Strecke von 30 Kilometern für die Patienten als zumutbar.

Patienten können mittels einer neuen Notdienstsuche auf www.aknr.de mit der Eingabe ihres Wohn- oder Standortes die am nächsten gelegene notdiensthabende Apotheke finden. Zudem gibt die Plattform www.apothekennotdienst-nrw.de einen Überblick über alle diensthabenden Notdienst-Apotheken in ganz NRW. In der Zeitung werden die Notdienste natürlich auch weiterhin veröffentlicht.

„Das ist heftig und fast nicht zumutbar“, sagt Dr. med. Paul Ohlig, Koordinator der Notdienstpraxis im Krankenhaus Simmerath und Obmann der niedergelassenen Ärzte in Monschau, Simmerath und Roetgen über die neue Regelung. Dies sei kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt. Vorher habe es eine flächendeckende Versorgung gegeben, diese sieht der Arzt nun in Gefahr.

„Für uns bedeutet das ein wenig weniger Dienste gegenüber den letzten Jahren. Die Verteilung über alle Apotheken wird etwas ausgewogener. Aber es ist immer noch so, dass eine Landapotheke drei- bis viermal im Monat Notdienst hat und eine Apotheke in der Stadt etwa zehnmal im Jahr“, sagt Andreas Hündgen. Für den Patient in der Nordeifel sei die neue Regelung aber schlechter, „weil es sein kann, dass er wirklich die Strecke bis Hellenthal fahren muss“.

Früher sei es so gewesen, dass im Notdienst bis 22 Uhr reger Verkehr geherrscht habe, sagt Hündgen. In der Nacht selbst seien es dann meist zwei bis drei Notfälle gewesen. Mit der Einführung der 10-Euro-Notdienst-Gebühr beim Arzt sei die Frequenz bis 22 Uhr grundsätzlich gesunken. Die Einführung der zentralen Notdienstpraxis im Krankenhaus Simmerath habe die Frequenz dann nochmals gesenkt. Es gibt auch Tage in denen die Pharmazeuten in der Eifel durchschlafen können. „Letzten Sonntag sind bis 22 Uhr drei Leute gekommen, danach keiner mehr“, sagt Hündgen.

„Die Umstellung ist ein Tribut an die veränderte Apothekenlandschaft. Eine rein geografisch basierte Verteilung des Notdienstes ist unabdingbar. Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen für Apotheken haben dramatisch abgenommen; wir liegen zwischen drei und fünf Prozent Umsatzrendite – und das bei hohen Kosten und irrem Risiko. Die Apothekendichte vor allem in Peripheriegebieten ist entsprechend dramatisch rückläufig“, erklärt Martin Katzenbach, Sprecher der Apothekerkammer Nordrhein.

Im Sinne der Patienten hält Dr. Ohlig zwei Modelle für sinnvoll. In Österreich haben die Ärzte ein eingeschränktes Dispensierrecht. Das heißt, sie haben eine kleinen Vorrat an Medikamenten, die sie an ihre Patienten abgeben dürfen. Das würde Ohlig auch hier begrüßen. „Dann wäre die neue Regelung egal.“ Die andere Möglichkeit wäre aus seiner Sicht eine Anpassung der so genannten Sprechstundenbedarfsverordnung, damit die Ärzte einen Vorrat an Medikamenten wie Antibiotika und Schmerzmittel zu Lasten des Sprechstundenbedarfs anlegen dürfen. Bislang versuchen die Ärzte den Engpass mit so genannten Ärztemustern zu überbrücken deren Bedarf langfristig aber nicht mal gesichert ist. „Ab 1. Juli wird es keine Medikamenten-Muster mehr für uns geben“, sagt Ohlig.

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